Wo im Advent das Hehmännchen spukt

Geschichte: Um die Pflaumheimer Waldabteilung »Urlas« ranken sich Legenden - Hofgericht entscheidet Rechtsstreit

Großostheim-Pflaumheim
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Im Pflaumheimer Waldgebiet »Urlas« inspizieren Forstmeister Toni Schwanzer und Förster Rudi Schlosser (von links) den Baumbestand.
Foto: Lothar Rollmann
Urlas ist der Name der zwölf Hektar großen Pflaumheimer Waldabteilung, die im 18. Jahrhundert als umstrittenstes Waldstück auf dem Höhenrücken zwischen Pflaumheim, Mömlingen und Niedernberg galt. Das Mainzer Hofgericht höchstpersönlich sprach den Urlas 1795 der Gemeinde Pflaumheim zu. Seither soll der Geist eines korrupten Vierrichters dort spuken.
Der Urlas (gesprochen, als schreibe man es mit zwei S) hatte im Laufe der Zeit mehrere Namen. So ist in den Urkunden des 15. und 16. Jahrhunderts von einem Land Orlis, auch Orlisbusch oder der Mark Orlis die Rede. In Prozessakten von 1769 bis 1797 wurde der Orlis gar zu einem Lands-Urlaub verdreht, wie der Pflaumheimer Heimatforscher Josef Schuck († 1967) berichtet (»Aschaffenburger Geschichtsblätter« Nr. 5 vom Dezember 1936).
In der Mundart wird von der älteren Generation noch heute vom Lansules (mit langem und betontem U) gesprochen, der wohl auf Lands Orlis zurückgeht. Schuck versuchte aus einschlägiger Literatur den Namen so zu erklären: Nach dem althochdeutschen melzo und dem mittelhochdeutschen melz, heißt dies Holzschlag, nach dem althochdeutschen urmelzo soviel wie Urwald. Aus Urmeiß und Urbeis wiederum seien Orbis und wohl auch Orlis abzuleiten.
Um die Eigentümerrechte für das Waldstück gab es im 18. Jahrhundert einen jahrzehntelangen Rechtsstreit zwischen der Cent Ostheim, den Centgemeinden und der Gemeinde Pflaumheim. Schließlich wurde durch das Urteil des Mainzer Hofgerichts vom 7. September 1795 der Urlas der Gemeinde Pflaumheim zugesprochen. Ende Mai 1797 wurden die neuen Grenzsteine gesetzt.
Neue Grenzsteine
Um in Zukunft jedem Streit vorzubeugen, wurden im Beisein einer hohen Gerichtskommission aus Mainz, der Landschöffen der beteiligten Gemeinden und des Revierförsters sowie Vierrichtern aus Schaafheim, Kleestadt und Langstadt um das Land Orlis neue Grenzsteine gesetzt und mit der Jahreszahl 1797 versehen. Diese stehen heute noch.
Schließlich ist es nicht verwunderlich, dass sich um dieses Waldstück auch eine Sage rankt, nämlich die vom Hehmännchen: »In dem großen Streit, der zwischen Pflaumheim und der Cent Ostheim entbrannt war, ging in dunkler Winternacht ein Vierrichter hinaus in das umstrittene Waldstück und versetzte die Grenzsteine, nicht achtend seines heiligen Eides. Nach seinem Tod erreichte ihn die Strafe. Seine eidbrüchige Seele fand keine Ruhe. Im Advent vor dem Tagläuten geistert die arme Seele im Land Orlis herum. Schwer schleppt der verwünschte Vierrichter an einem Stein und ruft jeden, der in die Nähe kommt, an: »Heh, wo soll ich den Stein hinsetzen?« Aber noch keiner gab ihm die erlösende Antwort: »Wo du ihn geholt hast!«
Andere sahen das Hehmännchen als feurigen Mann auf dem Dreimärker zwischen den Markungen Niedernberg, Pflaumheim und Mömlingen hocken. Wieder andere beobachteten, wie die Spukgestalt mit einer Laterne und einer Hacke verzweifelt nach dem verrückten Stein suchte. Lothar Rollmann
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