Ziele: Jagdschloss zurückkaufen und Eichenzentrum abspecken

Heimat: Spessartbund-Arbeitsgruppe zur Zukunft der Region hat zum ersten Mal getagt - Biosphärenreservat als Langzeitprojekt

Aschaffenburg
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Mehr zum Thema: Eichenzentrum im Spessart
Aschaffenburg - Schweinheim, Gesellschaftsklub Fidelio im Wald. Arbeitsgruppe des Spessartbunds zur Zukunft des Spessarts (Eichenzentrum, Jagdschloss) tagt zum ersten Mal © Harald Schreiber Bildunterschrift 2019-01-18 --> Diskutieren über die Zukunft der Region: Mitglieder des Spessartbunds; stehend: Diskussionsleiter Gerhard Ermischer. Foto: Harald Schreiber
Foto: Harald Schreiber
Sch­loss Luit­pold­höhe zu­rück­kau­fen, das ge­plan­te Ei­chen­zen­trum im Ha­fen­l­ohr­tal ab­spe­cken, ein Na­tur­park-In­fo­zen­trum ein­rich­ten, lang­fris­tig ein Bio­sphä­ren­re­ser­vat im Spess­art aus­wei­sen: Die­se Zie­le für die Re­gi­on hat der Spess­art­bund am Mitt­woch­a­bend bei ei­nem Tref­fen in Aschaf­fen­burg skiz­ziert.

Vor dem Hintergrund der Debatte um Naturschutz und Gebäude-Nutzung in der Region hat der Spessartbund, Dachverband der hiesigen Wandervereine mit gut 10 000 Mitgliedern, eine Arbeitsgruppe zur Zukunft der Region gegründet. Zum ersten Treffen kamen nun rund 20 Teilnehmer.

Gerhard Ermischer, Präsident des bayerischen Wanderverbands und Vorsitzender des Archäologischen Spessartprojekts, das sich mit der Erforschung der Kulturlandschaft hierzulande beschäftigt, leitet die Gruppe. Er betonte, für den Spessart sei ein Gesamtkonzept nötig, das den bayerischen und den hessischen Teil umfasst.

Ob Eichenzentrum im Hofgut Erlenfurt im Hafenlohrtal oder Walderlebniszentrum am Bischborner Hof: Bei allen Projekten sei es wichtig, dass sie charakteristisch für die Region sind. Mit einem austauschbaren Hochseilgarten sei das beispielsweise nicht zu erreichen.

Ermischer kritisierte, dass die verschiedenen Projekte bei verschiedenen Ministerien (Forst- und Umweltministerium) angesiedelt sind. Da bestehe die Gefahr, dass jedes Haus sein »eigenes Süppchen kocht«. Wünschenswert sei ein Führungsteam außerhalb der Ministerien. Und: »Die Leute aus der Region wurden bisher nicht gefragt, was sie wollen.« Nicht zuletzt deshalb habe der Spessartbund die Arbeitsgruppe gegründet; man arbeite zudem eng mit dem Verein Naturpark Spessart und dem Tourismusverband Spessart-Mainland zusammen.

Das ganze Jahr über

In Sachen Eichenzentrum, das für 26,5 Millionen Euro im Hafenlohrtal entstehen soll, sagte Ermischer, derzeit werde seitens des Freistaats eine Studie zur Wasserver- und Abwasserentsorgung angefertigt. Das könne das ganze Jahr 2019 dauern. Bei dem Treffen wurde schnell klar, dass die Spessartbund-Mitglieder das Konzept des Freistaats für das Eichenzentrum nicht zur Gänze unterstützen. Mit der Akademie »Wald und Gesellschaft« (Bildung) sind sie einverstanden. Das Angebot »Waldwelt im Spessart« (Ausstellung) lehnen sie ab. Zusammengefasst: Zentrum im Hafenlohrtal als reiner Akademiebetrieb ohne Ausstellung, ohne Laden und ohne Wildgehege.

In der Akademie könne man zum Beispiel die Ausbildungen zum Naturpark- und Wanderführer machen. Auch Studenten könnten dort unterkommen, über den Spessart forschen. Ferner wäre die Kooperation mit Universitäten möglich.

Ein Schwerpunkt in der Diskussion: Jagdschloss Luitpoldhöhe bei Rohrbrunn, das die Eigentümer verkaufen wollen. Der Freistaat hatte das Schlösschen vor ein paar Jahren an privat veräußert. »Ein katastrophaler Fehler für die Region«, sagte Diskussionsleiter Ermischer. Der Rückkauf durch die öffentliche Hand wäre »ein Gewinn«. Luitpoldhöhe, an der A 3 gelegen, sei ein »idealer Ort« für drei Aspekte: Information über den Gesamtspessart von Hanau bis Gemünden, Geschichte, Tourismus. Das Schloss als »reines Prinzregent-Luitpold-Museum« zu nutzen, wie bereits vorgeschlagen, berge die Gefahr, dass zu wenig Besucher kommen.

Beim Thema »Naturpark-Infozentrum als touristischer Leuchtturm« wurden der Bischborner Hof, die Bayrische Schanz und der Geiersberg als mögliche Standorte genannt.

Landtagsabgeordnete einladen

Erinnert wurde an den Spessartkongress 1995 in Bad Orb. Auch damals ging es um die Zukunft der Region. Die Teilnehmer können sich einen »Neustart« des Kongresses ein Vierteljahrhundert später im Jahr 2020 vorstellen, um Ideen für den Gesamtspessart zu bündeln.

Konkret soll es jetzt darum gehen, die Landräte der Region (Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart, Main-Kinzig) und den Aschaffenburger Oberbürgermeister zu kontaktieren - nicht zuletzt um auszuloten, wie sie zu einem länderübergreifenden Biosphärenreservat stehen.

Außerdem, so Ermischer, will der Spessartbund die hiesigen Landtagsabgeordneten sowie Vertreter der Landratsämter und der Münchner Ministerien einladen, um vor Ort über den Spessart zu debattieren. Das soll im März oder April geschehen.

Hintergrund

Diskutieren über die Zukunft der Region: Mitglieder des Spessartbunds; stehend: Diskussionsleiter Gerhard Ermischer. Foto:

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