Uschi Liebald ist Referentin für Trauerarbeit bei den Maltesern in Aschaffenburg

Ehrenamt: Schöne und traurige Momente festhalten - Wandergruppe und Trauercafé

Aschaffenburg
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Trau­er über den Ver­lust ei­nes ge­lieb­ten Men­schen: In ei­ner leis­tungs­o­ri­en­tier­ten Welt sei es nicht ein­fach, ge­nug Zeit und Frei­raum für die­sen wich­ti­gen und oft lang­wie­ri­gen Pro­zess zu fin­den, meint Uschi Lie­bald. Seit 2016 be­g­lei­tet sie ster­ben­de und trau­ern­de Men­schen eh­renamt­lich und wur­de vor Kur­zem von den Aschaf­fen­bur­ger Mal­te­sern zur Re­fe­ren­tin für Trau­er­ar­beit be­ru­fen.

Als ehrenamtliche Trauerreferentin ist Liebald Bindeglied zwischen den Hauptamtlichen des Malteser-Hilfsdiensts und dessen 25 ehrenamtlichen Trauerbegleitern in der Stadt und im Landkreis Aschaffenburg. Liebald leitet selbst zwei Trauergruppen und entwickelt Angebote für Trauernde.

Derzeit gibt es eine geschlossene Bachgau-Wandergruppe für Verwitwete zwischen 40 und 65 Jahren, ein Sonntagnachmittags-Trauercafé in Stockstadt und Mömbris, einen Trauerkreis Sternenkinder für Eltern, eine Trauergruppe für Kinder und Jugendliche im Atelier Lichtblick der Glattbacher Stiftung sowie kreative Angebote wie Kränzebinden, Kochen oder Backen in Würzburg. Dieses Jahr sollen neue Projekte hinzukommen.

Liebald wohnt in Dieburg und ist von Beruf Bilanzbuchhalterin. Beim Treffen erzählt die 60-Jährige dem Medienhaus Main-Echo, wie sie zu ihrem Ehrenamt kam, "das mir echt guttut". Als vor zehn Jahren ihr Sohn flügge geworden und ausgezogen sei, habe sie überlegt, was sie zurückgeben könne, "nachdem Gott es gut mit mir und meiner Familie gemeint hat".

Sie habe sich bei den Aschaffenburger Maltesern als Hospizbegleiterin ausbilden lassen und habe sterbende Menschen begleitet. "Hospizarbeit ist sehr wichtig", meint Liebald. 80 ehrenamtliche Hospizbegleiter gebe es derzeit bei den Maltesern. Sie habe dann aber die Trauerbegleitung für sich entdeckt und dafür die zweijährige Ausbildung absolviert. Zwei Tage in der Woche sei sie nun im Einsatz.

"Trauer ist keine Krankheit, sondern eine normale Reaktion auf Verlust und Trennung", erklärt Liebald. In der Regel kämen die meisten Menschen allein damit zurecht. Doch rund zehn Prozent bräuchten Begleitung. Denn wenn Trauer nicht gelebt werde, könne sie krank machen.

Problematisch sei, so die Trauerreferentin, dass zwar zu Beginn eines Trauerfalls Nachbarn, Freunde, Kollegen und Arbeitgeber für den Betroffenen da seien und Rücksicht nähmen. "Doch nach einer gewissen Zeit ist Trauer kein Thema mehr. Sie möchten die Person dann wieder so haben, wie sie war." Am Arbeitsplatz werde wieder Leistung verlangt, in geselliger Runde werde Traurigkeit als anstrengend wahrgenommen.

In einer geschlossenen Gruppe von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen hingegen störe sich keiner an der Trauer des anderen. Liebald erzählt von den Trauerwanderungen im Bachgau, die in den Wintermonaten trotz Corona und bei jedem Wetter stattfanden. "Die Teilnehmer sind froh, dass sie einander haben und sich austauschen können. Sie haben sich sehr schnell angefreundet."

In Heimbuchenthal gebe es eine "Spaziergehgruppe", erzählt Liebald. Sie habe festgestellt, dass die Teilnehmer sich sehr gut gegenseitig unterstützten. "Wir Begleiter geben nur Impulse." Sie zögen sich bewusst zurück, wenn die Wanderer einkehrten.

Zu der seit 2019 bestehenden Gruppe "Trauernde Kinderherzen" in Glattbach gehören zehn Kinder zwischen 9 und 15 Jahren und eine Gruppe für Betreuungspersonen. Diese trifft sich in einem separaten Raum, während die Kinder mit den Trauerbegleitern malen oder basteln.

"Sie dürfen auch mal zornig sein und müssen nicht funktionieren wie in der Schule", sagt die Trauerreferentin. "Kinder trauern anders, und Lehrer sehen das oft nicht." Als nächstes werde ein Lederarmband mit Perlen gestaltet, um an ein Ereignis zu erinnern, das mit dem Verstorbenen verbunden sei. Schöne und traurige Momente sollen darauf festgehalten werden.

Nachgeholt werden soll der im November wegen Corona gestrichene "Kochkurs für Teens" (16 bis 21 Jahre) im Jugendhaus Gunzenbach, sagt Liebald. Sie wünscht sich mehr jüngere Trauerbegleiter im Team, besonders für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Infos beim Malteser Hilfsdienst Aschaffenburg, Tel. 06021/41 61 18, E-Mail hospiz-ab@malteser.org. Im Internet: https://www.malteser-aschaffenburg.de

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