Dienstag, 03.08.2021

Umweltschutz in der Tiefe

Berufsbild: Kanalbauer gehen Dingen auf den Grund

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Umweltschutz in der Tiefe: Kanalbauer gehen Dingen auf den Grund
Umweltschutz in der Tiefe
Foto: Kirsten Neumann (dpa-tmn)
Meist neh­men wir die Ka­na­li­sa­ti­on gar nicht wahr. Da­bei ist sie es­sen­zi­ell: Sie führt sau­be­res Re­gen­was­ser in Flüs­se und Ab­was­ser in die Klär­an­la­ge. Ob Kunst­stoff, Ke­ra­mik oder Be­ton: Da­mit Roh­re zu Ab­was­ser­lei­tun­gen und -sys­te­men wer­den, braucht es Ex­per­ten.

Kanalbauer arbeiten im Tief-, Straßen- und Wasserbau und kümmern sich dabei vom kleinen Hausanschluss bis hin zu großen Abwassersammlern.

Der Bau der Kanalisationen, die das Abwasser in Kläranlagen leiten, ist für die Gesellschaft immens wichtig. »Ohne den Kanalbauer geht es nicht«, sagt Issam Bhihi. Er ist im ersten Lehrjahr seiner Ausbildung zum Kanalbauer bei der Hoch- und Tiefbau-Firma Heckmann in Hamm.

Das Arbeiten in einem guten Team und die Vielfalt der Aufgaben schätzt Issam Bhihi sehr. Kanalbauer konstruieren, sanieren und modernisieren Kanalsysteme und sorgen dafür, dass Abwasser umweltgerecht den Weg in die Reinigung findet - und somit das Grundwasser, das wir als Trinkwasser brauchen, vor Verunreinigung geschützt wird.

Fitness gefragt

Im Kanalbau führt man vorwiegend Tiefbauarbeiten aus, sagt Sandra Schelonka, Ausbildungsberaterin beim Berufsförderungswerk der Bauindustrie Nordrhein-Westfalen. Gruben und Schächte müssen als erstes ausgehoben, trocken gelegt und gesichert werden, bevor die Rohre verlegt werden können.

Dies geschieht oft unter Einsatz moderner Technik und Baumaschinen. Gleichwohl gehört auch viel Handarbeit dazu. Da sind körperliche Fitness und Belastbarkeit gefragt, der Beruf ist anstrengend. Auch Spaß an der Arbeit im Freien ist eine wichtige Voraussetzung.

Steffen Hallermann hat der Umweltgedanke in der Abwasserwirtschaft schon immer interessiert. Er absolviert bei der Firma Heckmann ein duales Studium. Neben der Ausbildung zum Kanalbauer besucht er die Hochschule und macht dort einen Bachelor of Engineering.

»Nach vier Jahren ist man ausgelernter Geselle, hat gleichzeitig seinen Bachelortitel und es eigens finanziert«, sagt er. Ohne Fleiß und Disziplin geht das alles nicht. Wenn man allerdings Interesse für das hat, was man tut, fällt das Lernen leichter.

Auf engem Raum

Im innerstädtischen Kanalbau sei alles auf engem Raum gebaut, sagt Hallermann - »genau diese Herausforderung zur Erstellung neuer Sonderbauwerke macht den Reiz aus.« Kanalbauer müssen sehr präzise arbeiten und sich exakt an den Bauzeichnungen orientieren, damit in den Leitungen alles ordentlich fließen kann.

Mit speziellen Vermessungsgeräten wie Nivelliergeräten, wird etwa das notwendige Gefälle richtig bestimmt. Ein mathematisches Grundverständnis, räumliches Vorstellungsvermögen und handwerkliches Geschick sollten Interessierte mitbringen. Rein formal wünschen sich Arbeitgeber von den Bewerbern überwiegend einen Hauptschulabschluss, ein Praktikum im Baubereich ist von Vorteil. Manche Betriebe erwarten auch einen mittleren Schulabschluss.

In den ersten zwei Jahren lernen Auszubildende alles, was sie für die Abschlussprüfung zum Tiefbaufacharbeiter mit Schwerpunkt Kanalbauarbeiten wissen müssen. Im dritten Ausbildungsjahr folgt dann die Spezialisierung für den Abschluss als Kanalbauer: Da geht es etwa um das Herstellen von Schachtbauwerken, den Einbau von Abwasserleitungen und das Sanieren und Instandsetzen von Kanälen.

Langweilig wird es nicht

Die Ausbildung erfolgt einerseits im Betrieb, wo Azubis vor allem die praktischen Tätigkeiten wie Rohre verlegen, Baugruben verbauen oder Schächte mauern erlernen, sagt Shenadi Osmani, Leiter der Berufsausbildung bei Heckmann. Im überbetrieblichen Ausbildungszentrum und in der Berufsschule dreht sich andererseits alles um Gewerke übergreifende Tätigkeiten, etwa aus dem Straßenbau, dem Rohrleitungsbau oder dem Brunnenbau. »Im Team arbeitet man an Projekten, die eventuell über 100 Jahre Bestand haben«, sagt Osmani. Die Berufsaussichten für angehende Kanalbauer sind wie fast überall in der Baubranche gut. »Kanäle sind extrem marode. Es ist ein krisensicherer Job«, sagt Gunther Sibilski, der als Ausbilder im Kanalbau beim Berufsförderungswerk der Bauindustrie NRW tätig ist. Was aber auch typisch für die Baubranche ist: »Trotz großer Bemühungen der Unternehmen entscheiden sich fast ausschließlich Männer für eine Ausbildung zum Kanalbauer.

Fast nur Männer

In den Jahren 2017 bis 2019 waren alle neuen Auszubildenden männlich«, sagt Moritz Lohe, Leiter Berufsbildung beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.

Die Vergütung für die Nachwuchskräfte ist vergleichsweise hoch. Die Bundesagentur für Arbeit gibt für tarifgebundene Betriebe Orientierungswerte von etwa 805 bis 890 Euro brutto pro Monat im ersten Lehrjahr an. Im dritten Ausbildungsjahr verdienen angehende Kanalbauer je nach Bundesland und Betrieb bis zu 1495 Euro.

»Nach einer abgeschlossenen Ausbildung gibt es viele Karrierewege« erklärt Ausbildungsberaterin Sandra Schelonka. »Zum Beispiel eine Qualifizierung zum Vorarbeiter, Werkpolier oder Geprüften Polier. Auch ein Studium zum Bauingenieur ist eine Option«.

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