Verfall, Verkauf oder Abbruch? Bürger sollen abstimmen

Wiesener Haus Josuah mit ungewisser Zukunft
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Was soll mit dem Haus Josuah geschehen, fragen sich derzeit die Kirchenverantwortlichen in Wiesen. Das schindelverkleidete, marode Bauwerk (das graue dreiteilige Haus links im Bild) liegt inmitten der historischen Konstellation von Kirche, Schloss, Forsthaus und Rathaus. Es gehört zum Kern der Wiesener Kulturgeschichte.
Foto: Doris Pfaff
Seit ei­nem hal­ben Jahr­zehnt herrscht Gr­a­bes­s­til­le um das Haus Jo­suah. In der neu­en Wie­se­ner Kir­chen­zei­tung, die jetzt erst­ma­lig von Pfar­rer Pa­vel Anish­chyk, der Kir­chen­ver­wal­tung (KV) und dem Pfarr­ge­mein­de­rat her­aus­ge­ge­ben wur­de, ist das Ge­bäu­de in der Dr.-Frank-Stra­ße plötz­lich wie­der im Ge­spräch.
Die Mitchristen der Pfarrgemeinde St. Jakobus werden um ihre Meinung gebeten, was mit dem Haus geschehen soll. »Da die Baulichkeiten marode sind und für eine zukünftige Verwendung keinerlei wirtschaftliche Perspektive gesehen wird, ist es unsere Pflicht, dass wir uns mit dem Thema intensiv befassen«, so die Verantwortlichen. Sie informieren weiter, dass es einen Interessenten gebe und bereits Verkaufsgespräche stattgefunden haben, doch sei das Haus Josuah noch nicht veräußert.
Drei Varianten denkbar
Die KV, zu der neben dem Pfarrer noch Hildebert Steigerwald (Kirchenpfleger), Martin Hartmann (zuständig für Liegenschaften), Willi Kilgenstein (Technik) und Herbert Steigerwald (Kirche allgemein) gehören, nennt indes drei Alternativen. Die erste Variante - »Wir unternehmen nichts und überlassen die Baulichkeiten dem weiteren Verfall« - sei keine Lösung. Die Variante Nummer Zwei - »Wir verhandeln weiter mit dem Interessenten und forcieren den Verkauf« - hätte den Vorteil, dass die Pfarrgemeinde die Verantwortung los habe.
Was dann aus dem Haus und Boden werde, sei nicht zu beeinflussen und der »voraussichtliche Erlös ist nicht umwerfend«, heißt es weiter. Die dritte Variante schlägt einen Abbruch des Hauses vor, der von der Kirchengemeinde, mit eventueller Hilfe der Diözese, zu schultern sei. In diesem Falle bliebe das etwa tausend Quadratmeter große Grundstück »in nicht schlechter Lage« der Kirchengemeinde mit Einfluss auf die Gestaltung des Areals erhalten, das in unmittelbarer Nähe zum Pfarrhaus, der Kirche und dem Kindergarten liegt.
In einem auf der letzten Seite der Kirchenzeitung abgedruckten Fragebogen können die Bürger nun ein Kreuzchen für eine der drei Varianten setzen. Es ist sogar möglich, eigene Vorschläge zu machen. Der Fragebogen soll dann bei den KV-Mitgliedern, in einer Box in der Kirche, bei den örtlichen Banken, in der Bäckerei Büdel oder im Dorfladen abgegeben werden. Ein Datum für die Beschlussfassung zur Zukunft des Hauses wurde nicht genannt. Der schindelverkleidete, dreiteilige Gebäudekomplex mit dem biblischen Namen kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken. Aus mehreren Gebäuden, die aus Schenkungen stammten, machte der sozial engagierte geistliche Rat Friedrich Frank (1832 bis 1904) - Pfarrer in Wiesen von 1873 bis 1894 - im Jahr 1881 ein einziges großes Haus, in dem seine vielen Hilfseinrichtungen gebündelt wurden.
Herberge für Waisenmädchen
Die ehemalige klösterliche Anstalt beherbergte zunächst Waisenmädchen, die hier Unterricht in Handarbeiten, Haushalten und Kochen erhielten.
Bis 1984 fanden später eine Schwesternstation und der örtliche Kindergarten in dem geräumigen Bauwerk ihr Domizil. Danach entwickelte sich das heruntergekommene Anwesen bei Pfarrer Winfried Seifert und dank einer baulichen Finanzspritze aus Würzburg zu einem Selbstversorgerhaus für engagierte Initiativgruppen wie beispielsweise CAJ oder Pax Christi. Zu den Höhepunkten des »Knotenpunktes im Friedensnetz«, wie es das »Public Forum« 1986 nannte, zählte der Besuch des »Friedensbusses« der »Weltkonferenz der Religionen für den Frieden« mit fünfzig Personen aus verschiedenen Nationen und neun Weltreligionen. Kabarettisten wie Urban Priol, Klaus Staab, Norbert Meidhof oder PE Werner hatten Auftritte auf der Kleinkunstbühne im großen Saal.
Die Führung des Hauses oblag dem damaligen Verein »Neuland Shalom.« Das Anliegen, Frieden mit sich selbst, Frieden mit den Nächsten und der Umwelt und Frieden unter den Völkern, blieb auch nach der Vereinsauflösung in 1991 lange Zeit die Maxime der ehrenamtlichen Betreuungsgruppen. Doch die Aktivitäten im Haus Josuah, das inmitten der historischen Konstellation von Kirche, Schloss, Forsthaus und Rathaus zum bedeutenden Kern der Wiesener Kulturgeschichte gehört, ließen zunehmend nach.
In Eigenregie geführte Teilrenovierungen konnten den Abschwung nicht aufhalten. Geld und Ideen für einen sinnvollen Erhalt des Haus Josuah, in dem auch pfarreiliche Veranstaltungen stattfanden, fehlten. Im Herbst vor fünf Jahren schloss die Jugendunterkunft und Bildungstagesstätte mit traurigem Ruhm ihre Pforten.
Doris Pfaff
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