Unterm Grünzeug liegt die Burg

Geschichte:In Mömbris stehen Rodung und Drohnen-Flug an - Vorarbeiten für Grabung - Forschung zum Namen

Mömbris
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Unter diesem Grünzeug versteckt sich die Burg Mömbris: Hermann-Josef Bender und seine Leute vom Verein Kulturlandschaft Kahlgrund wollen sie im nächsten Frühjahr ausgraben. Im August soll die Fläche gerodet werden. Von einem Drohnen-Flug im September verspricht man sich Infos über das mittelalterliche Bauwerk. Foto: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
Ab dem kom­men­den Mo­nat ste­hen beim Ve­r­ein Kul­tur­land­schaft Kahl­grund Vor­ar­bei­ten für die Aus­gra­bung der Burg Möm­b­ris an: Im Au­gust wol­len die Mit­g­lie­der die Burg­fläche ro­den. Im Sep­tem­ber soll ein Fach­mann mit sei­ner Droh­ne Da­ten zur Burg Möm­b­ris lie­fern, so Ve­r­eins-Chef Her­mann-Jo­sef Ben­der. Und:

Geklärt werden soll, wie die Burg richtig heißt.

Im Mai 2019 sollen die Grabungen an der Burg Mömbris beginnen, die unmittelbar östlich vom alten Friedhof mitten im Ort liegt. Der Burgstall (Burgstelle) hat eine Fläche von 25 auf 32 Meter. Damit sei die Burg Mömbris die größte der Burgen rund um den Ort, so Bender. Bereits 2016 habe man für die Grabung einen Vertrag mit der Erbengemeinschaft geschlossen, der das Areal gehört. Damit startet der Verein Kulturlandschaft nach den Arbeiten an der Burgruine Hauenstein in Krombach im Jahr 2017 gleich das nächste Projekt.

Damit die Drohne im Herbst gut arbeiten kann, wird im Sommer an der Mömbriser Burg zunächst gerodet, so Vorsitzender Bender. Der Burghügel werde von Grünzeug und Gebüsch befreit.

Wie bei der Ausgrabung der Ruine Hauenstein arbeite man auch bei der Burg Mömbris mit dem Archäologischen Spessartprojekt (ASP) zusammen, das ein Institut der Uni Würzburg ist, teilt Bender mit. Mittlerweile habe man vom Uni-Institut für Vermessungstechnik auch die Zusage für eine »systematische Überfliegung« mit der Drohe.

Der zuständige Mitarbeiter der Universität sei spezialisiert auf Drohnen-Arbeit an historischen Bodendenkmälern, so Bender weiter. Zusammengefasst geht es darum: Die Drohne soll Informationen sammeln über das Bodenrelief, also über das unter der Erdoberfläche liegende historische Bauwerk.

Umrisse definieren

Dabei werde - durch Bearbeitung der Drohnen-Daten am Rechner - ein räumlicher Eindruck der Höhenunterschiede des Burg-Geländes erzeugt. So will man die Umrisse der Burg definieren. Fachleute sprechen von Schummerung. Der Vereinsvorsitzende rechnet im Winter 2018/2019 mit den Ergebnissen der Drohnen-Flüge.

Laut Bender soll es auf dem Burg-Areal einen Brunnen gegeben haben. »Würden wir ihn finden, wäre das ein archäologisches Fenster«, sagt der 58-Jährige. Das heißt: Generell versprechen sich Archäologen von Brunnen sehr viele Funde, die Aufschluss geben über frühere Zeiten, über die Lebensweise der Menschen.

Und: Auf der Burgseite zum Mömbriser Friedhof hin gibt es ein Kellergewölbe, das nach dem Ersten Weltkrieg noch intakt gewesen sein soll. Dieses Gewölbe, so Bender, sein ein »beliebter Anziehungspunkt für Kinder und Jugendliche« gewesen. Mit der Zeit sei es aber baufällig und damit gefährlich geworden. Deshalb hätten Mömbriser Bürger das Gewölbe in den 1920er-Jahren zum Einsturz gebracht. Bender: »Heute stellt sich die Frage, was hinter dem Gewölbe ist. Geht es dort weiter? Gibt es dahinter Räume?«

»Schloss Memmelriss«?

»Burg Mömbris«, »Schloss Memmelriss«, »Schloss Mömbris«: Mitglieder des Vereins Kulturlandschaft Kahlgrund hätten auf Urkunden in Archiven diese drei Namen für das Mömbriser Bauwerk entdeckt, sagt Vorsitzender Bender. Künftig gehe es auch darum, den richtigen, sprich wichtigsten, Namen herauszufinden. Auch dazu gebe es einen Kontakt zur Würzburger Universität, nämlich zum Institut für fränkische Landesgeschichte.

Ziel des Vereins sei es, dass geklärt wird, woher die verschiedenen Namen auf den Urkunden kommen und welche Urkunde die wichtigste ist. Am Institut gibt es laut Bender eine Spezialistin für Namensgebung von Burgen, die Urkunden und weitere Quellen nach deren Relevanz einordnen könne.

Vielleicht zweite Grabung

An den Arbeiten an der Burg beteiligt sich auch die Gemeinde Mömbris - und zwar finanziell. Nach Angaben von Bürgermeister Felix Wissel (parteilos) sind im aktuellen Haushalt 5000 Euro für die Planung der Grabung vorgesehen. Der Mömbriser Finanzplan sehe vor, im Etat 2019 dann 75 000 Euro bereit zu stellen.

Die Grabungen im kommenden Jahr sollen laut Bender drei Monate dauern. Wenn die Funde entsprechend vielversprechend sind, kann er sich vorstellen, dass eine zweite Grabungskampagne folgt. Das aber frühestens im Jahr 2021.

MATTHIAS SCHWIND
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