Sonntag, 20.06.2021

Risiko nicht unterschätzen

Osteoporose: Abbau der Knochensubstanz ernst nehmen - Keine Frauen-Krankheit

Kommentieren
1 Min.

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Os­teo­po­ro­se als Krank­heit von Frau­en ab­zu­tun, kann für vie­le Män­ner fa­ta­le Fol­gen ha­ben. Ex­per­ten ru­fen äl­te­re Män­ner und ih­re Ärz­te auf, ei­nen mög­li­chen Ab­bau der Kno­chen­sub­stanz ernst­zu­neh­men.

Nach Angaben der Internationalen Osteoporose-Stiftung (IOF) ist das Risiko für Männer höher, an Osteoporose zu erkranken, als an Prostatakrebs. Ein Drittel der Hüftbrüche passiere bei Männern. Ein prominenter Osteoporose-Kranker war der ermordete US-Präsident John F. Kennedy.

»2010 gab es in Deutschland 725 000 osteoporotisch bedingte Frakturen. Darunter waren gut 95 000 Hüftbrüche bei Frauen und 34 000 Hüftbrüche bei Männern«, sagt der Orthopäde und Unfallchirurg Andreas Kurth, Vorsitzender des Dachverbands Osteologie (Knochenkunde). Nach einer IOF-Studie waren in dem Jahr in Deutschland eine Million Männer und vier Millionen Frauen von Osteoporose betroffen. »Männer trifft es lediglich etwas später. Männer mit 70 haben etwa ein so großes Osteoporose-Risiko wie Frauen mit 60«, sagt Kurth.

»Osteoporose tut erst weh, wenn man sich etwas bricht«, sagt Christian Hinz, Chefarzt der Klinik Fürstenhof in Bad Pyrmont mit Behandlungsschwerpunkt Osteoporose. Viele Menschen glaubten, der Bruch sei auf den Sturz zurückzuführen. »Aber bei geringer Fallhöhe brechen Knochen in der Regel nicht.«

Risikofaktoren bei Männern seien beispielsweise bestimmte Behandlungen wegen Rheuma, Prostatakrebs oder chronischen Darmerkrankungen. Gerade anti-hormonelle Therapien hemmten die Testosteronproduktion, was die Knochen schwächer mache.

Veränderter Lebensstil

Hinz verweist auch auf höhere Risiken durch den veränderten Lebensstil: »Eigentlich bietet die Natur zu allen Jahreszeiten, was wir brauchen. Aber das isst man heute nicht mehr.« Deshalb sei auch ernährungsbedingt die Wahrscheinlichkeit größer, einen Mangel und Osteoporose zu entwickeln. Die Ärzte empfehlen Männern wie Frauen zur Vorbeugung gesundes Essen und Bewegung.

»In schweren Fällen gibt es auch Medikamente, mit denen man den Großteil der Frakturen verhindern kann«, so Kurth. Nur 20 Prozent der Patienten, die Medikamente haben müssten, würden tatsächlich behandelt, sagt Hinz.

Die Ärzte nehmen auch Haus- und Unfallärzte sowie Urologen in die Pflicht. Sie würden bei Männern viel zu selten abklären, ob eine Osteoporose vorliege. Männer sollten ab 60 - spätestens 70 - ihr Osteoporoserisiko abklären, sagt Hinz. Das geht mit einem Fragebogen zu Krankheiten, genetischer Veranlagung, etc.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!