Szenen einer Reisebeziehung

Abart-Theater: Heinz Kirchners »Amilo« auf der Bühne 2 des Aschaffenburger Stadttheaters - Premiere am Samstag

Aschaffenburg
2 Min.

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Reisebekanntschaften: Sabine Grant-Siedel und Albrecht Sylla sind die Hauptdarsteller von Heinz Kirchners neuem Theaterstück »Amilo – Alte Männer in lächerlichen Outfits«, das am Samstag Premiere auf der Bühne 2 im Stadttheater hat.
Foto: Mike Lörler
Die zwi­schen­men­sch­li­chen Pro­zes­se, die der Aschaf­fen­bur­ger Au­tor und Re­gis­seur Heinz Kirch­ner bei ei­ner Grup­pen­rei­se ins Bal­ti­kum im Jahr 2010 be­o­b­ach­tet hat, sind die Grund­la­ge sei­nes neu­en Thea­ter­stücks »Ami­lo«. Am Sams­tag fei­ert die 15. Pro­duk­ti­on von Kirch­ners Ab­art-Thea­ter auf der Büh­ne 2 des Aschaf­fen­bur­ger Stadt­thea­ters Pre­mie­re.
Es ist eine sehr schwarze Komödie geworden, räumt Kirchner ein. »Amilo« steht für »Alte Männer in lächerlichen Outfits« - ein Thema, das Kirchner schon länger beschäftigt.
Lächerliche Outfits, das sind für Kirchners Protagonist »alte Männer in pinkfarbenen Polohemden und halblangen Caprihosen« - mit dazu passenden Turnschuhen, versteht sich. Wie der von Albrecht Sylla gespielte Hubert hat sich auch Kirchner schon mit dem Gedanken getragen, Ältere in betont jugendlichen Klamotten mit der Fotokamera festzuhalten.
Destillat aus vielen Personen
In »Amilo« trifft Hubert auf Helene, die von Sabine Grant-Siedel gespielt wird. Beide Figuren sind Destillate aus Gesprächen und Verhaltensweisen, Schrullen und Eigenheiten, die Kirchner während seiner Baltikum-Tour bei seinen Mitreisenden beobachtet hat. Die Protagonisten in »Amilo« sind Personen, die mit Einschränkungen zu leben gelernt haben. Hubert litt lange unter einem einem Sprachfehler, Helene hat ein körperliches Handicap.
Wie Hubert und Helene sich aufeinander zubewegen, das zeigt Kirchner in den elf Szenen seines Stücks. Dabei verzichtet er auf einen Dialog im herkömmlichen Sinn: »Die beiden reden permanent aneinander vorbei«, erläutert der Regisseur. »Es sind eigentlich zwei Monologe.«
Einen zusätzlichen Dreh bekommt »Amilo« durch die Nähe zum Wort Amelotatismus - »Amelo« bezeichnet Personen mit einer Vorliebe für Menschen, denen ein Körperteil fehlt. Ein Verweis auf das Handicap Helenes.
Das etwa 80-minütige »Amilo« ist das 15. Projekt, das Kirchners seit zehn Jahren bestehendes Abart-Theater verwirklicht - und eine der zwölf Uhraufführungen in dieser Zeit. Wie »Burkersdorph - ein Mörder« aus dem Jahr 2009 ist auch das »Amilo« ein sehr reduziertes Stück.
Sowohl was die Zahl der Akteure als auch das Bühnenbild angeht. Dieses besteht aus einem Podest mit Stühlen. Im Mittelpunkt soll die Sprache stehen.
Auch Musik setzt Kirchner ein, um die Befindlichkeit seiner Protaginsten zu veranschaulichen. Neben Songs der Art-Pop-Formation Goldfrapp hat der Regisseur Kompositionen der Young Marble Giants, von The XX und finnische Tangomusik von Kari Kuuva ausgewählt.
Musik wird auch im nächsten Projekt des Abart-Theaters eine Rolle spielen. Das legt schon der Titel »Britpop/Feincord - dunkelblau« nah. Die Uraufführung des Stücks aus eigener Feder plant Kirchner in der nächsten Spielzeit. Alexander Bruchlos
Radio-Feature über das Abart-Theater in der Kulturwelt in BR 2 am Donnerstag von 8.30 bis 9 Uhr.
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