Freitag, 20.09.2019

Lust & Liebe: Vier Freier aus der Region erzählen, warum sie in den Puff gehen

Nachgefragt

Aschaffenburg
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Im Aschaffenburger Bordell Dolce Vita.
Foto: Harald Schreiber
Im Aschaffenburger Bordell Dolce Vita.
Foto: Harald Schreiber
Besuch im Aschaffenburger Dolce Vita. Fotos von Puff-Mutti Eva Bonin und ihre Damen.
Foto: Harald Schreiber
Foto: Freier
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Es ist an­geb­lich das äl­tes­te Ge­wer­be der Welt. Ty­pi­scher­wei­se zah­len Män­ner Frau­en Geld, um mit ih­nen Sex zu ha­ben. Aber wer sind die­se Män­ner? Vier Frei­er er­zäh­len.

Etwa 1,2 Millionen Männer gehen hierzulande jeden Tag (!) zu Prostituierten. Jeder vierte deutsche Mann geht einmal im Leben zu einer Sexarbeiterin; jeder fünfte geht regelmäßig. Der typische Freier ist 30 bis 40 Jahre alt und in einer festen Beziehung.

Diese Zahlen liefert Psychologin Sandra Konrad in ihrem Buch »Das beherrschte Geschlecht«.

Laut Konrad gibt es zahlreiche Gründe, warum jemand zu Prostituierten geht: sexuelle Lust, Neugierde, Druck Gleichaltriger; um Krisen zu bewältigen; manche fasziniert die Subkultur; andere finden Geld-gegen-Sex besser als One-Night-Stands; einige finden keine Frau für Gelegenheitssex; andere leben bei Prostituierten frauenfeindliche Neigungen aus, indem sie zum Beispiel Frauen beim Sex erniedrigen.

Porno = Theorie, Puff = Praxis

Im Gespräch mit unserer Redaktion betont Konrad: »Männer gehen zu Prostituierten, weil sie es können - weil es legal ist und dadurch legitim erscheint.«

Prostituierte berichten laut Konrad, dass Männer Dinge ausprobieren wollen, die sie im Netz gesehen haben. Im 21. Jahrhundert gelte: Porno ist die Theorie - Prostitution ist die Praxis. Sie zitiert eine Prostituierte: »Im Prinzip lässt man sich gegen Geld vergewaltigen.«

Im Aschaffenburger Bordell Dolce Vita.
Foto: Harald Schreiber

 

»Mein erstes Mal: Bei einer Prostituierten in Frankfurt«

»Du fährst«, sagten meine Freunde zu mir. Damals war ich 18 Jahre alt und wusste nicht, wohin es ging. Das wurde mir erst klar, als wir schon dort waren: im Frankfurter Rotlichtviertel.

Kaum dort angekommen, waren meine drei Kumpels verschwunden. Zuvor hatten wir nur abgemacht, wann wir uns in unserer Stammkneipe treffen würden. Was lag da näher, als sich selbst mal umzuschauen? Das war meine erste Erfahrung mit käuflichem Sex - und mit Sex an sich.

Denn: An diesem Tag in Frankfurt hatte ich mein erstes Mal. Mit einer ganz lieben Asiatin, Anfang 30. Die hat mir Landei gleich ein ordentliches Programm aufgefahren.

Seit diesem Tag war ich häufiger im Bordell. Alle vier bis sechs Wochen fuhren wir als Gruppe nach Frankfurt. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, alleine hin zu fahren. So lange, bis ich feste Beziehungen hatte.

Drei Jahre lang war ich zwischendurch wieder Single. Da habe ich dann ziemlich Gas gegeben. Es ging drum, dass man mal wieder eine Frau im Bett hat. Fertig aus.

Für mich kam der Puff-Besuch nie in Frage, wenn ich eine Partnerin hatte. Aber für viele meiner Begleiter war eine Frau oder Freundin kein Hindernis, zu einer Sexarbeiterin zu gehen.

Einen bestimmten Typ habe ich nicht. Beim Beuteschema bin ich wahnsinnig flexibel. Mir ist egal, ob 1,60 oder 1,80, ob 20 oder 40. Aufdringlichkeit turnt mich ab. Ich habe die Erfahrung gemacht: Deutsche Prostituierte zocken einen ab. Da kostet es viel und es steckt nichts dahinter.

Alleine schon, wenn ich sehe, wer da vor mir drin war, ist für mich aber klar: Alles mit Gummi.

