Umfrage: "Man kann einiges tun, um nachhaltig zu leben"

Die Stadt Aschaffenburg bekommt den Nachhaltigkeitspreis, aber ist das Thema auch bei den Menschen angekommen?

Aschaffenburg
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Mehr zum Thema: Nachhaltigkeitspreis für Aschaffenburg
Straßenumfrage in Aschaffenburg
Straßenumfrage in Aschaffenburg: Tatjana Schönwiese interviewt Hiltrud Göttmann.
Foto: Moni Münch
Müll tren­nen, Plas­tik ver­mei­den, aufs Au­to ver­zich­ten - Nach­hal­tig­keit hat vie­le Fa­cet­ten. Mit et­li­chen die­ser Fa­cet­ten kann die Stadt Aschaf­fen­burg glän­zen, des­halb hat sie An­fang Au­gust den Deut­schen Nach­hal­tig­keit­s­preis ge­won­nen (sie­he: »Hin­ter­grund«). Doch wie nach­hal­tig le­ben die Men­schen in der Stadt? Das ha­ben wir Pas­san­ten in der Aschaf­fen­bur­ger Fuß­g­än­ger­zo­ne ge­fragt.

Straßenumfrage: Wie nachhaltig leben Sie?
Quelle: Moni Münch

Gisela Zeillinger, Rentnerin aus Aschaffenburg: »Mülltrennung ist für mich selbstverständlich. Salatgurken gibt es bei uns inzwischen nicht mehr eingeschweißt. Das Problem ist das andere, abgepackte Obst. Man müsste ein Netz dafür mitnehmen. Ansonsten versuche ich, nichts auf die Straße zu schmeißen, Zigaretten rauchen wir nicht.

Gisela Zeillinger
Foto: Tatjana Schönwiese

Fredi Boots, 73, pensionierter Oberstudienrat aus Babenhausen: »Ich lebe nicht mehr und nicht weniger nachhaltig als andere. Man bemüht sich, nicht so viel wegzuwerfen. Wiederverwendbare Taschen verwenden wir schon lange. Auf ein Auto zu verzichten ist für mich nicht ohne Weiteres möglich. Ich möchte mir keinen Katalog zurechtlegen und mich für den Weltverbesserer halten. Greta Thunberg ist nicht das Maß aller Dinge. Ich bin dagegen, dass Benzin stärker besteuert wird, da das keine nachhaltige Wirkung hat.«

Fredi Boots
Foto: Tatjana Schönwiese

Peter Maisa, 41, Historiker in Elternzeit aus Aschaffenburg: »Ich lebe insofern nachhaltig, als dass ich kein Auto habe. Alle Strecken fahre ich mit dem Rad oder gehe zu Fuß. Ich versuche, mich gesund und frisch zu ernähren und einzukaufen. Wir versuchen auch unseren Kindern zu vermitteln, dass die Welt mehr ist als Fertigpizza, Fernsehen und durch die Welt fliegen.«

Peter Maisa
Foto: Tatjana Schönwiese

Daniel Kohl, 25, Krankenpfleger aus Aschaffenburg: »Ich ernähre mich zu 90 Prozent vegan. Es ärgert mich, dass es vor allem bei Lebensmitteln umständlich ist, auf Plastik zu verzichten. Vegane Ernährung ist für mich nachhaltig, da sie sehr viel ökologischer ist. Nachhaltig zu leben ist mir wichtig, da es ein Handlungsprinzip ist, das man auf viele Bereiche anwenden kann - nicht nur auf die Ernährung, sondern auch auf den Umgang miteinander. Wenn ich egoistisch durchs Leben gehe, habe ich nicht viel davon. Es ist mir sehr wichtig, dass die Menschheit in 100 Jahren noch leben kann.«

Daniel Kohl
Foto: Tatjana Schönwiese

David Werner, 29, Student für Kunststoff- und Elastomertechnik aus Würzburg: »Auf einer Skala von eins bis zehn lebe ich, was Nachhaltigkeit betrifft, auf einer 6. Ich versuche, nichts zu verschwenden und rohstoffgerecht zu leben. Recycling und Mülltrennung sind mir wichtig. Auf meinen Fleischkonsum achte ich auch. Ich denke aber, dass derzeit in Sachen Nachhaltigkeit auch viel Falschinformation kursiert. Die Politik sollte die Bürger nicht in etwas reindrängen, sondern sie eher motivieren und aufklären, damit sie von sich aus etwas ändern.«

