Stadtführerin Anne Hundhausen erinnert an starke Frauen in Aschaffenburg

Feministischer März: Von der Äbtissin bis zur Stadträtin

Aschaffenburg
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Stadtführung "Starke Frauen in Aschaffenburg" mit Anne Hundhausen an der Ecke Kleine Metzgergasse/Webergasse. Foto: Melanie Pollinger
Foto: Melanie Pollinger
Wer die ers­te Stadträ­tin, ers­te Bal­lett­meis­te­rin und ers­te Jour­na­lis­tin in Aschaf­fen­burg war, ha­ben die 14 Teil­neh­me­rin­nen und zwei Teil­neh­mer an der Stadt­füh­rung "Star­ke Frau­en" von An­ne Hund­hau­sen am In­ter­na­tio­na­len Frau­en­tag er­fah­ren.

Es waren die 1919 für die Bayerische Volkspartei in den Stadtrat gewählte Emilie Katharina Melchers (1855-1926), die sehr fortschrittlich denkende Tänzerin Grete Pierenkämper (1902-1995) und die Dichterin Auguste Haarländer (1882-1919), die auch für den "Beobachter am Main" berichtete.

Ein Dutzend historischer Persönlichkeiten weiblichen Geschlechts stellte Hundhausen beim eineinhalbstündigen Innenstadt-Rundgang vor. Die Führung - zu der Hundhausen auch einen Kalender gestaltete - war Teil der Veranstaltungsreihe "Feministischer März in Aschaffenburg".

Am Stiftsplatz und am Schloss Johannisburg ging es weit zurück in die Geschichte, zu Luitgard von Sachsen (855-885) und Agnes Pless (1502-1547). Von Königin Luitgard, die von ihrem Mann, König Ludwig III. der Jüngere, den Stiftsberg - damals eine kleine Siedlung im Wald - und den Spessart geschenkt bekam, gibt es nur noch ein verblichenes Fresko aus dem 17. Jahrhundert in der Stiftsbasilika.

Wie Agnes Pless, die Mätresse des Kardinals Albrecht von Brandenburg, ausgesehen haben könnte, zeigt die prächtig gekleidete Frauenfigur auf dem Magdalenen-Altar aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren im Aschaffenburger Stiftsmuseum. Pless stammte aus einer reichen Frankfurter Metzgerfamilie, war Äbtissin und vor allem clevere Geschäftsfrau an der Seite des prunkliebenden Kirchenpotentaten und Luther-Gegners. Nach dessen Tod erstritt Pless sich einen Teil ihres konfiszierten Vermögens wieder zurück.

Den Grundstein für die evangelische Christuskirche legte Bayerns Königin Therese (1792-1854). Denn die Monarchin war evangelisch und blieb es zeitlebens, trotz politischen Disputs vor der Hochzeit mit dem späteren König Ludwig I. Neun Kinder brachte sie zur Welt. Nach Tochter Alexandra ist ein Platz in der Stadt benannt. Stoisch ertrug Therese die Affären ihres Mannes. Die mit Lola Montez führte 1848 zum Thronverzicht.

Als große Kulturförderinnen stellte die Stadtführerin die aus Berlin stammende Schauspielerin Bettina Schad (1921-2002) und die Lehrerin Emilie Brentano (1810-1882) vor. Bettina Schad vermachte Aschaffenburg den Nachlass ihres Mannes Christian Schad. Das Schad-Museum in der Pfaffengasse soll nun endlich am 3. Juni eröffnet werden. Emilie Brentano, die zusammen mit der großen Familie im Brentanohaus an der Ecke Kleine Metzgergasse/Webergasse lebte, hatte großen Anteil an der Veröffentlichung des dichterischen Werks von Clemens Brentano, ihres Schwagers, der in Aschaffenburg starb.

Mit der Ehrenbürgerschaft würdigte die Stadt die großen sozialen Verdienste der Ärztin, Landtagsabgeordneten und Gründerin der Lebenshilfe Schmerlenbach, Marielies Schleicher (1901-1996), Enkeltochter des Papierfabrikanten Philipp Dessauer. Einige Teilnehmerinnen an der Führung erinnerten sich noch gut an Schleicher - und auch an die Wirtin Magda Kitz (1922-1998). Zusammen mit ihrer Mutter eröffnete "die Magda" 1948 die Weinstube in der Treibgasse. Der beliebte Szene-Treff war auch Stammkneipe der Malerin Elisabeth Dering (1921-1997), die ebenfalls zu den starken Aschaffenburger Frauen gehörte. Sie war als freischaffende Künstlerin überörtlich anerkannt und richtete sich ein Atelier in der benachbarten Karlstraße ein.

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