Wenn die Nachbargemeinde zur Partnerin wird: Was kommunale Allianzen in der Region schaffen

Überblick , Ziele, Zwischenbilanz

Region
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Viele zusammen schaffen mehr als einer alleine – das ist auch der Gedanke, der hinter einem Zusammenschluss mehrerer Kommunen steht. Sieben Allianzen arbeiten in unserer Region zusammen.
Foto: pixabay
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In der Kommunalen Allianz Westspessart könnte künftig eine kommunale Ziegenherde die Pflege von Streuobstwiesen wie dieser in Sailauf übernehmen. Archiv-Foto: Harald Schreiber
Foto: Harald Schreiber
Pilotprojekt bei der Allianz Kahlgrund-Spessart: Können Kalk & Co. Schlammlawinen und Sturzfluten wie jene beim Starkregenereignis 2017 verhindern? Archiv-Foto: Josef Pömmerl
Foto: Josef Pömmerl
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Insgesamt 40 Betriebe und Geschäfte, von Tankstellen über Friseure bis hin zu Kosmetikerinnen, machen in den fünf Gemeinden der Südspessart-Allianz bei der Gutschein-Aktion mit.
Foto: Lena Batrla (Lena Batrla)
Bei den Ferienspielen, die die Allianz Raum Marktheidenfeld seit 2017 koordiniert, ist auch die Wasserwacht mit im Boot.
Foto: Christina Kuhn (Christina Kuhn, BRK Wasserwacht)
Es gibt jede Menge Allianzen: eine Wald-Allianz, eine Allianz gegen Altersarmut, eine Allianz der freien Künste, eine Allianz für den freien Sonntag und eine Allianz für Klima und Umwelt. Im Unterschied zu den kommunalen Allianzen in unserer Region, tragen sie ihren Zweck bereits im Namen.

Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass manch einer sich fragt: Was genau macht eigentlich die Allianz Südspessart, die Odenwald-Allianz oder die Allianz Raum Marktheidenfeld? Warum wurden sie gegründet und was haben sie bislang erreicht? 

Die Idee hinter einer Allianz: Wir schließen uns zusammen, bündeln unsere Kräfte und nutzen Synergien. Schließlich kann man gemeinsam oft mehr erreichen, als einer alleine. Das gilt auch für Kommunen. Die Bürokratie nimmt ebenso zu, wie die Aufgaben, die Gemeindeverwaltungen stemmen müssen. Gerade kleinere Kommunen können das kaum noch leisten und müssen sich oft auf Pflichtaufgaben beschränken.

Hintergrund: Was ist eine Kommunale Allianz?
Eine Allianz, auch Bündnis oder Pakt, ist laut Wikipedia ein vertraglich geregelter Zusammenschluss von Partnern, die ein bestimmtes gemeinsames Ziel erreichen wollen. Sie können von Personen, Kommunen aber auch von Staaten geschlossen werden. 32 kommunale Allianzen gibt es in Unterfranken, sieben in unserer Region. Unterstützt und finanziell gefördert werden sie durch das Amt für Ländliche Entwicklung Unterfranken.
Die sieben Kommunalen Allianzen in der Region sind:

1. Allianz Kahlgrund-Spessart: Blankenbach, Geiselbach, Kleinkahl, Krombach, Mömbris, Sailauf, Sommerkahl, Schöllkrippen, Westerngrund und Wiesen. www.kahlgrund-spessart.de

2. Allianz Südspessart:
Altenbuch, Collenberg, Dorfprozelten, Faulbach und Stadtprozelten. www.suedspessart.de

3. Odenwald-Allianz: Amorbach, Kirchzell, Laudenbach, Miltenberg, Rüdenau, Schneeberg, Weilbach und Eichenbühl im Kreis Miltenberg.www.odenwald-allianz.de

4. Kommunale Allianz Raum Marktheidenfeld: Rothenfels, Roden, Urspringen, Birkenfeld, Karbach, Hafenlohr, Bischbrunn, Esselbach, Marktheidenfeld, Erlenbach, Schollbrunn, Triefenstein, Hasloch und Kreuzwertheim. www.raum-marktheidenfeld.de

5. Sinngrundallianz: Burgsinn, Obersinn, Aura, Fellen, Mittelsinn und Rieneck im Kreis Main-Spessart. www.sinngrundallianz.de

6. Allianz Westspessart: Bessenbach, Haibach, Laufach, Sailauf und Waldaschaff im Kreis Aschaffenburg. www.wespe.bayern

7. Allianz Spessartkraft: Dammbach, Eschau, Heimbuchenthal, Leidersbach, Mespelbrunn, Mönchberg, Rothenbuch, Röllbach und Weibersbrunn. www.spessartkraft.de


Dabei macht die Kür den Unterschied. Anders ausgedrückt: Wenn Abwasser- und Müll-Beseitigung funktionieren, ist das gut und schön, aber familientaugliche Rundwanderwege, ein Biotop für Angler, eine Bühne für die Vereine im Ort oder ein Treffpunkt für alle Altersgruppen sorgen für Lebensqualität.