Männlich, 46, Kreis Main-Spessart

»Du gehst hin und nimmst dir, was du willst«

»Nicht Frauen ansprechen, essen gehen oder diskutieren, sondern einfach mal das primitive Schwein raushängen lassen - das reizt mich an käuflichem Sex.

Mit 18 Jahren war ich das erste Mal in einem Saunaclub, mit einem Kumpel zusammen. Das war schon eher gehoben. Es gab Bademäntel, Essen und einen Swimmingpool. Einfach ein nettes Ambiente. Nur rein, raus und wieder weg - das ist nichts für mich. Ich will schon erstmal reden. Für mich war das aber nicht die erste Erfahrung mit Frauen. Das erste Mal sollte schon normal sein. Das finde ich wichtig.

Bei meinem zweiten Besuch in dem Darmstädter Saunaclub habe ich einen Fehler gemacht. Ich wollte den Eintritt richtig nutzen und bin nach dem ersten Sex weiter dort geblieben. Ich bin im Pool geschwommen und habe an der Bar getrunken, bis ich wieder einen hoch gekriegt habe. Dann war ich insgesamt vier Stunden dort und dadurch habe ich viel zu viel Geld ausgegeben. Denn neben dem Eintritt muss jede der Damen bezahlt werden. Und das beste Material sitzt an der Bar. Die musst du ansprechen und ihnen dann noch was zu trinken ausgeben. Da kam schnell einiges zusammen.

Diesen Fehler habe ich nicht mehr gemacht, dafür aber einen anderen. Bei meinem dritten Puff-Besuch habe ich mich fast verliebt. Sie war blond, extrem hübsch, hat echt gebildet gewirkt und sie konnte auch richtig was. Danach sind wir wieder runter gegangen. Ich habe sie bezahlt und habe gefragt, ob wir uns mal so treffen wollen. Das hat sie aber direkt abgeblockt und nur gesagt, dass sie jeden Mittwoch hier sei.

Ich bin nie in einen Club oder ein Bordell gegangen, weil ich es nötig gehabt hätte. Ich wollte einfach mit einer Gruppe Jungs einen coolen Abend verbringen. Und mir gefällt das Gefühl: Du gehst hin und nimmst dir, was du willst. Dieses Auswählen, das ist gut.

Beim vierten und bisher letzten Mal war ich in der Frankfurter Taunusstraße. Dann bin ich zu einer hin und habe gefragt, was sie kostet: 30 Euro. Also gut. Aber dann wollte sie nur runterholen. Wir haben diskutiert und dann bin ich gegangen. Darauf hatte ich keinen Bock.

Für mich gibt es beim käuflichen Sex zwei Grenzen: immer mit Gummi und nie, wenn ich in einer Beziehung ist. Aus moralischen Gründen. Ich schau mal einer hinterher, weil eine Beziehung ist ja nicht immer wie in der ersten Woche. Aber ich würde nie was machen.

Die Prostituierten müssen für mich Deutsch reden können. Aber ob sie freiwillig dort sind, das interessiert mich nicht. Da bin ich kalt.

Männlich, 22, Kreis-Darmstadt-Dieburg

 »Ich finde es schön, wenn man vorher mal mit denen spricht«

»Man hat ja diverse menschliche Bedürfnisse und wenn man nicht gerade ne Freundin hat oder sonst jemanden trifft, bekommt man eben dann doch mal Lust. Ich habe mir lange gedacht: Das mache ich nicht. Ein Tabuthema war das Rotlichtmilieu für mich aber nie. Wenn ich es meiner Mama erzählen würde, wäre sie bestimmt geschockt. Aber irgendwann wäre sicher Verständnis da. Hoffe ich.

Und unter meinen Kameraden ist das Thema sowieso weit verbreitet. Für mich hat auch das Geld eine Rolle gespielt. Das war mir dann einfach zu viel. Im Alter von 26 Jahren bin ich dann eben doch mal mitgefahren; der Druck war zu groß, weil schon lange nichts mehr gelaufen war. Da habe ich mir gedacht: Ist mir jetzt egal. Bisschen Erleichterung. Seither war ich vier Mal bei Prostituierten, gerne auch im Saunaclub.

Einmal bin ich alleine gefahren, weil meine Kameraden dann doch nicht wollten. Aber sonst waren wir immer zu zweit, zu dritt. Dann sind wir in einem Saunaclub, sitzen da, trinken ein Bierchen, schwätzen. Dann sieht man eine und entscheidet sich. Der gibt man dann meistens noch einen aus und geht mit ihr aufs Zimmer. Dann kommt man wieder und schwätzt weiter. Und nach zwei, drei Stunden hat man keine Lust mehr und dann fährt man wieder. Viel über den Akt an sich reden wir aber nicht. Manchmal erzählt man schon was, wenn was Witziges passiert ist. Dann redet man da schon mal drüber.

