Wiesen an Dorfladen stark interessiert

Nahversorgung: 300 Bürger der Spessartgemeinde bei Infoabend - Berater sieht gute Chancen für das Projekt

Wiesen
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Vor rund 300 Bürgern referierte Wolfgang Gröll (rechts am Pult neben Bürgermeister Gerhard Büdel) in der Schulturnhalle über die Chancen eines Dorfladens in Wiesen.
Foto: Doris Pfaff
Rund 300 Bürger aller Altersgruppen aus dem 1050 Einwohner zählenden Spessartdorf interessierten sich am Mittwoch für den Informationsvortrag des Unternehmensberaters Wolfgang Gröll zum Thema »Dorfladen«. Der Abend wurde initiiert, um die Frage zu klären, ob in Wiesen ein Laden betrieben werden kann, wenn das bisherige Versorgungsgeschäft wie angekündigt zum Jahresende 2012 schließt.
Wie Bürgermeister Gerhard Büdel erklärte, sind Kleinkahl und Hofstädten bereits den »Dorfladenweg« gegangen. In Wiesen, das stark mit dem demografischen Wandel zu kämpfen hat, seien der Druck, aber auch die wirtschaftlichen Chancen jedoch höher, weil der Ort wesentlich weiter von größeren Einkaufsorten entfernt liege.
Neugründungen überleben
Gröll, der seit 16 Jahren Gemeinden und Bürgergesellschaften zur »Nah- und Grundversorgung« berät, Machbarkeitsstudien erstellt und nach der Eröffnung einen Soll-Ist-Vergleich durchführt, sagte, noch vor Jahren seien die Dorfläden als »sozialromantische Spinnerei« abgetan worden. Doch derzeit überlebten 90 Prozent der bereits gegründeten Dorfläden und davon wiederum 100 Prozent der in den letzten drei Jahren neu eröffneten Dorfläden.
Neben der Frische der Produkte gehörten der regionale Bezug, günstige Preise sowie die Persönlichkeit der Mitarbeiter und die hohe Servicebereitschaft zu den wichtigsten Erfolgsfaktoren, so Gröll. Überdies seien die Dorfläden beliebte soziale Begegnungsstätten.
Zuvor war Gröll auf die Lebensmittelhandels- und Vertriebsstrukturen in Deutschland eingegangen. Wie viel Einwohner ein Dorf und wie viel Quadratmeter Fläche ein Dorfladen haben sollten, damit das Geschäft sich lohne, lasse sich nicht pauschalieren, so Gröll weiter.
Von größter Bedeutung für die Bürgergesellschaften sei die Rechtsform, wobei meist die Genossenschaft oder ähnliche kleinere Typen anderen Alternativen überlegen seien. Der Vorteil liege im »Ein-Kopf-Stimmrecht«. Das bedeute, nicht das eingelegte Kapital der Gesellschafter sei entscheidend, sondern jedes Mitglied habe nur eine Stimme.
Gröll unterstrich ferner, dass sich die Haftung nur auf die Einlage begrenze. Eine persönliche Haftung sei ausgeschlossen.
Erste Tipps gab der Partner im Dorfladen-Netzwerk auch zu Gestaltung und Inneneinrichtungen. Dabei sollten die Laien selbst planen und ihrem Dorfladen ein individuelles Gesicht geben. In der Sortimentsgestaltung herrsche Freiheit, doch die klassischen Grundlagen sollten vorne anstehen, sagte Gröll auf Nachfrage. Ungeachtet dessen würden etwa 85 Prozent der normalen Lebensmittel außerhalb in Discountern und Supermärkten gekauft; darüber müsse man sich im Klaren sein.
Entsprechend der Lage des Ortes und der Einwohnerzahl gehe er in Wiesen von einem Jahresumsatz von 300 000 bis 450 000 Euro aus. Den maximalen Investitionsbedarf, an dem sich die Bürger über das Eigenkapital am Dorfladen beteiligen, bezifferte Gröll vorläufig auf 40 000 Euro.
In der anschließenden Fragerunde stellte der Unternehmensberater klar, dass er und sein Team als Umsetzungsbegleiter fungieren. Das Konzept selbst müsse »von Wiesen kommen«. Die Begleitung des Arbeitskreises, der noch in der Sensibilisierungsphase zu gründen sei, erfolge kostenneutral. Im Vorgründungsprozess folgten später die Machbarkeitsstudie, die Wahl der Rechtsform und die Gründungsversammlung. Gröll verschwieg nicht, dass das Vorhaben auch schief gehen könne. Über Personal zu diskutieren, sei wesentlich zu früh.
Keine Konkurrenz solle zu bestehenden Einrichtungen, darunter beispielsweise mit dem örtlichen Bäcker oder dem Lottolädchen samt Café, entstehen. Vielmehr werde eine Zusammenarbeit angestrebt, betonte Gröll.
Gute Startbedingungen
»Es wird spannend in Wiesen«, sah der Berater voraus. Angesichts des großen Interesses aus der Bevölkerung sei ihm »nicht bange« fügte Bürgermeister Büdel an. Glück habe Wiesen, dass es »nicht aus dem Kalten starte« und womöglich bestehende Räumlichkeiten im Ortszentrum nutzen könne, hieß es.
Doris Pfaff
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