Eben diese zu erhalten oder noch zu verbessern ist ein Ziel aller Allianzen. Welche Probleme es konkret gibt und wie sie gelöst werden könnten, das wird meist noch vor der Gründung einer Allianz mit Hilfe eines sogenannten Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) ermittelt, an dem die Bürger mitarbeiten. 

Podcast: Hinter der Recherche
mit Main-Echo-Redakteurin Nina-Anna Beckmann
Hinter der Recherche: Warum sich Main-Echo Redakteurin Nina-Anna Beckmann für Kommunale Allianzen begeistern kann
Quelle: Moni Münch

Manche Themen, wie die Überalterung der Bevölkerung oder die Belebung der Ortskerne beziehungsweise der Kampf gegen den Leerstand haben fast alle Allianzen auf ihrer Agenda. Darüber hinaus haben sie sich in ihrer Arbeit Schwerpunkte gesetzt, je nach örtlicher Lage oder den Bedürfnissen ihrer Bürger – einen kleinen Überblick wollen wir hier liefern. 

Interaktive Übersichtskarte: Welche Kommunalen Allianzen
gibt es  in der Region und was machen sie?

  => Klicken Sie auf die roten Punkte auf der Karte, um mehr zu den einzelnen Allianzen zu erfahren.

Klein, aber oho:
Das Regionalbudget

Mit dem sogenannten Regionalbudget kann jede Allianz Kleinprojekte in ihren Gemeinden fördern, von einer öffentlichen Sonnenliege über einen Barfußpfad und ein für alle ausleihbares E-Lastenrad bis hin zu einer mobilen Bühne.

100.000 Euro stehen jeder Allianz dafür pro Jahr zur Verfügung. Geld, das zu 90 Prozent vom Amt für ländliche Entwicklung Unterfranken gestellt und zu zehn Prozent von den Allianz-Kommunen bezuschusst wird. Um eine Förderung dürfen sich Vereine, Verbände, Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen bewerben. Ein Gremium stimmt ab, welche Projekte gefördert werden. Auch wenn das Projekt maximal 20.000 Euro kosten darf und höchsten 80 Prozent der Nettokosten gefördert werden, die Wirkung ist groß, sagen alle Beteiligten.

Ein Erfolgsprojekt der Sinngrund-Allianz: der Fahrstuhl – ein Mitnahme-Netzwerk, das inzwischen aus über 30 sogenannten Fahrstühlen besteht, die an Hauptverkehrsstraßen im ganzen Sinngrund und darüberhinaus stehen. Archiv-Foto: Gerd Ulherr
Foto: GERD ULHERR
Wenn Allianzen Allianzen schmieden:
Kooperationsprojekt Wald erFahren

Nicht nur Kommunen, auch Allianzen selber können zusammenarbeiten, wie bei dem Projekt Wald erFahren.

Insgesamt fünf Allianzen (Kahlgrund-Spessart, Spessartkraft, Südspessart, Westspessart und seit neuestem die Sinngrundallianz) sowie zwei Lokale Aktionsgruppen und weitere 23 Kommunen aus den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Sepssart und dem hessischen Main-Kinzig-Kreis beteiligen sich an diesem Projekt, das Fahrern von E-Bikes, Pedelecs und anderen Rädern mit elektrischem Antrieb ein Netz aus insgesamt 53 Ladestationen bietet.

Gut sichtbar sind die rund 50 Ladestationen von "Wald erfahren": Sie sind bislang in Gemeinden in den Kreisen Aschaffenburg und Miltenberg zu sehen. Das Netzwerk wächst aber: Demnächst entscheidet Aschaffenburg, ob die Stadt bei "Wald erfahren" mitmacht.
Foto: Petra Reith

Die Idee: Gerade im Spessart mit seinen Steigungen ist ein elektrischer Antrieb von Nutzen und ermöglicht auch weniger sportlichen Menschen die Fortbewegung mit dem Rad. Es soll Radtouristen gleichermaßen dienen wie Menschen, die das Rad für alltägliche Wege nutzen.

Autorin: Nina-Anna Beckmann/Online-Umsetzung: Moni Münch/Online-Grafik: Britta Wittstock

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