Schreiben in der Natur

Selbsterfahrung: Aschaffenburger Outdoorspezialistin bringt Menschen das »Nature Writing« nahe

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christine rettenmeier (links) beim nature writing mit einer teilnehmerin
Foto: rettenmeier
Bis zum 13. März 2020 war Chris­ti­ne Ret­ten­mei­er in der gan­zen Welt als Rei­se­lei­te­rin un­ter­wegs. Sie führ­te nach ei­ge­ner Aus­sa­ge »Grup­pen zu den sc­höns­ten, span­nends­ten, auf­re­gends­ten Or­ten« des Glo­bus und be­t­reu­te die Teil­neh­mer auf die­sen Tou­ren per­sön­lich. Doch mit Co­ro­na war plötz­lich al­les vor­bei.

Auf unbestimmte Zeit lahm gelegt.

Also verlegte sie ihr »Basislager«, wie die 58-jährige Aschaffenburger Reisejournalistin und Outdoorspezialistin es nennt, an den Untermain. Von dort aus treibt sie sich »aktiv-kreativ in der näheren Umgebung herum«.

»Inspirierende Plätze«

Zwei Standbeine hat sie sich seither aufgebaut: Sie ist Referentin für Deutsch als Zweitsprache und leitet in Eigenregie Touren im Spessart. Es sind aber weniger klassische Wander- oder Ausflugstouren, die sie führt. Auf ihrer Homepage bietet sie unter anderem zweitägige Wander-Workshops im »Nature Writing« an. Nature Writing? »Das ist eine Literaturgattung, die vor allem im englischsprachigen Raum sehr beliebt ist«, erklärt Christine Rettenmeier. Doch dieses Genre sei auch in Deutschland auf dem Vormarsch, spätestens, seitdem Peter Wohlleben mit seinem Bestseller »Das geheime Leben der Bäume« und seiner Waldakademie immer mehr Menschen für die Zusammenhänge in der Natur sensibilisierte.

Wie kann man sich das vorstellen? Zu den zweitägigen Workshops nimmt Christine Rettenmeier, die als Diplom-Journalistin und Redakteurin selbst Jahrzehnte lang Reportagen und Reisebücher geschrieben hat und aktuell auch einen Blog zum Thema »365 mal draußen« bedient, maximal acht Teilnehmer mit in die Natur.

Am liebsten sucht sie dabei »inspirierende Plätze« wie den Wiesbüttsee im Main-Kinzig-Kreis im hessischen Spessart oder die Hügel rund um Rothenbuch im Hochspessart im Kreis Aschaffenburg auf. Dort, an »kreativen Stationen«, macht die Gruppe halt, einen Notizblock auf den Knien und einen Stift in der Hand, um zu schreiben.

Das Thema überlasse sie jedem selbst, nur wer eine Anregung braucht, kann auf ihre Unterstützung setzen. Zuvor wird gelauscht, geschaut, geschwiegen, inne gehalten. Es gehe viel um Achtsamkeit, dazu mache sie auch Übungen.

»Wir erspüren die Natur mit allen Sinnen - und halten diese intensiven Beobachtungen schriftlich fest«. Auch die Form ist jedem selbst überlassen, ein Gedicht, eine Kurzgeschichte, eine Beschreibung. Hinterher trage man die Resultate vor und inspiriere sich dabei gegenseitig.

Berühmte Vertreter

Wer glaubt, das habe es in Deutschland bislang nicht gegeben, irrt: Der Forscher Alexander von Humboldt ist mit seinen Naturbeschreibungen wohl der berühmteste Vertreter der Gattung »Nature Writing«. Und der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Henry David Thoreau dürfte auch hierzulande manchem ein Begriff sein. Diesem hohen Anspruch muss freilich keiner gerecht werden.

Es geht eher um eine gute neue Erfahrung in der Natur, in der Gruppe und mit sich selbst.

Hintergrund

Christine Rettenmeier (links) beim »Nature Writing« im Spessart mit einer Teilnehmerin. Foto:

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