Wichtige Anlaufstelle in psychischen Notlagen

Gesundheit: Sozialzentrum Am Rosensee vor 25 Jahren eröffnet - Steigende Patientenzahlen bei den Trägern Bezirkskrankenhaus und Arbeiterwohlfahrt

Aschaffenburg
2 Min.

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Seit 25 Jahre Anlaufstelle für Menschen in psychischen Notlagen: Im Sozialzentrum Am Rosensee (hier von der Schweinheimer Straße aus gesehen) bieten die Zweigstelle des Bezirkskrankenhauses Lohr und die Arbeiterwohlfahrt wichtige Hilfen.
Foto: Cornelia Müller
Seit 25 Jah­ren ist das So­zial­zen­trum "Am Ro­sen­see" wich­ti­ge An­lauf­s­tel­le für Men­schen in psy­chi­schen Not­la­gen. Von der aku­ten So­fort­hil­fe über sta­tio­nä­re The­ra­pie oder be­t­reu­tes Woh­nen für psy­chisch Lang­zeit­kran­ke: Die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den bei­den Trä­gern, der psy­ch­ia­tri­schen Kli­nik des Be­zirks­kran­ken­hau­ses Lohr und der Ar­bei­ter­wohl­fahrt (Awo), funk­tio­niert.

Das Sozialzentrum wurde 1996 auf dem umgebauten ehemaligen Kasernenareal an der Schweinheimer Straße errichtet. Das Hauptgebäude mit zwei Eingängen in der Siegfried-Rischar-Straße teilen sich seither der sozialpsychiatrische Dienst der Awo, das ebenfalls von der Awo geführte Wohnheim mit 28 Plätzen für psychisch Langzeitkranke sowie drei Einrichtungen des Bezirkskrankenhauses Lohr: Tagesklinik (40 Plätze), Kriseninterventionsstation (acht vollstationäre Betten) und Psychiatrische Institutionsambulanz. Auf dem Campus steht zudem in einem Nebengebäude eine Awo-Tagesstätte für seelisch Kranke.

Was war vor 25 Jahren so einmalig und neu am Sozialzentrum? Anita Rösch, Leiterin des Awo-Wohnheims und seit der Gründung dabei, erinnert sich: »In den Neunziger Jahren waren die Kliniken voll, es gab kaum Alternativen zum stationären Aufenthalt. Eine Durchlässigkeit zwischen Behandlung und beispielsweise Wohnform existierte nicht.« Kevin Streblow, der leitende Oberarzt an der Außenstelle des Klinikum Lohrs, bestätigt: »Das Bezirkskrankenhaus war das einzige Angebot. Niedrigschwellige, ambulante und wohnortnahe Hilfen gab es für akut seelisch Kranke kaum.«

Diese stehen zwar mittlerweile im Sozialzentrum bereit. Doch gleichzeitig werden die niedergelassenen Psychiater in der Region immer weniger und sind laut Streblow "alle übervoll". Auch die Zahl von Notfällen sei deutlich gestiegen. Weitere Gründe: Die Hemmschwelle, zu einem Psychiater zu gehen sei niedriger geworden, auch die Hausärzte überwiesen im Vergleich zu früher öfter an einen Facharzt. Streblow nennt einige Zahlen: Gab es im gesamten Jahr 2009 beispielsweise rund 2300 ambulante Patienten, waren es 2019 bereits 1800 pro Quartal in Aschaffenburg und der Außenstelle in Alzenau.

Die Patientinnen und Patienten am Rosensee kommen mit psychischen Erkrankungen, leiden an Psychosen, Schizophrenie oder Demenz. Nicht behandelt werden Menschen mit reinen Suchterkrankungen. »Wir sind keine Entzugsklinik für Menschen mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit«, betont Streblow, der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist.

Etwa 75 Mitarbeiter hat die Außenstelle des Bezirkskrankenhauses Lohr am Rosensee, darunter Ärzte, Sozialpädagogen, Ergotherapeuten und Pflegepersonal. Stationsleiter ist Bernd Künzinger. Er wird mit seinem Team im kommenden Sommer an den Hasenkopf wechseln: dort entsteht auf dem Gelände des Klinikums Aschaffenburg-Alzenau eine neue Psychiatrie mit 50 Betten, die das Bezirkskrankenhaus Lohr betreiben wird. Der frei werdende Platz am Rosensee wird für den Ausbau der Ambulanz und Tagesklinik genutzt, letztere kann um zehn Plätze aufgestockt werden.

Sämtliche bereits bestehenden Einrichtungen der Awo indes bleiben am Rosensee, wie Nouchka Kruschke, Leiterin des sozialpsychiatrischen Dienstes, erklärt. Auch sie kennt in der Beratungsstelle für seelische und soziale Gesundheit eine steigende Nachfrage. »Ein funktionierendes Netzwerk ermöglicht uns, schnelle und maßgeschneiderte Hilfe zu leisten«, sagt die diplomierte Psychologin. Einzel- und Angehörigenberatung, Hausbesuche, Soziotherapie, Kontakt zu Ärzten und Reha-Einrichtungen, die Unterstützung von Selbsthilfegruppen und vieles mehr gehört zu den Aufgaben des sozialpsychiatrischen Dienstes mit elf Mitarbeitern. Neben dem am Rosensee angesiedelten Wohnheim für psychisch kranke Menschen betreut die Awo aktuell 13 Wohngemeinschaften mit 47 Bewohnern in Aschaffenburg. Weiterer Wohnraum werde gesucht, so Nouchka Kruschke.

Ein mobiles Awo-Einsatzteam unterstützt zudem das Krisennetzwerk Unterfranken (siehe Hintergrund). Die Tagesstätte für seelisch kranke Menschen am Rosensee hat 24 Plätze, auf denen 36 Besucher angemeldet sind. Eine zweite Tagesstätte gibt es in der Badergasse.

Stichwort: Krisennetzwerk Unterfranken

Eine rund um die Uhr besetzte Leitstelle für Menschen in akuten psychischen Krisen und für psychiatrische Notfälle hat der Bezirk Unterfranken vor wenigen Monaten eingerichtet. Auch Angehörige, Mitbetroffene und Fachstellen können am kostenfreien Telefon des Krisennetzwerks Unterfranken mit speziell geschulten und erfahrenen Fachkräften sprechen. Sie vermitteln kurzfristig persönliche Gesprächstermine oder stationäre Behandlung, in dringlichen Fällen gibt es mobile Einsätze vor Ort. Die Leitstelle betreibt der Bezirk, das mobile Einsatzteam vor Ort stellt am Untermain der sozialpsychiatrische Dienst der Arbeiterwohlfahrt. Kostenfreies Krisentelefon 0800/655 3000 www.krisendienste.bayern.de comü

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