Donnerstag, 24.06.2021

Häufigste Krebserkrankung bei Männern

Prostatakarzinom: Neue Therapie für Krebs-Patienten mit guter Prognose - Gezielte Zerstörung der Tumorzellen mithilfe von Laserfasern

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Häufigste Krebserkrankung bei Männern ist das Prostatakarzinom. Foto: Axel Heimken (dpa)
Foto: Axel Heimken (dpa)
Das Pro­stat­a­kar­zi­nom ist die häu­figs­te Kreb­s­er­kran­kung bei Män­nern. Laut der Deut­schen Ge­sell­schaft für Uro­lo­gie (DGU) er­kran­ken jähr­lich rund 90 000 Män­ner in Deut­sch­land an Pro­sta­ta­k­rebs.

Für Patienten gibt es verschiedene Optionen: Sie haben die Wahl zwischen der Entfernung des Organs, einer Bestrahlen oder Abwarten. Eine neue Therapie birgt Hoffnung - für Einige.

Schonendere Behandlung

Bei Prostatakrebs mit geringem Risiko gibt es seit einiger Zeit eine vierte, schonendere Behandlung. 2018 haben Urologen am Universitätsklinikum Dresden ein solches Karzinom erstmals minimalinvasiv operiert. Es war die Deutschlandpremiere für das sogenannte Tookad-Verfahren außerhalb klinischer Studien.

Von einem »Meilenstein der Urologie« sprach der ehemalige Chef der Dresdner Urologie, Manfred Wirth, denn die Therapie konzentriert sich nur auf die vom Krebs betroffene Stelle des Organs. »Das Verfahren füllt die Lücke zwischen radikaler Behandlung und aktiver Beobachtung«, sagte der damalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Paolo Fornara.

Davor konnten Ärzte nur zwischen der Bestrahlung des Tumors, der Entfernung des ganzen Organs oder »dem sogenannten aktiven Abwarten wählen - also zwischen Schwarz oder Weiß«, sagte Fornara. Mit der nun vierten Möglichkeit könne der Krebs gezielt behandelt werden, unter Nutzung des Wirkstoffs Padeliporfin (Tookad), der auf Strahlen reagiert.

Bei der Operation werden Laserfasern in die vom Tumor befallene Region eingebracht. Mit ihrer Hilfe aktivieren Ärzte dann das Tookad-Medikament, wodurch es örtlich zur Gefäßzerstörung und verminderten Blutzufuhr kommt. Das vom Tumor befallene Gewebe stirbt dadurch ab.

Bestrahlung oder radikale Entfernung der Prostata seien bei Karzinomen mit geringem Risiko nur im Ausnahmefall zu empfehlen, wegen der erheblichen möglichen Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Impotenz, sagte Wirth. Das bisherige Standardverfahren der aktiven Überwachung des Tumors durch regelmäßige ärztliche Kontrollen ohne Therapie aber sei eine fortwährende psychische Belastung. Das Tookad-Verfahren indes sei so schonend, dass die Patienten das Krankenhaus bereits am dritten Tag nach der Operation verlassen könnten.

Die Therapie wurde 2016 am israelischen Weizmann-Institut entwickelt und deren Wirksamkeit durch eine multizentrische europäische Studie mit Beteiligung der Dresdner Uniklinik bestätigt. Damit können nun laut Fornara nur die vom Tumor befallenen Bereiche der Prostata behandelt werden, wie das bei der Niere bereits Praxis sei. »Im Ergebnis bleibt die Funktion der Prostata teilweise erhalten.« Die gezielte Zerstörung von Tumorzellen werde in anderen Fachgebieten der Onkologie schon mit Erfolg praktiziert wie etwa der Dermatologie und bei Lungen- oder Blasenkrebs. »Wir zerstören den Tumor statt das ganze Organ«, sagte Fornara.

Ob die Tookad-Therapie in der Praxis hält, was die Studie verspricht, wird sich dem ehemaligen DGU-Chef zufolge in einigen Jahren zeigen, da das Prostatakarzinom langsam wachse. »Es ist gut, dass die Dresdner in die Offensive gehen.« Die Kollegen hätten eine große Expertise und seien innovativ.

Auch bei höherem Risiko?

Von den jährlich rund 90 000 Männern in Deutschland, die an Prostatakrebs erkranken, könnten »im Schnitt zehn bis 15 Prozent mit guter Prognose von Tookad profitieren«, schätzte Fornara. »Im Zuge weiterer Studien soll nun untersucht werden, ob die Technik auch für Prostatakarzinome mit höherem Risiko anwendbar ist«, sagte Wirth.

Mit der Methode wird die individualisierte Medizin verfeinert. »Wir versuchen, für jeden Patienten die optimale Behandlungsmöglichkeit herauszufiltern«, sagte Fornara. Die Heilungschancen beim lokal begrenzten Prostatakarzinom liegen bei 90 Prozent. »Und wir haben nun den Luxus, zwischen vier individuellen therapeutisch effektiven Möglichkeiten wählen zu können, das ist wirklich gut.«

Hintergrund

Bei Männern am häufigsten von einer Krebserkrankung betroffen: die Prostata. Foto:

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