David Werner
Foto: Tatjana Schönwiese

Hiltrud Göttmann, 64 Jahre alt, Rentnerin aus Schaafheim: »Um nachhaltig zu leben, fahre ich alle Strecken mit dem Rad, ein Auto besitze ich nicht. Ich achte darauf, regional einzukaufen und kleine Geschäfte zu unterstützen. Auf Plastikkonsum achte ich bei Obst und Wurst. Oft macht man sich keine Gedanken über Nachhaltigkeit, aber Vieles lässt sich relativ einfach reduzieren, wenn jeder ein bisschen für sich selbst schaut.«

Hiltrud Göttmann
Foto: Tatjana Schönwiese

Tanja Eff, 51, Gastwirtin aus Wenighösbach: »Man kann einiges tun, um nachhaltig zu leben. Um auf Verpackungen zu verzichten, gehe ich zum Beispiel gerne in den Unverpacktladen. Ansonsten: auf Plastikflaschen verzichten und auf Glasbehälter umstellen, auch bei Milch und Joghurt.

Tanja Eff
Foto: Tatjana Schönwiese

Vesna Opalla, kaufmännische Angestellte aus Aschaffenburg: »Ich bin Marktgängerin und nehme dann immer meine wiederverwendbare Tasche von zu Hause mit. So versuche ich, auf Plastik zu verzichten.«

Vesna Opalla
Foto: Tatjana Schönwiese

Can Deniz, 28, Bürokaufmann: »Ich tue wenig, um Müll zu vermeiden. Ich verwende Tüten zum Einkaufen wieder, aber mehr nicht. Aber mich stört, wenn alles doppelt und dreifach in Plastik eingepackt ist.«

Can Deniz
Foto: Moni Münch

Claudia Cybulski, 31, im Öffentlichen Dienst tätig, aus Aschaffenburg: »Für Obst und Gemüse haben wir unsere eigenen Beutel und auch für Wurst bringen wir unsere eigenen Behälter zum Einkaufen mit. Auf Mülltrennung legen wir großen Wert.«

Claudia Cybulski
Foto: Tatjana Schönwiese
Hintergrund: Nachhaltigkeitspreis für Stadt Aschaffenburg

Aschaf­fen­burg er­hält den Deut­schen Nach­hal­tig­keit­s­preis 2020 für Mit­tel­städ­te. Die Stadt erhält ei­ne För­der­sum­me von 30.000 Eu­ro für Pro­jek­te zur nach­hal­ti­gen Stadt­ent­wick­lung von der Al­lianz Um­welt­s­tif­tung.

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist die größte Auszeichnung dieser Art in Europa. Er wird seit 2008 in vier Kategorien verliehen: Kommunen, Unternehmen, Forschung und Architektur (nachhaltiges Bauen).

Laut der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. habe das Thema Nachhaltigkeit in Aschaffenburg lange Tradition. 1995 ist Aschaffenburg in den Agenda-21-Prozess eingestiegen. Seit 2000 bindet die Stadt über den Agenda-21-Beirat Bürger und Vereine in die nachhaltige Entwicklung ein. Des Weiteren habe in der Stadt Aschaffenburg das Thema Integration einen besonderen Stellenwert. Demnach weise ein Viertel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund auf. 2007 entwarf die Stadt ein Integrationsleitbild und unterstützt die Integration von Zuwanderern etwa mit Sprach- und Kulturvermittlern. Auch in den Bereichen Soziales und Umwelt sei die Stadt aktiv: Die Verwaltung unterstütze insbesondere neue Wohnformen, die den Schwerpunkt auf gemeinschaftliches Bauen und Wohnen setzen. Zum Schutz der Biodiversität werden beim Öko-Projekt "Schlaraffenburger" traditionelle Streuobstwiesen revitalisiert und gepflegt, so die Jury. Mit dem Biomasseheizkraftwerks und dem Ausbau des Fernwärmenetzes wurden die Ziele der Energieeinsparung und des Umstieges der Wärmeversorgung von bisher fossilen Energien auf regenerative Energieträger erfolgreich umgesetzt.

Die Preisverleihung vor Ort ist am 11. Oktober. Die zentrale Feier mit Galaabend ist am 22. November in Düsseldorf.

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