Dienstag, 22.06.2021

Wenn der Job die Haut krank macht

Hautsprechstunde: Pflegekräfte und Friseure finden Hilfe in der Würzburger Geschäftsstelle der BGW

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Mixing hair dye in a special plastic bowl. Concept is hair coloring.
Foto: Liountmila Korelidou
Nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te, das ist be­kannt, ha­ben für ih­re Pa­ti­en­ten sel­ten viel Zeit. Meist ist das War­te­zim­mer voll, kaum ein Ter­min in der Sprech­stun­de dau­ert län­ger als 20 Mi­nu­ten. Das ist auch beim Haut­arzt so. Ge­ra­de Hau­ter­kran­kun­gen er­for­dern je­doch oft ge­naue Anam­ne­sen.

In der Würzburger Hautsprechstunde der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) nimmt man sich deshalb ein bis zwei Stunden Zeit.

15 Branchen vertreten

Bis zu 500 Menschen mit Hautbeschwerden lassen sich alljährlich vor Ort in der Würzburger Geschäftsstelle der BGW untersuchen und beraten. »Wir vertreten insgesamt 15 Branchen in einem Einzugsgebiet von 300 Kilometern um Würzburg«, erklärt Bereichsleiter Andreas Zuber. In die Sprechstunde kommen zum Beispiel Mitarbeiter von Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege, von frei gemeinnützigen und privaten Krankenhäusern sowie Menschen, die in ärztlichen Praxen arbeiten. Außerdem sind Heil?praktiker, Mitarbeiter von Apotheken, Hebammen, Beschäftigte von ambulanten Pflege?diensten, Friseure und Schädlingsbekämpfer über die BGW unfallversichert.

Die Quote der Hauterkrankten unter jenen, die an einer Berufskrankheit leiden, ist bei der Berufsgenossenschaft seit Jahren hoch. 2018 kam es deutschlandweit zu mehr als 6650 angezeigten Verdachtsfällen auf eine Berufskrankheit der Haut bei Versicherten der BGW. Damit rangieren Berufskrankheiten der Haut weit vor Wirbelsäulenleiden oder Infektionskrankheiten. Das wundert auch nicht, sieht man sich die Arbeitsbedingungen an. Friseure zum Beispiel haben oft mit chemisch aggressiven Mitteln, etwa zum Haarefärben, zu tun. Reinigungskräfte in einer Klink setzen ihre Hände oft lange Zeit Feuchtigkeit aus. Irgendwann sind die Hände kaputt, sie jucken und werden rissig.

Hautkrankheiten sind sehr ernst zu nehmen, können sie doch dazu führen, dass der Betroffene seinen Beruf aufgeben muss. Das komme gar nicht so selten vor, sagt Zuber. Dies zu verhindern, sei oberstes Ziel in der Hautsprechstunde: Um eine Verschlimmerung der Hautkrankheit zu vermeiden, arbeiten ein Hautarzt und eine Gesundheitspädagogin Hand in Hand. Nachdem der Hautarzt den Befund erhoben hat, entwickelt die Gesundheitspädagogin mit dem Versicherten ein individuelles Hautschutzkonzept. Dieses geht auf den speziellen Arbeitsplatz ein. »Es wird also berücksichtigt, ob eine Pflegekraft in der Sterilisation oder auf der Station eines Altenheims arbeitet«, sagt Zuber.

Mittel ohne Duftstoffe

Der Friseur, die Pflege- oder Reinigungskraft erhält zum Beispiel Tipps, welche Mittel sie meiden soll und welche Alternativen es gibt. Oft können Beschwerden dadurch gelindert werden, dass auf die duftstofffreie Variante eines Mittels zurückgegriffen wird. Auch die private Situation werde berücksichtigt, so Zuber: »Wer zu Hause, weil er keine Maschine hat, per Hand ohne Handschuhe spült, auch der belastet seine Haut.«

Insgesamt wächst die Problematik während der Corona-Zeit: »Derzeit werden die Hände ja noch viel häufiger gewaschen und der Verbrauch an Desinfektionsmitteln steigt.« Das kann dazu führen, dass die Hautfette abgebaut werden und es zu Ekzemen kommt.

Auf Wunsch wird der Arbeitgeber informiert, welche Maßnahmen er treffen kann, damit es in seinem Betrieb oder seiner Einrichtung nicht so häufig zu Hauterkrankungen kommt. Außerdem ist es möglich, dass Betroffene nicht nur an der Hautsprechstunde, sondern auch an zweitägigen Seminaren teilnehmen. Im Basisseminar »Haut-nah erleben« erfahren BGW-Versicherte, wie die Haut aufgebaut ist, warum zu viel Wasser für die Haut eine Gefahr bedeutet, wie Ekzeme entstehen und was getan werden kann, um zu verhindern, dass rissige Haut chronisch krank wird. Diese Seminare werden spezifisch für vier von der BGW vertretene Branchen angeboten.

Wer mag, kann an einem aufbauenden Seminar teilnehmen, dass unter der Überschrift »Stress juckt mich nicht mehr« vermittelt, warum Stress gerade für die Haut sehr abträglich ist. Die Teilnehmer erfahren, was Stress genau ist und wie er entsteht. Sie kommen ihren persönlichen Belastungen auf die Spur und erfahren, was im Körper geschieht, wenn sie »unter Strom« stehen. Vor allem geht es um die Frage, wie sich Belastungen auf die Haut auswirken können. Die Referenten vermitteln Methoden, Stressauslöser zu reduzieren, und zeigen Strategien, mit Zeitdruck oder Konflikten im Betrieb besser umgehen zu können.

Kostenlose Angebote

Die Kosten für Seminar, Unterkunft und Verpflegung übernimmt die Berufsgenossenschaft. Auch die Hautsprechstunde ist kostenlos, Auslagen für die Anfahrt werden erstattet. »Oft geben wir auch für zwei oder drei Wochen alternative Produkte mit, damit Patienten mit Hautproblemen sie testen können«, so Andreas Zuber. Der Arbeitgeber wiederum ist angehalten, in seinem Betrieb für Produkte zu sorgen, die kein Kontaktekzem auslösen.

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