»Mehr als nur ein Verein«

Veranstalter: LuT Aschaffenburg zeichnet nun für Citylauf verantwortlich

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Marco Schneider
Foto: Petra Reith
Holger Finkelmann
Foto: Petra Reith
Traingsgruppe des LuT
Auf der Bahn, wie hier beim Training auf der Sportanlage des TV Schweinheim, fühlen sich die LuT-Athleten wohl.
Foto: Petra Reith
Manch einer rätselt noch heute, was die Abkürzung LuT eigentlich bedeutet. Es ist jedenfalls nicht die Technische Universität Lappeenranta in Finnland, denn deren U ist groß. Marco Schneider und Holger Finkelmann lächeln, wenn sie auf die Abkürzung angesprochen werden. Sie haben schon oft erläutert, was es damit auf sich hat. Leichtathletik und Triathlon Aschaffenburg e.V. wäre die komplette Bezeichnung, doch am bayerischen Untermain und darüber hinaus ist LuT Aschaffenburg geläufiger. Und dieser Name steht nun auch für den Citylauf Aschaffenburg.

Nach dem Rückzug des alten Hauptsponsors musste ein neuer organisatorischer Rahmen für die Sport-Großveranstaltung gefunden werden. Renndirektor Günter Guderley kam da auf Finkelmann und Schneider zu, hatten die doch zusammen mit vielen LuT-Mitgliedern bereits in früheren Jahren bei der Laufveranstaltung in Aschaffenburg mitgeholfen.

»Wir waren in den vergangen drei Jahren bereits eingebunden. Günter hat uns daher angesprochen, ob Interesse bestehe, dass unser Verein künftig als Ausrichter auftritt«, sagt Schneider. »Holger und mir war klar, dass wir das nicht selbst entscheiden können..

Auch ein Risiko

Denn das bedeutet viel Arbeit für die Mitglieder und ist auch ein finanzielles Risiko für den Verein.« Die LuT-Mitglieder gaben grünes Licht. »Wesentlich war, das die entscheidenden sechs, sieben Leute gesagt haben, wir sind langfristig dabei«, betont Finkelmann. Doch dann kam Corona.

Und das hatte Folgen für den Verein. Die üblicherweise drei LuT-Veranstaltungen im Jahr konnten nicht ausgerichtet werden, das Training musste zeitweilig eingestellt werden. Vor allem in einer der Jugendgruppen machte sich das zahlenmäßig bemerkbar. »Das war die Phase, durch die mit Corona am meisten weggebrochen ist«, sagt Finkelmann zu der von ihm betreuten Trainingsgruppe der Jugendlichen von 14 bis 18 Jahren. Ohnehin sei der Übergang von der zweiten Jugendgruppe der LuT, den

11- bis 14-Jährigen, zu der der älteren Jugendlichen, die zwei- bis dreimal wöchentlich trainieren, immer kritisch. Denn spätestens in diesem Alter müssen sich die Jugendlichen, die mehrere Sportarten betreiben, für eine entscheiden, wenn sie die leistungsorientiert unterwegs sein wollen. Und viele andere Dinge – von Schule bis Freund/ Freundin – kommen noch hinzu.

Neben den genannten Gruppen gibt es bei der LuT noch eine Gruppe, in der Kinder bis zur vierten Klasse, also bis etwa zehn Jahren, spielerisch an die Leichtathletik herangeführt und die Grundlagen vermittelt werden. 20 bis 25 Kinder betreut donnerstags Trainer Georg Konstandinidis, teils unterstützt von Andreas Imgrund. »Er macht das super«, lobt Schneider den Kindertrainer.

Bleiben die Kinder über das Grundschulalter hinaus dabei, kommen sie in die zweite Gruppe, die von Anke Deckert und Stefan Fey geleitet wird. Hier gehe es immer noch um Grundlagen, aber es werde spezifischer in Richtung Leichtathletik geschult.

Wichtig: »Es soll immer Spaß machen«, sagt Schneider. In dieser Dienstagsgruppe, die freitags auch am Training der Ältesten teilnehmen kann, werden auch schon die Talente gesichtet.

Schließlich werden in der dritten Gruppe dann langsam schon Spezialisten herausgebildet, wenngleich noch das gesamte Leichtathletikprogramm zum Training gehört.

