Dienstag, 18.06.2019

Lust & Liebe: Verhütungsmittel - Als Frauen mit Krokodilkot verhüteten

Kuriose Geschichte

Aschaffenburg
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Lust &Liebe
Lust &Liebe - die Serie
Foto: Fabian Schüßler (ME)
Kondome liegen auf einem Leuchttisch. Foto: Oliver Berg (dpa)
Foto: Oliver Berg

Schon im­mer hat­ten die Leu­te ger­ne Sex. Al­ler­dings hat­ten sie nicht im­mer Lust, da­bei Kin­der zu zeu­gen. Tat­säch­lich ver­hü­ten die Men­schen schon seit Jahr­tau­sen­den und setz­ten die ku­rio­ses­ten Mit­tel ein. Wir prä­sen­tie­ren ei­ne Aus­wahl vom Kro­ko­dil­kot über eng­li­sche Rei­ter­ja­cken bis hin zur Pil­le.

Eine Frau steht vorgebeugt zwischen zwei Männern. Einer schlägt sie mit der Hand, der andere mit einer Rute. Eine typische Sadomaso-Konstellation - nur dass es sich dabei um ein Gemälde in einem etruskischen Grab handelt, das aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus stammt. Es gilt als eine der frühesten Darstellungen von Sadomaso-Praktiken überhaupt. Das Grab wird auch Tomba della Fustigazione genannt, Grab der Auspeitschung.

Mit Hilfe dieses Apparats wurde in den 1920er-Jahren Zitronenpulver auf den Muttermund gesprüht. Foto: Boris Roessler (dpa)
Foto: Boris Roessler

Doch beim Sex mussten Frauen schon immer fürchten, schwanger zu werden. Deswegen gab es bereits in der Antike eine Vielzahl an Verhütungsmitteln. Ärzte rieten etwa dazu, den Penis vor dem Geschlechtsverkehr mit Essig oder dem Saft des Hahnenkopfes, einer Pflanze, einzureiben. Und Frauen erhielten im ägyptischen »Papyrus Kahun« den Rat, aus Krokodilkot und gegorenem Pflanzenschleim Scheidenzäpfchen herzustellen. Uns kommt das vielleicht widerlich vor, doch die Methode hatte durchaus ihre Begründung: Auf der Internetseite der Wissenssendung »Planet Wissen« heißt es, das Zäpfchen konnte wohl den pH-Wert in der Scheide verändern.

Auf- und abspringen und niesen

Im Griechenland und Rom der Antike wusste man, dass man beim Analverkehr keine Kinder zeugen konnte. Etwas fragwürdig mutet dagegen der Vorschlag an, die Frau solle nach dem Akt auf- und abspringen, um den Samen wieder hinaus zu befördern. Das schreibt das Wiener Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch auf seiner Webseite. Zudem solle die Frau beim männlichen Orgasmus den Atem anhalten und danach niesen, die Vagina säubern und etwas Kaltes trinken. Außerdem setzten die Frauen auf allerlei Beschwörungsformeln und Amulette, die sie beim Sex am Körper trugen.

Eine historische Schachtel "Scheidenausspülpulver" der Marke "Frauenlob". Foto: Boris Roessler (dpa)
Foto: Boris Roessler

Etwas wirksamer waren da schon Schwämmchen und Wollbausche, die die Frauen zum Beispiel in Olivenöl, Ingwer, Salzlake oder Harz tunkten. Einmal in die Scheide eingeführt, veränderten sie die Säuren-Basen-Ausgewogenheit, was ein schlechtes Klima für Spermien erzeugt. Pessare waren ebenfalls bereits im Umlauf. Manch eine trank auch ein Gemisch aus Kupfererz oder Sadebaum.

Kirche forderte Enthaltsamkeit

Die sicherste Methode, beim Sex keine Nachkommen zu zeugen, ist aber immer noch, gar keinen Sex zu haben. Im Mittelalter war es tatsächlich sehr schwer, mal einen Tag zu finden, an dem Geschlechtsverkehr erlaubt war. So forderte die Kirche, mittwochs, freitags, samstags, an Weihnachten, Ostern, Pfingsten und während der Fastenzeit enthaltsam zu sein. Auch während der Periode der Frau war Sex tabu. Dennoch: In Kräuterbüchern kursierten Pflanzenmittel, die nachweislich empfängnisverhütend wirkten.

Auch für Soldaten war Verhütung ein Thema. So war es schon im Europa des 17. Jahrhunderts gängige Praxis in Bordellen, Kondome zu benutzen. Die bestanden damals noch aus Tierdärmen und Leinen. Für sie kursierten die unterschiedlichsten Namen: Die Franzosen nannten sie »englische Reiterjacken«, die Engländer »französischen Brief« - ein Spiegel nationaler Feindschaften?

Aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts stammt der Scheiden-Spülapparat "Frauenfreude". Foto: Boris Roessler (dpa)
Foto: Boris Roessler

Im Deutschland um 1900 kamen die ersten Aufklärungsratgeber in Umlauf. Empfohlen wurde darin unter anderem der Coitus Interruptus. Diese Unterbrechung des Geschlechtsaktes war aber keineswegs eine Neuheit. Es ist wahrscheinlich, dass schon der heilige Augustinus diese Methode praktizierte - wohlgemerkt im 4. Jahrhundert nach Christus. Im England des beginnenden 20. Jahrhunderts war man da um einiges weiter: Englische Feministinnen rieten bereits zum Einsatz von Spiralen.

Pille macht Hippiekultur möglich

In der Weimarer Republik kam die Kalendermethode in Mode, mit der sich die fruchtbaren Tage grob festlegen ließen. Während des Nationalsozialismus wurde die Frau dann auf ihre Rolle als Mutter reduziert und sollte möglichst viele Kinder bekommen. Die große Wende kam erst am 1. Juni 1961. An diesem Tag wurde die erste Pille - das Präparat hieß »Anovlar« - in Deutschland eingeführt. Zunächst galt die Pille als Symbol der Befreiung der Frau, ohne das die 68er oder die Hippiekultur kaum möglich gewesen wären.

Mittlerweile sind viele Frauen allerdings nicht mehr von der Pille begeistert, sie beklagen Gewichtszunahme und ein erhöhtes Schlaganfallrisiko. Hormonspiralen und -ringe sind mittlerweile keine Seltenheit mehr, genauso wie Hormonstäbchen, die unter die Haut geschossen werden. Wir alle wissen jedoch: 100 Prozent Sicherheit gibt es nicht, außer man hat gar keinen Sex. Aber wie hat es eine Frauenärztin mal so schön ausgedrückt: »Kein Sex ist auch keine Lösung.«

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