Wieder Leben in der Tagesstätte

Sozialstation: Vom Normalbetrieb ist man in St. Paulus Alzenau allerdings noch ein gutes Stück entfernt

Alzenau
2 Min.

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Es ist eine Erfolgsgeschichte der Alzenauer Seniorenarbeit: In aller Regel sind die Plätze der Seniorentagesstätte von St. Paulus ausgebucht. 18 Tagesgäste werden normalerweise betreut, insgesamt sind es 40 verschiedene Menschen pro Woche, die eines der Angebote nutzen. Normalerweise. Mitte März war nichts mehr normal. »Noch vor dem Lockdown sind die ersten zu Hause geblieben aus Angst, sich infizieren zu können«, erinnert sich Martin Staab, der Leiter der Seniorentagesstätte. Und dann war Schluss. Zehn Wochen lang. Seit dem 19. Mai ist nun wieder Bewegung in der Tagesstätte - allerdings stark eingeschränkt. Die Hygiene- und Abstandsregeln werden im Haus penibel befolgt, was auch bedeutet, dass pro Tag maximal lediglich sieben Gäste aufgenommen und betreut werden können. Die Einschränkungen fangen bereits beim Abholen der Senioren an: »Mehr als ein Fahrgast pro Bus geht nicht.«

Hygiene first

Der Geruch von Desinfektionsmittel ist allgegenwärtig. Mehrfach am Tag werden Tische, Stühle, Handläufe desinfiziert. Weiteres Beispiel: Vor Corona war für das sechsköpfige Betreuerteam die Klamottenfrage nicht wirklich wichtig. »Nun aber muss alles bei 60 Grad gewaschen werden, jeder von uns hat drei Shirts und drei Hosen erhalten.« Die Arbeitskleidung muss im Hause bleiben - umgezogen wird sich behelfsmäßig im Untergeschoss. Eigene Umkleiden waren einst beim Bau der Seniorentagesstätte nicht vorgesehen.

Intensivere Einzelbetreuung

Man könnte meinen, dass die kleinere Gruppe eine intensivere Einzelbetreuung ermögliche. Die Einschätzung sei gewiss nicht falsch, meint Staab. Andererseits sei es leichter, aus einer Gruppe von 18 Personen Reaktionen herauszuholen, als aus einer Kleingruppe, »wo dann manchmal halt gar nichts kommt.«

Martin Staab will nicht klagen. Wichtig ist ihm, der Öffentlichkeit darzustellen, »dass es uns noch gibt«. Gänzlich sorgenfrei ist der Blick in die Zukunft freilich nicht. »Wirtschaftlich ist ein Betrieb mit nur sieben Tagesgästen nicht darzustellen.« Doch würden bislang die Defizite von der Pflegekasse ausgeglichen. Unterstützung wird wohl auf weitere Sicht nötig sein.

Nicht im Interesse des Staates

Marianne L' Alinec-Rittler setzt mit Staab auf die Politik. Es könne nicht im Interesse des Staates sein, wenn Einrichtungen wie die Seniorentagesstätte aus finanziellen Gründen schließen müssten, meinen beide. Marianne L' Alinec-Rittler ist ehrenamtliche Vorsitzende des Trägervereins und fast exakt seit einem Jahr im Amt (siehe »Drei Fragen«).

Ein Jahr, das sie so schnell nicht vergessen wird.

»Als endlich alles repariert war, kam Corona«

Marianne L' Alinec-Rittler ist am 24. Juni 2019 zur Vorsitzenden des Vereins St. Paulus Alzenau gewählt worden.

Die Jahresbilanz scheint ja recht interessant zu sein ?

Das Jahr war einfach unglaublich. Knapp zwei Monate nach meinem Amtsantritt war der Sturm in Alzenau. Unter anderem fiel ein großer Baum auf die Sozialstation. Im Außenbereich wurden Zäune und Gabionen zerstört. Als dann endlich alles repariert war, kam Corona.

Wie ist es möglich, den Betrieb der Tagesstätte trotz der geringen Auslastung aufrecht zu erhalten - müssen Sie Verhandlungen mit der Politik oder den Pflegekassen führen?

Nein. Wir sind ja kein Einzelfall, den anderen geht es genau so. Wir sind eine Caritas-Sozialstation. Das heißt: Es ist der Caritasverband, der sich für unsere Belange stark macht.

Wie schaut es mit der örtlichen Unterstützung aus?

In Alzenau gibt es viele soziale Projekte und alle haben Unterstützung verdient. Aber es schadet nicht, ab und zu darauf hinzuweisen, dass auch bei unserem Verein Sozialstation St. Paulus das Spendengeld sehr sinnvoll eingesetzt wird.

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