Die Schweiz kann so nah sein

Geheimtipp: Haibacher Schweiz - Erlebnispfade und ein widerlegter Mythos

2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

haibacher schweiz
Foto: Sabine Schömig
haibacher schweiz quelle
Foto: Sabine Schömig
haibacher schweiz
Foto: Sabine Schömig
Als Kind stan­den wir ehr­furchts­voll in die­sem eher dun­k­len Grund vol­ler hü­ge­li­ger Pfa­de, durch den sich der Hai­de­bach schlän­gelt. Schon da­mals gab es ei­nen Trimm-Dich-Pfad qu­er durch die Hai­ba­cher Schweiz, der zu ei­ni­gen Kraft- und Ba­lan­ce­übun­gen an­re­gen soll­te.

Heute führt durch das nicht ohne Grund »Haibacher Schweiz« genannte arten- und planzenreiche Tal, das zur Gemeinde Haibach im Landkreis Aschaffenburg zählt, ein Waldlehrpfad, drei Kilometer lang mit 17 Stationen. Hier können Eltern und Kinder unter anderem auf einem sehr langen Baumstamm balancieren - im Flyer zum Waldlehrpfad, der etwa auf der Seite https://www.naturpark-spessart.de heruntergeladen werden kann, wird ihm die gleiche Länge wie dem längsten Baum der Welt zugeschrieben. Auch ein Mammutbaum wächst in dieser immergrünen Umgebung, dessen Gattung die dicksten Bäume weltweit hervorbringt.

Versteckter Charme

Ein Baumxylophon, dem man selbst Töne entlocken kann, eine Aussichtsplattform sowie eine lange Seilrutsche versüßen dem Nachwuchs das Erkunden der nach Schweizer Art öfter ansteigenden Pfade.

Etwas Mystisches hat das tief eingeschnittene Tal aber auch. Es gibt zum Beispiel eine gefasste Quelle, die mitten im Wald aus dem Felsen sprudelt. Und eine kleine Klappermühle, ein nostalgisches Holzhüttchen, dessen Mühlrad erst vor Kurzem wieder repariert wurde und sich bei ausreichend Wasserstand im Haidebach dreht. Einige teils bereits leicht verwitterte Erklärtafeln erläutern die artenreiche Fauna und Flora des meist stillen Fleckchens.

In den Morgen- und Abendstunden wird in der Haibacher Schweiz zwar recht fleißig spazieren gegangen, gejoggt, bisweilen auch geritten und auf ausgewiesenen Parcours gewalkt - aber so richtige Anstürme erlebt man hier selten.

Das Haibacher Schweiztal lebt eher von seinem versteckten nostalgischen Charme. Und an heißen Tagen ist es hier immer noch angenehm kühl. Sogar eine Wassertretanlage ist vorhanden.

Legenden um eine Burg

Zudem ranken sich einige Legenden etwa um die Ketzelburg; der sie umgebende Ringwall ist gleichzeitig Ausgangspunkt des Kulturwegs »Ritter, Fürst und Wellekipper«. An der Ringwallstraße beim Eingang in die Schweiz gibt es einen Parkplatz. Als Teil des »Spessartweg 1« und mit dem gelben Schiffchen auf blauem Grund als Kulturweg gekennzeichnet, erfährt man auf dem 4,7 Kilometer langen Kulturweg einiges über die Geschichte Haibachs und seiner Bewohner.

Man beginnt an den kaum mehr vorhandenen Resten der Ketzelburg, einem Ort, an dem wir als Kinder schon mit Wünschelrouten nach Überbleibseln uralter Zeiten gesucht haben. Richtig fündig geworden ist aber erst der örtliche Heimat- und Geschichtsverein in den Jahren 2004 und 2005, als er die Ketzelburg unter der Leitung des Archäologischen Spessartprojekts teilweise freilegte.

Die Erkenntnisse nahmen ihr zwar den Mythos, keltischen oder römischen Ursprungs zu sein, auch wenn ein keltischer Ringwall an sie angrenzt. Gebaut und bewohnt wurde sie vermutlich von einer adeligen Familie in der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts - und zwar als dreigeschossige Fachwerkkonstruktion mit Strohdach. Gefunden hat man neben einem Steinbeilfragment auch Reste einer wahrscheinlich rituellen Hundebestattung mit Speisebeigaben.

Den Namen »Wellekipper« erhielten die Bewohner des wohl kurz darauf gegründeten Ortes Haibach, weil sie lange Zeit wellenförmiges Krüppelholz im Wald bündelten und verschürten.

Stillgelegter Steinbruch

Der Weg führt auch vorbei an der kurfürstlichen Brunnenstube aus dem Jahr 1525. Hier, weit oberhalb von Aschaffenburg, begann damals die Wasserleitung, welche das heutige Schloss Johannisburg mit frischem Wasser versorgte. Weitere Etappe ist ein stillgelegter Steinbruch unterhalb von Haibach, der Wendelberg, in dem neben Buntsandstein auch der für den Spessart typische Spessartin gefördert wurde.

Zurück in der Haibacher Schweiz, kann man den Nachwuchs wieder erheitern, etwa mit einem Besuch des Wildparks, des Klettergartens oder des etwas gruselig »Knochengarten« genannten Abenteuerspielplatzes am Rande des Tals.

Hintergrund

Balancieren? Auf diesem Stamm kann man sich ausprobieren.

Hintergrund

Verwunschen sprudelt das Quellwasser aus einem Felsen im Wald.

Hintergrund

Nordic Walking gefällig? Kein Problem. Es gibt mehrere unterschiedlich lange Parcours. Foto:

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!