Ein Saunaclub kommt für mich eher in Frage als der Straßenstrich. Ich will schon gerne ein bisschen Atmosphäre, mich wohlfühlen, abschalten. Im Saunaclub ist der Gummi auch Pflicht. Die machen's immer mit. Ist ja auch Gesetz.

Einen bestimmten Typ habe ich nicht, aber ich stehe auf große Brüste und das Gesicht muss mich ansprechen - und die Frau soll Deutsch verstehen und sprechen. Ich finde es schön, wenn man vorher mal mit denen spricht. Damit es nicht so ist: Ich gehe dahin, um meinen Druck abzubauen und dann geh ich wieder. Sondern ich geh auch mal hin, um mit denen zu schwätzen. Das sind ja auch Persönlichkeiten. Die haben ja auch was zu erzählen. Und es gibt ja bestimmt Menschen, die die einfach als Lustobjekt sehen. Das ist jetzt bei mir nicht der Fall.

Darüber ob die Frauen freiwillig dort arbeiten, habe ich eher weniger nachgedacht. Aber im letzten Club, in dem ich war, hat es sich schon frei angefühlt. Bei zwei Frauen habe ich bisher das Gefühl gehabt, dass sie es des Geldes wegen machen. Bei einer hatte ich den Eindruck, dass sie Spaß hatte.

Wenn ich eine Beziehung hätte, käme ein Puff-Besuch für mich nicht Frage. Dann würde ich auch treu bleiben wollen, auch wenn die Versuchung groß wäre. Wenn ich doch schwach werden sollte, wäre das dann scheiße, glaube ich.«

Männlich, 28, Kreis Aschaffenburg

»Wenn du Sex haben willst, sagt halt niemand Nein«

»Eigentlich merkt man gar keinen Unterschied, wenn man zu einer Prostituierten geht. Als ich 23 Jahre alt war, hatte ich nur mein erstes Mal erlebt. Dann ging ich das erste Mal in ein Bordell - und besuchte das gleiche Haus immer wieder, zehn Mal insgesamt. Dann traf ich meine Freundin.

Der Unterschied im Vergleich zum Sex mit anderen Frauen? In dem Moment, wenn du Sex haben willst, sagt halt niemand Nein. Freunde hatten mir von dem Bordell erzählt. Ich bin ein paar Mal vorbeigefahren und hab es mir angeguckt. Irgendwann habe ich das dann ausgecheckt. Ich bin dann immer alleine ins Puff gegangen.

Für mich war das ein gutes Erlebnis. Immer wenn ich halt mal Lust hatte, bin ich im Jahr danach in das Bordell gefahren. Ich hab dann immer wieder dieselbe genommen, wenn sie da war. Wenn nicht, gab's auch andere Optionen.

Einen bestimmten Typ habe ich nicht, aber sie sollte schon ein bisschen nett sein, gepflegt und möglichst wenig Make-up tragen, Hauptsache natürlich. Ob ich versucht habe, meine Favoritin auch mal außerhalb des Bordells zu treffen? Ne, ne, ne. Ich sage nicht, dass ich nicht daran gedacht hätte, aber ne. Das war nur so ne kurze Fantasie.

Wenn ich in einer Beziehung bin, gehe ich aber nicht zu Prostituierten. Das finde ich moralisch nicht ok. Ich kann die Leute nicht beurteilen, die das machen, aber meine Moral wäre das nicht.

Ob die Frauen freiwillig im Bordell sind, hat für mich eigentlich keine Rolle gespielt, solange sie leidenschaftlich dabei war. Ich habe nicht gemerkt, dass eine der Frauen unfreiwillig dort gearbeitet hat. Mit einer Prostituierten habe ich mich deshalb auch unterhalten. Sie hat erzählt, dass sie sich mit dieser Arbeit ihr Studium finanziert.

Mit oder ohne Gummi ist für mich keine Frage. Die Fantasie wäre ohne, aber man kann ja nie wissen, also lieber mit. Die Kondompflicht hat auch bei den Frauen hohe Priorität. Es hat schon ein paar Momente gegeben, in denen ich darüber nachgedacht habe, es ohne Kondom zu machen. Getan habe ich es aber nie.

Männlich, 32, Kreis Aschaffenburg

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