Auch wenn das Kinder- und Jugendtraining bei der LuT erst richtig begann, als Schneider und Finkelmann selbst Väter geworden waren, ist es heute der sportliche Schwerpunkt bei der LuT. Vor allem auf den Laufstrecken von 800 bis 5000 Metern seien auch einige junge Erwachsene erfolgreich, sagt Schneider und nennt Tom Schwind, Lisa Diener und Nick Vlasak als Beispiele.

Für den Verein sei es wichtig, im Schülerbereich erfolgreich zu sein, betont Holger Finkelmann und hofft noch auf ein paar Quereinsteiger für die Gruppe der älteren Jugendlichen. Selbstverständlich profitiert der Verein von den Erfolgen, wenn er junge Menschen gut betreut und in ihren Leistungen verbessert. Gute Platzierungen oder Titel sind Werbung für die LuT. Die Teilnahme an Meisterschaften, auch der Jüngsten, ist erwünscht, wird aber nicht erzwungen.

Keine Kaderschmiede

Trotzdem wollen Finkelmann und Schneider aus der LuT keine Kaderschmiede machen. Abgesehen davon, dass auch einigen Erwachsenen an drei Tagen in der Woche durch Schneider Training angeboten wird, ist ihm wichtig, »dass das Gesellige nicht verloren geht«. Ein Sommerfest, die Weihnachtsfeier als Teil der Mitgliederversammlung, der Heiligabendlauf oder das Familientrainingslager an Ostern sind Dinge, die zusammenschweißen. Oft sitze man auch nach einer Sportveranstaltung noch zusammen. »Da sind viele Freundschaften entstanden. Das geht weit über das Laufen hinaus.« Finkelmann stimmt dem zu: »Die LuT ist für uns mehr als nur ein Verein.« Und Schneider ergänzt: »Sie ist ein gehöriger Teil unseres Lebens.«

Deshalb genügt ihnen die Größe des Vereins mit rund 200 Mitgliedern, von denen rund die Hälfte Kinder und Jugendliche und davon 60 bis 70 Prozent aktiv sind. Großer Vorteil des kleinen Vereins: Da keine Abteilungen koordiniert werden müssen, bleibe der administrative Aufwand gering.

Allerdings sei man so bei der Zahl möglicher Veranstaltungen begrenzt. Immerhin zwei stehen aber normalerweise fest auf dem Programm: der Crosslauf zu Beginn des Jahres und das Sportfest, das von Mittwochabend auf Samstag gerückt ist, weil es für alle Beteiligten am Wochenende weitaus entspannter ist.

Dass man sich bei der LuT trotzdem zutraute, eine Großveranstaltung wie den Citylauf zu stemmen, hat mehrere Gründe. Zunächst einmal die hohe Motivation unter den Mitgliedern, bei Sportveranstaltungen anzupacken.

So haben sich schon bei den Eigenveranstaltungen Teams zusammengefunden, die bestimmte Aufgaben selbstständig erledigen. Gleiches gelte für die bisherigen Helfer beim Citylauf, die weitermachen. Da sei Erfahrung aus 24 Jahren gebündelt – die Checklisten stehen. Außerdem halte Renndirektor Günter Guderley die Fäden in der Hand, wenngleich er sie nun in die Entscheidungen einbinde. Und das Orga-Team aus rund einem Dutzend Leuten verteile die Aufgaben wie bisher. »Da sind so viele Leute dabei, die mitdenken«, sagt Schneider. Bange sei ihm nicht. Man gehe den Restart des Citylaufs entspannt an. »Wir schauen jetzt einmal, ob das Konzept gut ankommt«, sagt Finkelmann: »Ich sehe es aber positiv.«
(Andreas Schanz)

 

INFO LUT: Erst in Unterfranken ein perfektes Duo

Mit Holger Finkelmann und Marco Schneider haben sich bei der LuT Aschaffenburg zwei Sportler gefunden, die sich perfekt ergänzen und mittlerweile eine enge Freundschaft verbindet. Das macht sich nicht nur bei ihren neun Teilnahmen am Trans Alpine Run bezahlt. Kurios ist nur, dass sie sich erst in Unterfranken kennengelernt haben. Denn beide stammen aus Niedersachsen, Schneider aus Celle, Finkelmann aus Sarstedt nahe Hannover. Beide sind Jahrgang 1970. Und beide kamen von der Leichtathletik zum Laufsport.

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