Mittwoch, 26.09.2018

Eine süffig-zünftige Tradition

Wendelberg
Mittwoch, 01.06.2011 - 11:07 Uhr

Die Tradition der Biergärten hat zweifelsfrei Bayerische Wurzeln, auch wenn sie heutzutage in ganz Deutschland zum Sommerhit geworden sind. Ob allein oder in geselliger Runde genossen, die Freiluft-Lokale versprühen einen Hauch von Urlaub mitten im Alltag. Ursprünglich entstanden die ersten Biergärten im 19. Jahrhundert aus technologischen Gründen ....

In früheren Jahrhunderten wurde Bier nur in der kühlen Jahreszeit gebraut, unter anderem weil die Brandgefahr im Sommer sehr groß war. Zum anderen konnte man weder die für die gelungene Gärung notwendigen tiefen Temperaturen garantieren, noch das fertige Bier durch Pasteurisation haltbar machen. Um den Menschen jedoch auch in der warmen Jahreszeit ihr „flüssiges Brot“ anbieten zu können, bauten die Bayern – allen voran die Bewohner Münchens – spezielle kühle Bierkeller. Oft planzten sie darüber schattenspendene Kastanien und sorgten mit Kiesböden für zusätzliche Kühlung.
Jetzt konnten sich die Gäste direkt aus dem Lager bedienen. Selbst das Staatsoberhaupt spielte mit: Im Januar 1812 erlies König Maximilian I. die Verfügung, dass die Bierkeller einen Ausschank betreiben durften. Das erlaubte Speiseangebot beschränkte sich damals allerdings noch auf Brot. Es dauerte nicht lange, und schon bald trank man das Bier gleich an Ort und Stelle. Übrigens an langen Biertischen und Bänken, wie sie noch heute Tradition sind.

Auch in Zeiten moderner Brauereitechnologie sind Biergärten noch immer ein beliebter Treffpunkt für breite Bevölkerungsschichten. Damit erfüllen sie zugleich eine wichtige soziale und kommunikative Funktion. Die ungezwungene rustikale Atmosphäre gilt als Sinnbild für die bayerische Lebensart, die in und um Aschaffenburg einen zusätzlichen unterfränkischen Charme hat.