Mittwoch, 23.06.2021

»Smart Hospital« der Zukunft

Digitalisierung: Krankenhäuser rüsten zunehmend auf - Strategien auch im Mainviereck

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Die elektronische Patientenakte ist ein Teil des digitalen Konzepts. Foto: metamorworks/Getty Images
Foto: metamorworks/Getty Images
Das Kran­ken­haus der Zu­kunft ist in­tel­li­gent ver­netzt. Elek­tro­ni­sche Pa­ti­en­ten­ak­te, 3D-Map­ping, com­pu­ter­ge­stütz­te Rönt­gen­aus­wer­tung, Hy­brid-Ope­ra­ti­ons­sä­le: Von di­gi­ta­len Struk­tu­ren und Tech­no­lo­gi­en ver­sp­re­chen sich Kli­ni­ken ef­fi­zi­en­te­res Ar­bei­ten und da­mit bes­se­re Er­geb­nis­se für den Pa­ti­en­ten.

Mehr als 90 Prozent aller Kliniken in Deutschland setzen laut der Roland-Berger-Krankenhausstudie 2019 auf Digitalisierungsstrategien. In den meisten Abläufen und Prozessen, für die sektorenübergreifende Kommunikation und auch für telemedizinische Anwendungen spielt sie eine immer wichtigere Rolle. Auch im Mainviereck werden Krankenhäuser zunehmend digital, das zeigen die Beispiele Klinikum Hanau und Klinikum Aschaffenburg-Alzenau.

Patientenakte elektronisch

An beiden Häusern wird derzeit ein wichtiger Baustein der Digitalisierung umgesetzt: die elektronische Patientenakte. Am Krankenhaus Alzenau-Wasserlos macht man bereits seit Jahren gute Erfahrungen mit papierloser Dokumentation, in Aschaffenburg sind seit einigen Monaten drei Pilotstationen mit mobilen Visiten?wagen ausgestattet, informiert Annika Hollmann, Pressesprecherin am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. Statt Papierdokumentation werden dort alle Informationen über den Patienten elektronisch erfasst.

Alle Stationen sollen bis spätestens 2021 mit fahrbaren Computerterminals ausgerüstet werden, die über WLAN an das Krankenhausinformationssystem angeschlossen sind. Ärzte und Pfleger, die mit dem Patienten befasst sind, haben dann von überall im Haus aus Zugriff auf für sie relevante Informationen. Am Klinikum Hanau ist man hier schon etwas weiter; laut Janina Sauer, Mitarbeiterin der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, sind bereits 60 Prozent der Patientenakten digital, »eine vollständige Umsetzung ist bis 2022 geplant«.

Die elektronische Patienten?akte soll, so will es der Gesetz?geber, flächendeckend eingeführt werden. Länder wie die USA, Estland und Österreich sind Deutschland hier deutlich voraus. In der elektronischen Patientenakte sind nicht nur Vitalparameter wie Blutdruck und Temperatur vermerkt, sondern auch Medikamente, Untersuchungen, Berichte von früheren Krankenhausaufenthalten, Laborbefunde und Röntgenbilder. Fehlende Akten und unleserliche Einträge sollen der Vergangenheit angehören.

Zeitliche Optimierung

Eine zeitliche Optimierung für Ärzte und Pfleger bedeutet die elektronische Erfassung insofern, als dass alle Befunde ständig verfügbar sind und nicht mehr gesucht oder angefordert werden müssen. Auch entfällt das Anlegen neuer Papierdokumente bei längeren Krankenhausaufenthalten. Bisher musste für die Dokumentation auf der Station jede Woche ein neues Blatt für jeden Patienten angelegt werden.

Die elektronische Patienten?akte ist das Kernstück, aber nicht der einzige Baustein der Digitalisierung. Neben Operationsrobotern, dem Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Diagnosestellung, maschinellem Lernen und 3D-Mapping ist zum Beispiel das flächendeckende WLAN ein wichtiger Bestandteil.

Dieses gibt es in Hanau bereits: »Darüber läuft im Haus die Telefonie, Ortung und Alarmierung sowie die mobile Visite«, sagt Sauer. »Außerdem erfasst unsere Küche die Speisen mit Tablets, und das Patienten-Transport-Team bearbeitet seine Aufträge mit dem Handy.« WLAN für alle soll es in Aschaffenburg laut Annika Hollmann voraussichtlich Ende 2020 geben. Für medizinische Anwendungen wie die mobile Visite werde es schon früher eingerichtet.

Im Bereich der Digitalisierung sind auch interne und externe Kommunikationsplattformen, Apps zur Patientenbetreuung oder Nachsorge denkbar sowie ein sektorübergreifendes Telemedizinnetz. Darin haben die Kliniken in Hanau und Aschaffenburg-Alzenau bereits Erfahrungen gesammelt. »Es gibt telemedizinische Anbindungen für den Austausch von Röntgenbildern mit der Uni Würzburg«, sagt Pressesprecherin Annika Hollmann. »Eine ähnliche Anbindung mit der Uni Frankfurt steht kurz vor der Fertigstellung.« Die Neurologische Klinik unter Chefarzt Oliver Bähr tausche sich mit Würzburg im Transit-Stroke-Netzwerk aus.

Per Notebook oder Tablet

Positive Erfahrungen mit Telemedizin macht man auch in Hanau. »Im Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie kommen bereits Telemedizin und 3D-Rekonstruktion und -Mapping zum Einsatz, das heißt eine Befundung kann per Notebook oder Tablet aus der Ferne erfolgen und erleichtert so die Zusammenarbeit mit anderen Kliniken«, erläutert Janina Sauer.

Gleichwohl gilt: Digitalisierung im Gesundheitswesen ist kein Selbstzweck. Sie muss darauf abzielen, dem Wohl des Patienten zu dienen, seine Heilung zu fördern und Nutzen zu stiften. Sie muss ausbalanciert sein und ergänzt werden durch menschliche Nähe und Wärme.

Digitalisierung im Krankenhaus

Im »Smart Hospital« soll mit Digitalisierung, Vernetzung, neuen, smarten Technologien und Innovationen eine bessere Versorgung des Patienten und Entlastung des medizinischen Personals von administrativen Aufgaben erreicht werden. Die Klinik soll damit insgesamt effizienter arbeiten. Digitalisiert werden können unter anderem standardisierte und zertifizierte Prozesse, um die Qualität und damit die Patientenversorgung weiter zu verbessern. Kostensenkung und Personaleinsparung stehen nicht im Fokus. (smv)

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