Wohnbau fördern, Spekulation verhindern

Main-Echo-Forum: Sieben Direktkandidaten des Stimmkreises Aschaffenburg-West zur Landtagswahl - Was tun gegen steigende Mieten?

Aschaffenburg
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Schon vor der Landtagswahl eine Stimme bekommen: Gelegenheit zum Fragen gab es beim Main-Echo-Forum im Stimmkreis Aschaffenburg-West. Foto: Moni Münch
Foto: Moni Münch
Eher Austausch als Streit: Winfried Bausback (CSU), Hans-Jürgen Fahn (FW), Martina Fehlner (SPD), Peter Kolb (FDP), Rudolf Lang (ÖDP), Tobias Schäffer (Linke) und Stefan Wagener (Grüne) erläuterten, befragt von Chefredakteur Martin Schwarzkopf, im Hofgarten-Kabarett ihre Positionen zur bayerischen Landtagswahl. Foto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich
Woh­nungs­not, un­be­zahl­ba­re Mie­ten und Bau­land­p­rei­se: Das The­ma Woh­nen hat im Land­tags­wahl-Forum des Me­di­en­hau­ses Main-Echo mit sie­ben Di­rekt­kan­di­da­ten aus dem Stimm­kreis Aschaf­fen­burg-West brei­ten Raum ein­ge­nom­men.

Chefredakteur Martin Schwarzkopf, der die Runde am Mittwochabend im Hofgarten moderierte, sprach von der wichtigsten soziale Frage neben Aspekten wie Pflege oder Gesundheitsvorsorge.

Zugleich unterschieden sich die Lösungsansätze der Parteien und Kandidaten deutlicher als bei anderen Themen.

Wenn es nach dem Applaus im Publikum geht, hat die SPD das beliebteste Rezept, um der Wohnungsnot in Bayern zu begegnen. Martina Fehlner sieht das Land in der Pflicht, für Sozialwohnungen und bezahlbaren Wohnraum zu sorgen: Über eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft, eine Bodenspekulationssteuer und eine neue Vergabepraxis: Nicht mehr die Meistbietenden sollen staatliche oder kommunale Grundstücke erwerben, sondern Investoren, die bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Ähnliche Werkzeuge hat die Linke im Wahlgepäck. Tobias Schäffer brachte zudem die Enteignung ins Spiel, wenn Eigentümer mit Bauland und Wohnungen spekulieren, statt sie nutzbar zu machen.

Privat oder Staat?

Mehr Geld für Sozialwohnungsbau wollen die Grünen durchsetzen. Stefan Wagener forderte zudem, der Staat müsse Wohnungsbaugesellschaften fördern - auch im ländlichen Raum, um Druck von den Städten zu nehmen. Die wiederum müssten auf Innenverdichtung setzen, um Flächenfraß zu vermeiden.

Die entgegengesetzte Position vertrat Peter Kolb: Für die FDP sei der Staat nur gefragt, um den Rahmen für Wohnungsbau zu verbessern, etwa durch beschleunigte Genehmigungsverfahren. Wohnungen müssten dort entstehen, wo sie gebraucht werden, gab er einer Steuerung in den ländlichen Raum wenig Chancen.

Zur Sache: So lief das Main-Echo-Wahlforum in Aschaffenburg
Quelle: Moni Münch

»Kosten runter«

Neben dem Sozialwohnungsbau ist aus Sicht der Freien Wähler die Kostenentlastung von Mietern und Bauwilligen ein Grundstein für mehr bezahlbaren Wohnraum: Nebenkosten müssten gesenkt, die Grunderwerbsteuer abgeschafft werden, so Hans-Jürgen Fahn.

Winfried Bausback verteidigte die CSU-Politik: Bayern habe bereits eine Wohnungsgesellschaft gegründet und Investitionsprogramme aufgelegt. Das gelte es nach der Wahl fortzusetzen.

Die ÖDP will andere Wege einschlagen: »Neubau ist nicht die optimale Lösung.« Rudolf Lang sprach von flexiblen Wohnformen, die es Alleinstehenden etwa im Alter erlaube, übergroßen Wohnraum für diejenigen freizumachen, die ihn benötigen.

Wie sich die Politiker schlugen

Mit solchen Äußerungen sorgte Lang, mit 64 selbst Rentner, für Emotionen unter den 200 Besuchern: »Wollen Sie die alleinstehende Witwe aus ihrer Villa vertreiben?«, fragte ein Besucher. Auch bei anderen Themen vertrat der ÖDP-Direktkandidat überraschende Positionen.

Dass Winfried Bausback abermals das Direktmandat erringt, gilt als sicher. Dennoch hatte der CSU-Mann und bayerische Justizminister einen schweren Stand. Immer wieder musste er sich der geballten Kritik der Oppositionspolitiker stellen, beim Thema Wohnungsbau etwa wegen des Verkaufs der GBW-Wohnungen. oder beim Thema Sicherheit wegen des Polizeiaufgabengesetzes. Er agierte sehr ernst, verstand wenig Spaß.

Der Gegenpol auf dem Podium: der FDP-Direktkandidat Peter Kolb. Locker und oft mit einem Augenzwinkern vertrat der 60-Jährige die liberalen Positionen.

Ein sicheres Auftreten legte die SPD-Direktkandidatin Martina Fehlner (58) an den Tag. Sie hat durch ihren früheren Medienberuf Routine, sich im Rampenlicht zu bewegen, und es war ihr anzumerken, dass sie bereits Landtagserfahrung hat.

Offen für Koalition

Die parlamentarischen Erfahrungen Stefan Wageners (46) beschränken sich noch auf die Stadtratsarbeit in Aschaffenburg. Dennoch zeigte sich der Direktkandidat der Grünen selbstbewusst. Die Umfragen, wonach seine Partei die SPD als zweitstärkste Kraft in Bayern ablöst, beflügelten ihn, schloss er doch auch Koalitionsverhandlungen mit der CSU nicht aus: »Die Grünen treten natürlich zur Landtagswahl an, um hinterher auch Verantwortung zu übernehmen.«

Der FW-Direktkandidat Hans-Jürgen Fahn ließ Detailkenntnisse in den wesentlichen Themen erkennen. Da schimmerten seine Landtagserfahrung und sein früherer Beruf als Lehrer durch.

Mit 20 Jahren war der Direktkandidat der Linken, Tobias Schäffer, der jüngste auf dem Podium. Der Einzelhandelskaufmann zeigte sich gewitzt und bewies Bodenhaftung, etwa beim Thema Digitalisierung: »Ich finde es komisch, über Digitalisierung an Schulen zu reden, wenn die Schulen dafür noch gar nicht fit gemacht sind.

PETER FREUDENBERGER
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