»Wenn man sich kennt, ist es einfach«

Integration: Andrea Hefter sorgt beim Stadtjugendring für Vielfalt -Das Brüderschaftsfest ist ein Schwerpunkt ihrer Arbeit

Aschaffenburg
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Mehr zum Thema: Fest Brüderschaft der Völker Aschaffenburg
»Ich verstehe die Belange voll und ganz:« Andrea Hefter ist im Stadtjugendring für Partizipation und Integration zuständig – und für das Brüderschaftsfest.
Foto: Harald Schreiber
Das Brüderschaftsfest macht nicht nur Spaß, sondern auch Arbeit: Gestern haben Mustafa, Hasan, Mehmet, Ralf, Zeliha, Fevzige und Emine (von links) beim Aufbau angepackt. Für Andrea Hefter vom Stadtjugendring laufen die Vorbereitungen schon seit Monaten.
Foto: Björn Friedrich
And­rea Hef­ter ist beim Stadt­ju­gen­dring (SJR) längst nicht mehr nur für die Ar­beit mit Mi­gran­ten und die Or­ga­ni­sa­ti­on des Brü­der­schafts­fests zu­stän­dig, das die­ses Wo­che­n­en­de auf dem Volks­fest­platz ge­fei­ert wird: Seit 2012 heißt das Ar­beits­feld der 38-Jäh­ri­gen »Par­ti­zi­pa­ti­on, In­k­lu­si­on und in­ter­kul­tu­rel­le Ar­beit« (Pia).

Welche Arbeit dahinter tatsächlich steckt und was sich damit in eineinhalb Jahren erreichen lässt, wollte Moni Münch von Andrea Hefter wissen.

Ihre derzeitige Projektstelle im Stadtjugendring heißt »Pia - Partizipation, Inklusion und interkulturelle Arbeit«. Von 2009 bis Ende 2011 hieß ihr Arbeitsfeld noch »Jusmiab - Jugendverbandsarbeit integriert Spätaussiedler und Migranten«. Welche Unterschiede stecken hinter den Namen?
Bei Jusmiab ging es um junge Leute mit Migrationshintergrund. Vereine, die sich für Menschen aus anderen Kulturen öffnen wollten, wussten oft nicht, wie das geht. Ich habe sie unterstützt und dabei viel auf Kooperationen gesetzt - zum Beispiel bei den interkulturellen Kochaktionen. Denn wenn man sich kennt, ist es einfach, miteinander zu arbeiten. Als 2011 die Förderung von Jusmiab auslief, sind wir einen Schritt weiter gegangen. Das oberste Ziel heißt seitdem: gleichberechtigte Teilhabe für alle Kinder und Jugendlichen. Es gibt ja zum Beispiel an den Hauptschulen auch genug deutsche Kinder, die nicht teilhaben können. Die eigentliche Aufgabe ist, die Hürden so zu senken, dass alle teilhaben können. Das hat immer noch oft mit einem Migrationshintergrund zu tun - fängt aber mit der Frage an, ob ein Rollstuhlfahrer die Treppe hochkommt.

Wie hat sich Ihre Arbeit verändert?
Es sind neue Bereiche dazugekommen, vor allem die jugendpolitische Bildung: Veranstaltungen wie die Demografiewerkstatt oder zur Bundestagswahl ein U18-Wahllokal, das wir in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Jugendzentrum und der katholischen Jugend machen. Also Angebote, die Kinder und Jugendliche zu mündigen Bürgern machen sollen. Partizipation ist für uns der Schlüssel zum Glück: Wenn Kinder von Anfang an lernen, ihre Wünsche zu formulieren und sich selbstständig zu engagieren - dann wird es ihnen leichter fallen, ihren Sozialraum mitzugestalten.

Ersetzt das die Abjump Jugendversammlungen in den Stadtteilen?
Es ersetzt sie nicht, es ist eine Weiterentwicklung von Abjump. Es war an der Zeit, etwas Neues zu machen, weil kaum noch Jugendliche zu den Abjump-Versammlungen kamen. Wir machen jetzt eher bedarfsbezogene Teilhabeprojekte, zum Beispiel das Mainufer-Projekt, für das wir unter anderem eine Facebook-Seite betreuen. Obwohl viele Leute Bedenken hatten, dass das funktionieren würde, läuft das wirklich gut. Wir betreuen die Facebook-Seite seit fast eineinhalb Jahren - und es gab noch keinen einzigen Facebook-Kommentar, der beleidigend war. Im Gegenteil: Viele Leute machen sich richtig Gedanken und beteiligen sich konstruktiv an der Debatte.
Nach wie vor organisiert der Stadtjugendring auch das Brüderschaftsfest. Wie war es für Sie, als im vergangenen Jahr fünf türkische Vereine nicht mitgemacht haben, weil die Ditib-Moschee auf dem Fest vertreten war?
Für mich war das eine Katastrophe, auch eine persönliche. Ich verstehe die Belange voll und ganz: dass man Vorbehalte gegenüber einer vielleicht staatlich unterstützten türkischen Gruppe in Deutschland hat, wenn man als Minderheit in der Türkei unterdrückt wird. Aber im Sinne der Integrationsarbeit vor Ort hat kein Weg daran vorbeigeführt, Ditib aufzunehmen. Rückblickend finde ich: Es ist gut, dass der Konflikt öffentlich wurde und auch intensiv bearbeitet wurde. Er hatte ja schon vor 2010 begonnen: Ditib hatte bereits in der Vergangenheit angefragt, beim Fest dabei sein zu können.

Die fünf türkischen Gruppen, die im vergangenen Jahr nicht beim Fest dabei waren, machen in diesem Jahr wieder mit. Wie kam es dazu?
Die Stadt hat den Moderator Winfried Kösters eingeschaltet, der viele Gespräche mit allen betroffenen Gruppen geführt hat. Zusätzlich wurden auch Infoveranstaltungen und Workshops angeboten. Die Gruppen haben eine gemeinsame Erklärung erarbeitet, die am Ende alle unterzeichnet haben..

In diesem Jahr machen gut 120 Gruppen beim Fest mit, vor vier Jahren waren es noch rund 40. Worauf freuen sie sich am meisten?
Es gibt nicht die eine Sache, auf die ich mich am meisten freue - ich finde es gut, dass das Programm so vielfältig ist! Aber ich freue mich zum Beispiel, dass wir neue Teilnehmer gewonnen haben: Neu sind zum Beispiel Gruppen aus Äthiopien und Tansania, oder auch der Verein Regentropfen, den Adoptiveltern und vietnamesische Familien gemeinsam gegründet haben. Ich freue mich aber auch über klassisch deutsche Gruppen wie die Jugendfeuerwehr, die Wanderjugend oder den Karnevalsverein Kakadu. Groß mit dabei ist auch die katholische Jugend, die eine Zukunftswerkstatt auf die Beine stellt. Es ist insgesamt total schön zu sehen, wie viele Leute inzwischen die Botschaft verstanden haben: Diese bunte Vielfalt, die das Fest abbildet - das ist das Aschaffenburg, in dem wir leben.

bMehr zur Arbeit des Stadtjugendrings: www.sjr-aschaffenburg.de

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