Mittwoch, 23.06.2021

Hilfsbereitschaft und Wertschätzung

Natalie Haas über positive Krisen-Effekte

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Natalie Haas ist Redakteurin beim Main-Echo und betreut zusammen mit ihrer Kollegin Ansa Riedel dieses Magazin. Fotograf: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich
So schwie­rig die ak­tu­el­le Si­tua­ti­on für die meis­ten von uns sein mag, so tröst­lich ist doch die Idee, dass sie auch et­was Po­si­ti­ves mit sich brin­gen könn­te. Je­de Kri­se ist auch ei­ne Chan­ce, so sagt man sch­ließ­lich. Was al­so kön­nen wir aus den Co­ro­na-Zei­ten mit­neh­men?

Wünschenswert wäre beispielsweise, blieben die Solidarität und Humanität, die in den vergangenen Wochen vielerorts spürbar waren, auch künftig erhalten. Lokale Hilfsangebote vom Einkaufsdienst für Alte, Kranke und Gefährdete bis hin zum Telefonservice für Einsame und Alleinlebende, die sonst niemandem zum Reden haben: Vieles könnte auch nach der Pandemie nützlich sein - davon würden nicht nur diejenigen profitieren, die Hilfe erhalten. Aus wissenschaftlicher Sicht macht es auch die glücklich, die anderen helfen.

Verwurzeltes Bedürfnis

Studien wie etwa die des Harvard-Professors Michael Norton aus dem Jahr 2008 belegen: Das Bedürfnis, anderen zu helfen, ist tief im Menschen verwurzelt. Gemeinsam mit seinen Kollegen ging Norton der Frage nach, was Menschen zufriedener macht: Geld für sich selbst oder für andere auszugeben? Um das herauszufinden, bekamen zwei Testgruppen jeweils einen Geldbetrag. Die erste Gruppe sollte damit etwas für sich selbst kaufen, die zweite etwas für jemand anderen. Die Probanden der zweiten Gruppe waren am Ende des Tages zufriedener.

Andere Studien (unter anderem Harbaugh et al. 2007) zeigen zudem, dass es Menschen in einen »Zustand der Euphorie« versetzt, etwas Gutes für einen anderen zu tun und dafür Dank zu erhalten.Bei diesem sogenannten Helper's High werden die Belohnungs- und Sinnzentren im Gehirn aktiviert, Endorphine, im Volksmund auch Glückshormone genannt, werden ausgeschüttet.

Dieses positive Gefühl, etwas Gutes zu tun, ist wohl einer der Gründe, warum sich Menschen dafür entscheiden, soziale Berufe zum Beispiel im Gesundheitswesen zu ergreifen - trotz oftmals schlechter Bezahlung. Wie wichtig etwa Pflegekräfte in Seniorenheimen oder Gesundheits- und Krankenpfleger in Krankenhäusern für unsere Gesellschaft sind, zeigt sich in der aktuellen Situation deutlich.

Mehr als Applaus

Wertschätzung und Dankbarkeit für ihre Arbeit erfahren sie derzeit daher vermehrt - etwa in Form von Applaus von Balkonen und aus offenen Fenstern. Diese Aktion, die in den vergangenen Wochen vielerorts stattfand, mag für den Moment wohltuend sein, wirkt jedoch nicht nachhaltig. Anders könnte es da mit einer Petition an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn aussehen, die bereits von mehr als 445 000 Menschen (Stand 11. Mai) unterzeichnet wurde. Besserer Schutz und Lohnsteigerungen für Pflegekräfte werden gefordert.

Zwar hat die Petition keine unmittelbaren rechtlichen Folgen, sie zeigt jedoch: Viele haben jetzt ein offenes Ohr für die Pflegekräfte - hoffentlich auch über Corona hinaus.

 

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