Die Bühne für unsere Gefühle

Wissenschaft: Eine Tagung in Frankfurt beschäftigt sich mit dem »Gesicht als Ereignis« im Selfie-Zeitalter

Wissenschaft
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Papst Franziskus
Einer, der gerne mit einem Lächeln Klartext redet: Wer ist es? Auflösung auf Seite 6. Foto: dpa
Foto: Ettore Ferrari (ANSA)
»Das Ge­sicht« ist ei­ne In­sti­tu­ti­on auf der Sei­te 1 die­ser Ta­ges­zei­tung, bis auf we­ni­ge Aus­nah­men do­ku­men­tiert sich in die­ser Ru­brik an je­dem Er­schei­nungs­tag das Bild ei­nes Men­schen mit ei­nem Schick­sal. Und auch wer nur ab und an auf »Das Ge­sicht« blickt, weiß, dass er im­mer ein ein­zi­g­ar­ti­ges Bild vor sich hat.
Mit dieser Einzigartigkeit beschäftigte sich am Wochenende auch eine Tagung der Frankfurter Goethe-Uni. Unter dem Titel »Doing Face: Gesicht als Ereignis« verwiesen die Veranstalter - das Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften Frankfurt und das Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin - aber auch auf die Gefahr, dass das Gesicht als »Visitenkarte des Menschen« im digitalen Zeitalter seine Bedeutung verliert.
Denn während noch im 18. Jahrhundert das Gesicht als »Stempel Gottes« bezeichnet wurde, traten in den folgenden Jahrhunderten immer mehr die Formbarkeit des Gesichts und die Möglichkeiten, die seine Wandelbarkeit mit sich bringt, in den Vordergrund. Spätestens der Selfie-Boom wirft nun die Frage auf nach dem Zusammenhang zwischen Gesicht und Selbst, der sich sogar im Begriff »Selfie« niederschlägt. Die wissenschaftlich wie gesellschaftlich bedeutsame Frage lautet: Wird dieser »kleinen Oberfläche vorn am Kopf« zu Recht so viel Bedeutung beigemessen?
Auf der einen Seite das leibhaftige Bild der Individualität, in der Tagung dargestellt von der Anglistin und Konferenzorganisatorin Susanne Scholz am Beispiel von Oscar Wildes »Das Bildnis des Dorian Gray« - die Massenware der Selfie-Gemeinschaft und der Videoüberwachung im öffentlichen Raum auf der anderen Seite: Wissenschaftler sprechen deshalb heute von der »fazialen Gesellschaft« - wobei sie das Wort »fazial« (für: »das Gesicht betreffend«) aus der Anatomie entliehen haben. Aber egal, ob das Gesicht beispielhaft für den Einzelnen oder für die Masse steht: Einig sind sich die Experten, dass das Gesicht immer die Bühne unserer Gefühle ist, der Ort unserer Selbstinszenierung. Eben das drückt sich auch in unserer Rubrik »Das Gesicht« aus: Es hat immer seinen eigenen Wert, ist nie beliebig. Stefan Reis
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