Zwei Kulturwege und ein »Biber-Übungsgelände«

Spessart: Spaziergang mit Naturparkführer Tobias Schürmann in und um Schöllkrippen - Rätselhafte Wallanlage

Schöllkrippen
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Auf dem Streuobsterlebnispfad: An der Station Wanderwege für Tiere und Pflanzen mit Drehwürfeln zeigt Naturparkführer Tobias Schürmann (links), wie Streuobstwiesen Lebens- räume miteinander vernetzen und so als Wanderkorridore dienen.
Foto: Doris Pfaff
Na­tur, Kul­tur, Ge­schich­te: Einen ab­wechs­lungs­rei­chen, gut vier­stün­di­gen Nach­mit­tags­gang in und um Sc­höllkrip­pen hat am Sonn­tag Na­tur­park­füh­rer To­bias Schür­mann (Jo­han­nes­berg) ge­bo­ten. An der et­wa 13 Ki­lo­me­ter lan­gen Tour un­ter 2G-Be­din­gun­gen nah­men bei gu­tem Wet­ter 25 Frau­en und Män­ner aus Aschaf­fen­burg bis Wert­heim teil - dar­un­ter auch acht Mit­g­lie­der des Rhön­klubs Aschaf­fen­burg, die sich für ei­ge­ne Wan­der­an­ge­bo­te in­spi­rie­ren las­sen woll­ten.

Start der Tour war in der Ortsmitte am Marktplatz, der einen Rundblick auf die bedeutendsten Gebäude des Ortes freigibt: das Alte Schloss (heute Rathaus) mit seinem modernen Anbau, die Lukaskapelle und unweit, auf der Hauptstraße gegenüber, das mächtige historische Sackhaus. Die Gebäude gehören zu den Stationen des Europäischen Kulturwegs Schöllkrippen 1, der sich - 2009 als Pasquillenpfad eingeweiht - mit der Geschichte der Marktgemeinde befasst.

Weiter ging's, zunächst an der Jahrtausendlinde vorbei, durch die Holzgasse und später querfeldein über wasserreiche Wiesen zum vor vier Jahren eröffneten Streuobsterlebnispfad, der in Zusammenarbeit mit dem Schöllkrippener Äbbelwoistammtisch, der Marktgemeinde und dem Naturpark Spessart entstanden ist.

Der Pfad tangiert den Kulturweg Schöllkrippen 2 (eröffnet 2010), der als Streifzug durch 450 Millionen Jahre Erdgeschichte gilt. An der Rodberghütte der Schöllkrippener Spessartbundgruppe und an einem kleinen Felsenmeer im Wald vorbei stiegen die Wanderer hinauf auf den Reuschberg, auf dem die rätselhafte Wallanlage »Alte Burg« thront. Ihre Lage auf dem Bergsporn deutet auf eine vorgeschichtliche Befestigung hin, doch gebe es dafür bislang keine gesicherten Nachweise, heißt es auf einer Infotafel auf dem Reuschberg. Indes: Nach dem überwundenen Höhenunterschied von 150 Metern taten dort den Wanderern eine kleine Rast und die schöne Aussicht ins Tal gut, bevor es wieder teilweise steil nach unten ging.

Zurück im Ort und erneut auf dem Pasquillenpfad, zeigte Schürmann der Wanderschar den Bahnhof der Kahlgrundbahn, die 1898 eröffnet wurde und damit den wirtschaftlichen Aufschwung der vormals armen Region eingeleitet hatte. Weiter führte die Tour über den Seitzenberg und zum Kalmus, ein Plateau oberhalb des Ortsteils Langenborn, an dem die Kahl vorbeifließt. In einem Waldstück direkt am Fluss staunten die Ausflügler nicht schlecht über ein »Biber-Übungsgelände«. Naturparkführer Schürmann hatte Eindruck, »als ob hier eine ganze Schulklasse junger Biber das Nagen und Baumfällen geübt hätte«.

Und noch ein Höhepunkt zum Abschluss: Ein paar Schritte weiter lud die alte Urpfarrkirche des Kahlgrundes im Ortsteil Ernstkirchen zum Betrachten einer besonderen Weihnachtskrippe ein - ein im fränkischen Stil gebautes Kunstwerk, das bis 2. Februar (Mariä Lichtmess), zu sehen ist. An diesem Tag endet die Weihnachtszeit in der katholischen Kirche, und damit auch in der Pfarrkirche St. Katharina in Ernstkirchen, das im Jahr 1184 erstmals urkundlich erwähnt wird.

Hintergrund: Kulturwege

Die Kulturwege sind - gemeinsam mit den archäologischen Projekten - das Aushängeschild des Archäologischen Spessartprojekts. In Zusammenarbeit mit vielen Partnern und Sponsoren, allen voran dem Spessartbund, und mit den Menschen der Region entsteht seit 1999 ein immer dichteres Netz von Kulturwegen, auf denen die Kulturlandschaft Spessart erlebbar und begreifbar wird.

Auch Naturpark Spessart-Führer wie Tobias Schürmann nutzen gerne die Kulturwege für ihre Angebote. Der Naturpark Spessart e.V. betreut mehr als 80 ehrenamtliche Naturparkführer. Diese zeigen Ausflüglern die schönsten Seiten des Spessarts und bringen ihnen Natur und Kultur, Geschichte und Geschichten näher.

Internet: www.spessartprojekt.de/kulturwege

www.naturpark-spessart.de

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!