Kinder vor Gefahren des Leibes und der Seele bewahren

Franck-Haus: Ausstellung erzählt über 150 Jahre Kinderbetreuung in Marktheidenfeld

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Ein Kinderbild aus der Ausstellung »150 Jahre Kinderbetreuung in Marktheidenfeld«.
Foto: Martin Harth
Vor 150 Jah­ren hat­te man in Markt­hei­den­feld gro­ße Zie­le. Im Rück­ge­bäu­de der Mäd­chen­schu­le an der Un­ter­tor­stra­ße nahm un­ter der Lei­tung der Ar­men Schul­schwes­tern 1872 ei­ne Klein­kin­der­be­wahr­an­stalt ih­ren Be­trieb auf.

Man wollte die Kinder vor Gefahren des Leibes und der Seele bewahren, wie es schriftlich heißt. Kräfte des Körpers und des Geistes sollten entwickelt werden. Damit die arbeitende Klasse ihrer Arbeit unbesorgt und ungestört nachgehen könne, wollte man die Kinder in der Erziehung und Ernährung unterstützen.

Was sich daraus bis zum heutigen Tag entwickelte, davon gibt die Ausstellung »150 Jahre Kinderbetreuung in Marktheidenfeld« des Historischen Vereins und der Stadt ein beredtes Bild. Über den Sommer erzählt sie im Franck-Haus vom wechselhaften Weg von der einstigen Kinderbewahranstalt bis zur heutigen modernen Kindertagesstätte mit Regel- und Krippengruppen.

Sorgsam hat Altbürgermeister Leonhard Scherg Dokumente und Fotos zur Geschichte der kommunalen Kinderbetreuung zusammengestellt. Es wird von Stiftungen aus der Bürgerschaft und den Anfängen schräg gegenüber dem heutigen städtischen Kulturzentrum an der Untertorstraße erzählt. Fortschritte gibt es zu vermelden, wie den Umzug 1890 zur damals gerade neu errichteten Obertorschule oder den Neubau des Kindergartens Kolpingstraße Mitte der 1950er Jahre.

Rückschläge und Neustart

Rückschläge gab es natürlich auch, so wie die erzwungene Übernahme 1937 durch den nationalsozialistischen Staat und dessen Erziehungsideologie. Von einem schwierigen, beengten Neubeginn nach 1945 in den Räumen der einstigen Plattenschleiferei an der Rothenbücher Wiese wird berichtet. Aber auch von der weiteren Entwicklung mit der Kita Baumhofstraße (1971, Neubau 2018), der Übernahme des Kindergartens in Altfeld (1976, Neubau 2017), der Einrichtung der Kita Lohgraben in den früheren Räumen der Lebenshilfe Marktheidenfeld (1987) und dem Neubau der Kindertagesstätte Edith-Stein-Straße (1994) im Baugebiet »Birken III«.

Aktuelle Erweiterungs- oder Neubaupläne sind für die Kitas in Altfeld, an der Kolpingstraße sowie für eine neue Kita auf dem Gelände der Grundschule an der Ludwigstraße im Gespräch. Denn in Marktheidenfeld werden weitere Betreuungsplätze dringend benötigt, vor allem in den Krippengruppen.

Aber nicht allein die Geschichte und das Bauliche stehen im Blickpunkt der Ausstellung. Die fünf städtischen Kitas bieten ebenso wie die privaten Einrichtungen der integrativen Tagesstätte Flohkiste der Lebenshilfe und des Waldkindergartens Grüne Wichtel am Romberg muntere Einblicke in ihren Alltag.

Mit Fotos und gemalten Bildern werden moderne pädagogische Erziehungskonzepte lebendig vorgestellt. Es gibt für Jung und Alt so manches zu bestaunen und auszuprobieren: etwa eine gemütliche Vorleseecke oder ein Spielbereich von früher. Filme zeigen historische Eindrücke aus dem Jahr 1949, von einem Kindergarten-Sommerfest 1978 und Gespräche mit Kindern, Eltern und Mitarbeitenden von heute.

300 Betreuungsplätze

Das Ganze ergibt ein heiteres und informatives Gesamtbild einer wichtigen kommunalen Aufgabe. Die Stadt Marktheidenfeld verfügt derzeit, wie die zuständige Mitarbeiterin Sandra Lermann in ihrer Einführung zur Eröffnung der Ausstellung hervorhob, über 300 Betreuungsplätze für Kinder ab drei Jahren. 117 Krippenplätze für jüngere Kinder kommen hinzu. 110 Mitarbeitende sorgen dafür, dass die Kleinen zwischen 7 Uhr morgens und 17 Uhr spielen, lernen, schlafen und essen können. Auch die Integration von Neubürgern und Kindern aus Familien von Migranten bleibt eine besondere Herausforderung, wie auch die Inklusion von Kindern mit besonderem Förderbedarf.

Sandra Lermann zeigte Entwicklungen seit 1990 auf. Nur zögerlich konnten heute ganz selbstverständliche Angebote für Kleinkinder in Krippen etabliert werden. Es gab Halb- oder Ganztagsplätze und noch Mittagspausen, in denen die Kinder abgeholt werden mussten.

1960 wurden im Kindergarten Kolpingstraße 200 Kinder in zwei Gruppen von zwei Kindergärtnerinnen und einer Helferin versorgt. Noch keinen Gedanken gab es daran, was seit dem Jahr 2005 mit dem Bayerischen Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) Realität wurde.

Vielfältiger Beruf

Das Angebot soll den Bedürfnissen der Eltern entsprechen - diesem folgt dann die Personalplanung. Dies alles stellt die Kommunen vor große Herausforderungen und hat auch manche bürokratische Belastung mit sich gebracht.

Lermann, ursprünglich selbst Erzieherin im Kindergarten, sieht dennoch das Berufsfeld Kinderbetreuung als ausgesprochen erfüllend und bereichernd.

Deshalb richtete sie einen Appell an junge Menschen, Mädchen wie Jungen, aber auch an Quereinsteigerinnen und -einsteiger, sich diesem vielfältigen Beruf zuzuwenden. Denn neben dem Mangel an Raum verspüre man in Marktheidenfeld auch das Fehlen von qualifiziertem Personal.

Die Stadt wolle den Eltern weiterhin ein gutes Angebot bei der Betreuung von Kindern bieten, betonte sie. Dazu brauche es in erster Linie aber auch den Menschen.

Öffnungszeiten und Führungen

Die Ausstellung »150 Jahre Kinderbetreuung in Marktheidenfeld – von der Kinderbewahranstalt zur Kindertagesstätte« des Historischen Vereins und der Stadt Marktheidenfeld ist bis 11. September 2022 im vorderen Galeriebereich des städtischen Kulturzentrums Franck-Haus (Untertorstraße 6) zu sehen.
Geöffnet von Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.

Führungen durch die Ausstellung mit Leonhard Scherg am Mittwoch, 10. August, und Mittwoch, 7. September, jeweils um 17 Uhr. Familienführungen durch das Franck-Haus mit Valentina Harth  am Freitag, 12. August, und am Samstag, 10. September, jeweils um 14 Uhr.
Eintritt frei – keine Anmeldung erforderlich.
Internet: www.marktheidenfeld.de.

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