Beim ersten Schluck ging das Herz auf

Festbierprobe: Vorfreude, gute Nachrichten, gute Laune und eine kleine Rückschau auf schwere zwei Jahre

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big glass of bavarian lager beer isolated over white background
Foto: filmfoto
Die Stim­mung bei der Fest­bier­pro­be zur 72. Lau­ren­zi-Mes­se war präch­tig. Nach zwei Jah­ren Zwangs­pau­se wa­ren al­le Gäs­te her­vor­ra­gend ge­la­unt. Gu­tes Bier, gu­te Lau­ne und gu­te Nach­rich­ten wa­ren am Frei­ta­g­a­bend ei­ne Wo­che vor dem of­fi­zi­el­len Mes­se­start am 5. Au­gust Pro­gramm.

Allen voran Brauereichefin Maria Martin merkte man die gute Laune an. »Es gibt sie also wieder, unsere Bierprobe und noch viel wichtiger, es gibt sie wieder, unsere Mess'«, sagte Martin voller Freude. Sie ging kurz darauf ein, dass Marktheidenfeld als einzige Kleinstadt aus Franken gerade bei einem aktuellen Ranking der lebenswertesten Kleinstädte in Deutschland auf Platz 24 gelandet ist und damit unter den Top 30 in ganz Deutschland.

Erhoben wurde die Datenanalyse bei rund 900 Kommunen von der Zeitschrift »Kommunal« des Deutschen Städte- und Gemeindebunds.

In den Augen von Maria Martin liege das nicht zuletzt daran, dass in Marktheidenfeld noch Bier gebraut werde und es ein Schwimmbad gibt. Dafür gab es Applaus von den Gästen. Unter den vielen Ehrengästen wurde eines Gastes besonders gedacht, der nicht mehr dabei sein konnte. Auf den im April verstorbenen Festwirt Jürgen Papert erhob die Runde ihr Glas und ließ ihn noch einmal hochleben.

Die Chefin von Martinsbräu berichtete anschließend, wie es in ihrem Unternehmen weiter geht. »An meinem Stuhl wird schon langsam gesägt, was mich aber offen gestanden sehr freut«, sagte die dreifache Mutter. Denn Sohn Luis als Braumeister und Sohn Veit als frisch gebackener Brauer und Mälzer stehen als Nachfolgegeneration schon in den Startlöchern.

Gerste aus der Region

Wie immer sei auch dieses Mal Laurenzi-Stimmung aufgekommen, als der erste Anhänger der Festwirtfamilie Papert auf der Martinswiese abgestellt wurde, so Martin. Nur wenig später habe man ihr die erste Maß Festbier ins Büro gebracht.

»Der erste Sud am 25. April, filtriert am 28. Juni, getestet am 20. Juli«, schilderte Maria Martin. »Wunderbar bernsteinfarben, 13,4 Prozent Stammwürze und 5,4 Prozent Alkohol«, zählte sie auf. Mit ihrem Versprechen, beim ersten Schluck gehe das Herz auf, sollte sie Recht behalten. Ein Blick in die Gesichter der Gäste bestätigte dies. Wert legt die Martinsbräu darauf, ihre Biere mit Zutaten aus weitgehend heimischer Produktion zu brauen.

Gebraut wurde das Bier mit Pilsner und Münchner Malz sowie Aromahopfen aus der Hallertau und Mittelfranken. Seit Februar 2022 gibt es zudem eine neue Partnerschaft unter dem Motto »Bier braucht Heimat« - Braugerste aus der Region. Zusammen mit dem langjährigen Mälzer Thomas Lang aus Mellrichstadt wurde ein Konzept erarbeitet, wonach ab sofort die Braugerste für die Martinsbräu ausschließlich von Landwirten aus der unmittelbaren Nachbarschaft bezogen wird. Maria Martin begrüßte die sechs Landwirte, die für die Braugerste sorgen, Stefan Hoh (Marktheidenfeld), Jochen Schäfer, Reinhold Heroth (beide Glasofen), Markus Niedermüller (Birkenfeld) sowie Sebastian Eyrich und Martin Öhrlein aus Urspringen unter den Gästen.

In einem kurzen Rückblick schilderte Maria Martin, wie die Brauerei im März 2020 die Corona-Pandemie und alle Unwägbarkeiten gemeistert hat. »Es kann sich keiner hier vorstellen, wie es uns die Füße weggezogen hat«, so Martin. Als zweites Standbein habe sie einen langfristigen Vertrag mit der Stadt Marktheidenfeld über die Pacht des Biergartens geschlossen. Dies sei personell eine große Herausforderung, aber sie habe ein phänomenales Team vor Ort, das sie immer aufs Neue begeistere.

Mit einem Augenzwinkern meinte sie, es könne ja nicht sein, dass vielleicht ein anderer Pächter »Würzburger Hofbräu« ausschenkt.

Den Tisch gewechselt

Alsbald schritt Marktheidenfelds Bürgermeister Thomas Stamm zur Tat. Die erste offizielle Bierprobe für ihn. 53 Liter fasste das echte Holzfass, das in einer Küferwerkstatt in Bamberg generalüberholt wurde und mit einem echten Naturkorken das kühle Bier bewahrte. Zielsicher versenkte Stamm den Messinghahn im Fass. Die ersten Biere konnten ausgeschenkt werden. »Es ist schon was anderes, den Tisch zu wechseln«, sagte Stamm, der schon früher Gast der Festbierprobe war.

Er sei »fast im Amt angekommen«, nach zwei Jahren ohne Bierprobe und Laurenzi-Messe. Dafür bekam er Applaus. Nach kommendem Freitag, wenn alles gut geht beim Anzapfen im Festzelt, sei er dann richtig angekommen.

Großen Beifall erntete er für den Hinweis, »unser Maradies ist wieder da ist«, was er bereits im Stadtrat öffentlich bekannt gegeben hatte.

Für ihn und die Stadträte sei es nun leichter, auf der Laurenzi-Messe die Fragen nach dem Bad zu beantworten. Für die Frage »wann macht ihr denn auf?«, forderte er sein Gremium auf: »Lasst euch schon mal was einfallen«.

Main-Spessarts Landrätin Sabine Sitter meinte, auch sie habe den Eindruck, mit der Festbierprobe endlich als Landrätin angekommen zu sein. Während sie als Stellvertreterin sechs Jahre nicht bei diesen Terminen dabei war, komme sie jetzt »draußen rum«. Auch für sie war der Festbieranstich Premiere.

In Main-Spessart mit seinen vielen Möglichkeiten in Sachen Bier und Wein sei man als Politiker gefordert, mitzuhalten - auch beim Verkosten. Und im Gegensatz zu Thomas Stamm habe sie in den letzten zwei Jahren nur negative Botschaften verkünden müssen. Es gelte nun, die Zeit zu genießen, es sei schön, wieder in »echte Gesichter« zu blicken.

Probleme bewältigt

Festwirt Christian Papert meinte, »wir haben nichts verlernt«. Das Unternehmen habe dann einen »Kaltstart« hingelegt. Man habe das Personal an Bord und könne die Laurenzi-Messe in gewohnter Manier durchziehen. Vor allem in Sachen Personal habe man Probleme bewältigen müssen. Auch die Planung des Programms habe man wegen der großen Unsicherheit sehr viel später angehen können.

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