Von Liebe, Schmerz und Unendlichkeit

Konzert:Collegium Vocale, Harfenistin Bettina Link und Flötistin Uta Hasenstab-Kießling bieten zu Herzen gehendes im Schönbusch-Saal

Aschaffenburg
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Das Collegium Vocale unter Leitung von Britta Gläser beim Konzert »Come again« im Schönbusch-Festsaal. Foto: Melanie Pollinger
Foto: Melanie Pollinger
»Sehn­sucht ist ei­nes der aus­drucks­stärks­ten Wör­ter der deut­schen Spra­che«, meint Jo­sef Pechtl, Sän­ger im Col­le­gi­um Vo­ka­le.

Der auf hohem Niveau agierende Laienchor hat bei seinem Konzert »Come again« im Park Schönbusch zusammen mit der Harfenistin Bettina Link und Flötistin Uta Hasenstab-Kießling zu Herzen gehend Ausdrucksvolles zum Thema Sehnsucht, Liebe, Trauer, Schmerz und Unendlichkeit geboten.

Begeisterte Bravo-Rufe

Die Zuhörer im ausverkauften Speisesaal hoben sich am Sonntag auf Bitten der Veranstalter den Applaus bis zum Schluss auf und ließen dann ihrer Begeisterung mit Bravorufen und im Stehen klatschend freien Lauf. Als Zugabe wiederholte der von Britta Gläser geleitete Chor das Liebeslied »Come Again« von John Dowland, in dem jugendliche Lebhaftigkeit und zarte Erotik steckt. Die Flötistin und Harfenistin bedankten sich mit dem »Elfenreigen« von Willi Hess.

Mit Romantischem und Virtuosem hatten die Musikerinnen die Chorbeiträge umrahmt. Man meinte, die kleine scheue Nachtigall leidenschaftlich trillern zu hören, als Bettina Link das Solostück »The Nightingale« der amerikanischen Harfenvirtuosin Henson-Conant anstimmte. Mit der bittersüßen sizilianischen Melodie der »Nachtigallen-Serenade« für Flöte und Harfe von Wilhelm Popp zeigte das Duo beachtliches Können. Später beeindruckte es mit »Hijo de la Luna« von Andrés, einer »Habanera« von Ravel, dem verträumt-verrückten »Entr'acte« von Ibert und Rutters Arie aus der »Suite Antique«, die an längst vergangene Zeiten erinnerte.

Über 400 Jahre alt sind die Liebeslieder von Dowland, Thomas Morley und Thoinot Arbeau aus Frankreich. Doch das Collegium Vocale erfüllte »Belle qui riens« und »Now is the Month of Maying« mit bezaubernd frischer Flirterei und koketter Bitte um einen Kuss und mehr.

Gedanken zur Sehnsucht

Mit romantischen Chorsätzen von Brahms - »Rosmarin« und »Waldesnacht« - und Fanny Hensels kindlich staunenden »Lockungen« wurde das Sommerabend-Konzert eröffnet. Chormitglieder trugen eigene Gedanken zum Thema Sehnsucht vor. In der Epoche der Romantik, so ein Beitrag, hätten die von Krieg, Unruhen und Not bedrängten Menschen nach Ruhe, Frieden und Geborgenheit gesucht.

»Der Mond« von Mendelssohn-Bartholdy, »Der Nussbaum« von Schumann und »Am See« von Schubert bringen diese Sehnsucht zum Klingen. Die im Chor mitwirkende Mezzosopranistin Christine Kolb trat als Solistin auf. Sacht begleitet von der Harfe verlieh sie den Kunstliedern natürlich klaren und herzenswarmen Ausdruck.

Volkslied als Glanzlicht

Ein Glanzlicht setzte der Chor mit dem flämischen Volkslied »Es saß ein schneeweiß Vögelein«, das Peter Schindler modern vertont hat. Banges Herzklopfen, Seufzen und verzweifeltes Festhalten am letzten Fünkchen Hoffnung formte der Chor stimmsicher und voller Dynamik.

Dass Sehnsucht auch eine religiöse Dimension hat und »einen Geschmack der Unendlichkeit«, wie Pechtl sagte, zeigte Rheinbergers in geheimnisvollen Klangfarben funkelndes »Abendlied« mit der Bitte der Jünger in Emmaus, »Herr bleib' bei uns!«.

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