Wie eine Großostheimerin aus Nichts ein Krankenhaus baut

Schaafheim
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Tanja Hock. Foto: Harald Schreiber
Foto: Harald Schreiber
Viele helfende Hände: Seit März baut der Verein Mobile Hilfe Madagaskar mit Unterstützung deutscher Spender ein Krankenhaus in dem Dorf Ambovo. Die Pflaumheimerin Tanja Hock leitet das Projekt und hofft, dass es an Weihnachten fertig sein wird. Dieses Bild wurde Anfang Mai aufgenommen. Foto: Tanja Hock
Foto: Tanja Hock (Mobile Hilfe Madagaskar)
Der Ve­r­ein Mo­bi­le Hil­fe Ma­da­gas­kar leis­tet seit ei­ni­gen Jah­ren me­di­zi­ni­sche Hil­fe für Men­schen in der Re­gi­on Am­bo­vo. Die Hebam­me und ge­bür­ti­ge Pflaum­hei­me­rin Tan­ja Hock (40) ist Pro­jekt­ver­ant­wort­li­che auf Ma­da­gas­kar. Für das Som­mer­fest des Ve­r­eins am Sams­tag, 30. Ju­ni, ist sie aus Afri­ka an­ge­reist und hat gu­te Neu­ig­kei­ten im Ge­päck.

Frau Hock, im vergangenen Jahr hatten Sie vom geplanten Bau einer Krankenstation berichtet. Seit Ende März wird gebaut. Wie weit ist der Bau?

Auf dem kleineren Gebäudeteil ist der Dachstuhl schon drauf. Auf dem größeren Gebäude ist das erste Stockwerk fertig, nun laufen die Vorbereitungen für das Dach.

Bis alle bürokratischen Hürden genommen waren, war es ein steiniger Weg. Wie ist es um die Unterstützung bestellt?

Die Hilfe und Solidarität aus der Bevölkerung hat viele von den Socken gehauen. Ich hatte anfangs gesagt, dass die Menschen aus den Dörfern die Fundamente machen sollen – und dafür erst viel Gegenwind bekommen. Aber ich fand, wenn wir diese Unterstützung nicht hinkriegen, dann brauchen wir das Krankenhaus nicht. 28 Männer wollten wir haben, am besten Tag kamen 115 Männer und 20 Frauen. Die Unterstützung ist schon etwas Besonderes und die totale Bestätigung, dass die Leute es wollen und bereit sind, sich einzusetzen. Dadurch haben wir die Arbeit auch schneller geschafft als gehofft.

Wo liegen Unterschiede zu einer deutschen Baustelle?

Es gibt vieles nicht auf Madagaskar. Und die Menschen machen aus Nichts ein kleines Krankenhaus. Es gibt zum Beispiel keine Sicherheitsschuhe: Wir sehen alles von Badelatschen bis zu Männern, die barfuß arbeiten. Es gibt auch keine Betonmischer: Als die Betondecke hergestellt wurde, sind von 7 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts elf Tonnen Zement gemischt worden. 80 Leute haben mit Schaufeln oder barfuß die Materialien gemischt, ein Teil hat Wasser geholt, Säcke getragen oder nach oben gegeben. Alles mit singen und pfeifen: Es gab kein Murren.

Das klingt strapaziös.

Wir haben durch die Baustelle mehr Staub und Dreck auf dem Gelände der Krankenstation. Aber es macht so viel Spaß. Wir haben jahrelang darauf gehofft und daran geglaubt und jetzt wird es und wächst.

Die Mobile Hilfe Madagaskar finanziert sich und den Krankenhausbau über Spenden. Wie weit reicht das Geld?

Wenn das Dach auf dem Gebäude ist, ist das Geld erst einmal weg. Der fertige Rohbau wird dann etwa 63 000 Euro gekostet haben. Für den Innenausbau werden noch einmal etwa 65 000 Euro nötig sein. Aber es gab schon so viele Wunder in diesem Projekt. Das werden wir auch noch schaffen.

Beim Sommerfest am Samstag wollen Sie über die Fortschritte informieren und um weitere Spenden werben. Seit August 2017 ist Großostheims Bürgermeister Herbert Jakob (CSU) Schirmherr der Mobilen Hilfe Madagaskar, der Spender auf den Verein hinweisen will. Haben Sie seitdem ein größeres Spendenaufkommen aus der Region festgestellt?

Das ist schwierig nachzuvollziehen, denn wir wissen nicht, woher die Spenden kommen. Um den Innenausbau zu stemmen, wollen wir Patenschaften anbieten.

Wie könnten diese aussehen?

Um Fenster, Strom, Wasser, Fliesen, Verputzen und Farbe zu stemmen, sind für die Zimmer je nach Größe 750 bis 7777 Euro nötig. Wenn sich zum Beispiel fünf Spender bereit erklären, über eine Dauer von sechs Monaten jeweils 25 Euro bereitzustellen, könnten wir schon das Zimmer für 750 Euro ausbauen. Das wäre eine schöne Sache.

Wann soll das Krankenhaus fertig sein?

Ich wäre gerne an Weihnachten fertig. Wenn der Betrieb läuft, müssen wir das Personal aufstocken.

Wofür wird das Krankenhaus Platz bieten?

Es entstehen 26 Zimmer. Darunter sind zwei Patientenzimmer mit sechs Betten für Mütter, zwei Operationssäle, ein Sterilisationsraum, ein Waschraum, ein Unterrichtsraum und und und. Die meisten Frauen auf Madagaskar entbinden ambulant. Aber für diejenigen, die Komplikationen in der Schwangerschaft haben oder nach einem Kaiserschnitt noch Aufmerksamkeit brauchen, wollen wir einen Platz bieten. In Madagaskar sterben bei 100 000 Geburten 400 Frauen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es nur 3,3 auf 100 000 Geburten. Bei uns ist noch keine schwangere Frau gestorben.

 

CAROLINE WADENKA
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