Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer informiert sich über das Radeln in Aschaffenburg

Vor Ort ein Bild gemacht

Aschaffenburg
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Rücksichtnahme ist wichtig: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (mit grünem Anorak) in der Aschaffenburger Miteinanderzone. Foto: Peter Freudenberger
Foto: Peter Freudenberger
Hat sich vor Ort ein Bild von der Aschaffenburger Lösung gemacht: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) informiert sich im Rathaus-Sitzungssaal über das Thema Fahrradfahren in Fußgängerzonen. Hauptbotschaft: Entscheidend für den Erfolg ist das Miteinander. Foto: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
Die Stadt Tü­bin­gen will das Fahr­rad­fah­ren in der Fuß­g­än­ger­zo­ne er­lau­ben. In Aschaf­fen­burg, wo das seit 2012 der Fall ist, hat sich der Tü­bin­ger Ober­bür­ger­meis­ter Bo­ris Pal­mer am Di­ens­tag er­kun­digt und an­ge­schaut, was da zu be­ach­ten ist.

Die Probleme gleichen sich, berichtete Palmer, Grünen-Politiker und bekennender Radler: Wie in Aschaffenburg gebe es in Tübingen keine sichere Radweg-Umfahrung der Fußgängerzone. Der Test, einen 200 Meter langen Abschnitt der Fußgängerzone in der baden-württembergischen Stadt für Radler zu öffnen, habe jedoch zu großen Diskussionen geführt.

Rücksicht üben

So nahm Palmer vor allem eine Botschaft aus Aschaffenburg mit: Fußgängerzonen für Radverkehr freizugeben, gelinge nur im Miteinander, machte Oberbürgermeister Klaus Herzog deutlich. Dass Fußgänger und Radler gut miteinander auskommen und Rücksicht üben, wenn sie sich die Verkehrsfläche teilen, sei nur ein Aspekt dieses Miteinanders.

Daneben habe Aschaffenburg den politischen Konsens gesucht, die Polizei und die betroffenen Interessengruppen einbezogen. Die Neuregelung war zudem in eine Öffentlichkeitskampagne eingebettet, die von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen ausgezeichnet wurde, ergänzte der Planungsamtsleiter, Dirk Kleinerüschkamp.

An dieses Miteinander müsse regelmäßig erinnert werden, verwies Kleinerüschkamp auf die aktuelle Entwicklung: In Aschaffenburg wachse derzeit sowohl die Zahl der Radler als auch die Kritik an Radlern in der Fußgängerzone. Damit die Stimmungslage nicht kippe, bleibe die Zusammenarbeit des städtischen Ordnungsamts mit der Polizei wichtig.

Objektiv wenig Verstöße

Der Aschaffenburger Polizeichef Bruno Bozem bestätigte das. Weil sich Klagen über rücksichtslose Radler in sozialen Netzwerken und Leserbriefen gehäuft hätten, nähmen Ordnungsamt und Polizei jetzt Kontrollen vor. Allerdings habe es bisher nur zwei Bußgeld-Verwarnungen gegen Radler gegeben - und seit der Freigabe der Fußgängerzone nur einen einzigen Unfall.

Bozem bekräftigte daher: Aus dem Blickwinkel der Sicherheit gebe es keinen Grund, die Freigabe der Aschaffenburger Fußgängerzone für Radler zurückzunehmen. Auch die Politik hält daran fest, jedenfalls gab es von den Stadträten der CSU, SPD, Grünen und FDP beim Treffen mit Palmer keinen Widerspruch.

Zudem habe sich an der Ausgangslage wenig geändert, wie Manfred Röllinghoff vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Aschaffenburg-Miltenberg hinzufügte: Nach wie vor gebe es für Radler keine sichere Umfahrung der Fußgängerzone, schon gar nicht für Senioren und Kinder. Als die Eltern-Initiative Familienfreundliches Radeln (Farad) die Diskussion über die Fußgängerzone ins Rollen brachte, hätten die Stadträte das bei Testrunden selbst erfahren.

Die Lücken im Radwegenetz zu schließen, bleibe deshalb ein Anliegen der Stadt. Die Handschrift des neuen Radverkehrsbeauftragten Jörn Büttner werde bereits sichtbar. Auch deshalb steige die Zahl der Radler in Aschaffenburg, vermutet Kleinerüschkamp: 2012 habe der Anteil des Radverkehrs in Aschaffenburg bei nur 13 Prozent gelegen. Das Ziel seien 20 Prozent bis 2022.

Deutlich mehr Radler

Da ist Tübingen weiter: Schon jetzt werden ein Viertel aller Wege dort mit dem Fahrrad zurückgelegt. Auch der Anteil des Autoverkehrs, der in Aschaffenburg klar überwiegt, mache dort nur etwa 25 Prozent aus. Palmer führte das auf die große Zahl der Studierenden in der 90 000-Einwohner-Stadt zurück. Und anders als in Aschaffenburg bekämen die Studierenden in Tübingen auch keine kostenlosen Parkhäuser gebaut, warf der Aschaffenburger Grünen-Stadtrat Stefan Wagener ein.

Dass Radler, die sich in der Fußgängerzone nicht an die Schrittgeschwindigkeit halten, ohne Messgerät verwarnt werden können - das war für Palmer und sein Team aus Verwaltung und Stadtrat ein interessanter Aspekt. Ebenso die Einbindung der Politik, denn die Stadtverwaltung könnte die Spielregeln auch allein festlegen. Mitnehmen konnte er freilich auch: Diskussionen wird es trotz aller Bemühungen ums Miteinander geben.

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