Sonntag, 17.10.2021

Tückisch: Augenkrankheiten bleiben oft lange unbemerkt

Gesundheit: Grauer Star, Glaukom und AMD sind typische Erkrankungen im Alter - Was sind ihre Symptome und wie lassen sie sich behandeln? - Vorsorge wichtig

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Wenn die Packungsbeilage nur noch mit Hilfe einer Lupe lesbar ist, könnte eine Augenerkrankung dahinterstecken. Foto: Mascha Brichta (dpa)
Foto: dpa-tmn, Mascha Brichta
Die Au­gen leis­ten nicht das Le­ben lang glei­cher­ma­ßen gu­te Di­ens­te. »Es ist nor­mal, dass die Seh­schär­fe mit dem Al­ter nach­lässt«, sagt An­ge­li­ka Ostrow­ski vom Deut­schen Blin­den- und Seh­be­hin­der­ten­ver­band (DBSV) in Ber­lin.

Auch die Empfindlichkeit der Netzhaut lasse etwas nach, ergänzt Martin Spitzer. »Das Auge verliert seine Zoomfähigkeit, also die Fertigkeit, sowohl in die Ferne als auch nah scharf zu sehen«, sagt der Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Allerdings: Viele altersbedingte Krankheiten fangen mit ähnlichen Symptomen an, die sich kaum unterscheiden lassen. Umso wichtiger ist die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt.

»Wir bekommen alle einen Grauen Star, wir müssen nur alt genug werden«, umschreibt Spitzer das Phänomen der Katarakt, also der getrübten Linse. Diese Trübung entwickle sich typischerweise ab der sechsten Lebensdekade, ergänzt Hans Hoerauf, Direktor der Klinik für Augenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen. Es kann aber auch Jüngere treffen - Kurzsichtige oder Diabetiker sowie Personen, die regelmäßig Cortison einnehmen müssen, zum Beispiel.

Wer Grauen Star hat, kann Kontraste nicht mehr gut wahrnehmen. Die Linse trübt sich, die Sehschärfe lässt nach. Das liegt daran, dass die Linse fester wird und sich Ablagerungen bilden.

OP bringt oft Besserung

Wenn die Augen ansonsten gesund sind, kann eine Operation oft Besserung bringen. Dieser Eingriff lasse sich meist ambulant und mit örtlicher Betäubung vollziehen, erläutert Hoerauf. Infektionen seien selten. Jedoch erhöht sich gerade bei jüngeren und kurzsichtigen Patienten das Risiko für Netzhautablösungen, so der Experte.

Vorteil: Mit der Grauer-Star-OP lasse sich auch eine Kurz- oder Weitsichtigkeit korrigieren, erklärt Martin Spitzer. Allerdings kann sich die dann eingesetzte künstliche Linse nicht anpassen. Aus dem Grund rät Verbandsexpertin Angelika Ostrowski zu einem intensiven Vorgespräch, in dem entschieden wird, welche Linse in Frage kommt und was sinnvoll ist.

Verhindern lasse sich ein Grauer Star nicht, sagen die Experten. Wer seine Augen vor zu viel Sonne schütze, könne aber zumindest dafür sorgen, dass die Katarakt später entstehe, sagt Spitzer.

Als »schleichenden Dieb des Sehens« bezeichnet Augenarzt Spitzer den Grünen Star, auch Glaukom genannt. Ein zu hoher Augeninnendruck ist dafür ein Risikofaktor. »Die Patienten haben meist überhaupt keine Beschwerden. Das ist auch das Gefährliche«, sagt Hoerauf.

Der Sehnerv wird geschädigt und das Gesichtsfeld eingeschränkt. Das tut nicht weh und das Gehirn kompensiert die Einschränkungen anfangs gut - deshalb bleibt die Erkrankung zu Beginn häufig unentdeckt. Hat das Glaukom sich bereits in Richtung Zentrum des Gesichtsfelds vorgearbeitet, ist es meist schon zu spät.

Druck im Auge senken

Der Grüne Star ist nicht heilbar, der Schaden lässt sich nur begrenzen. Der Druck im Auge wird meist mit Hilfe von Tropfen abgesenkt - auch Lasertherapien werden angewandt oder das Auge operiert. Allerdings gebe es nicht - wie beim Grauen Star - die eine Operation, die alles erledige, schränkt Spitzer ein.

Für gesunde Menschen ab 40 ohne Vorerkrankungen wird alle fünf Jahre eine Glaukom-Früherkennung empfohlen - diese muss man als gesetzlich Versicherter in der Regel selbst bezahlen. Ab 60 sollte man alle zwei bis drei Jahre zur Untersuchung gehen. Denn je früher der Grüne Star diagnostiziert wird, desto mehr kann vom Sehnerv gerettet werden.

Eine lebenslang gesunde Ernährung und der Verzicht auf Zigaretten können das Risiko eines Grünen Stars senken. Diabetiker müssen eher damit rechnen, ein Glaukom zu entwickeln ebenso wie Kurzsichtige und Patienten, die bestimmte Medikamente einnehmen.

Bei einer Altersbedingten Makuladegeneration (AMD) verändert sich die Netzhautmitte. Patienten hätten vor allem Schwierigkeiten beim Lesen und Probleme, im Dunkeln zurechtzukommen, sagt Hoerauf. Das Tückische: »In der frühen Phase der Krankheit merkt man davon nichts«, so Martin Spitzer.

Hoerauf rät zu Selbsttests: entweder regelmäßig ein spezielles Gitternetz (Amsler-Gitter) betrachten oder beispielsweise im Bad die Fugen zwischen den Fliesen mit jeweils einem Auge ansehen und darauf achten, ob sie einem gerade erscheinen. Sind die geraden Linien verzerrt, sollte man das schnell beim Arzt abklären lassen.

Die trockene Form der AMD führt Spitzer zufolge langsam zum Verlust der Lesefähigkeit. Man kann etwa Gesichter nur noch schlecht erkennen. Es gibt noch keine Therapie zur Heilung der trockenen Form, erklärt Ostrowski.

Hier bilden sich Ablagerungen, auch Drusen genannt, unter der Makula. »Das ist so, als ob die Müllabfuhr unter der Netzhaut nicht mehr funktioniert«, schildert Augenarzt Hans Hoerauf.

Im fortgeschrittenen Stadium kann es zu einem Absterben (Atrophie) der Sehzellen kommen. Wer nun versucht, Zeitung zu lesen, dem fehlen einzelne Buchstaben. Oder sie fangen an »zu springen«.

»Die feuchte AMD läuft schneller ab und hinterlässt ohne Behandlung einen deutlich größeren Schaden«, sagt Hoerauf. Dabei wachsen, vereinfacht gesagt, Gefäße unter die Netzhaut. Als Therapie kommen Spritzen mit wachstumshemmenden Medikamenten zum Einsatz. Dadurch wird die AMD quasi trocken gelegt. Das bedeutet aber keine Heilung, verlangsamt aber den Prozess. So kann die Sehfähigkeit gegebenenfalls noch für längere Zeit erhalten werden.

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