Startschuss für den ersten integrativen Kindergarten in Mömbris

Spatenstich: Erst ein Provisorium, danach Umzug in die Turnhalle Strötzbach

Mömbris
3 Min.

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Foto: Michael Hofmann
Mit dem of­fi­zi­el­len Spa­ten­stich ging am Mon­tag der Bau des ers­ten Strötz­ba­cher Kin­der­gar­tens los. Zu­nächst soll dort in Con­tai­nern ei­ne pro­vi­so­ri­sche Kin­der­ta­ges­stät­te ent­ste­hen, be­vor die ste­cken ge­b­lie­be­ne Hal­le des auf­ge­lös­ten Turn­ve­r­eins zu ei­nem rich­ti­gen Kin­der­gar­ten um­ge­wan­delt wird. Das Be­son­de­re da­ran: Die Le­bens­hil­fe Aschaf­fen­burg wird die Ein­rich­tung als in­te­g­ra­ti­ven Kin­der­gar­ten be­t­rei­ben.

Diesmal war der Spatenstich wirklich nur symbolisch: Denn viel gebaut wird noch nicht auf dem Gelände vor der Halle des Turnvereins Strötzbach. Wenn die Firma EHT Schott in den nächsten Wochen mit ihren Baggern anrückt, geht es vor allem um den Bau eines Fundamentes für Container, in denen ein behelfsmäßiger Kindergarten eingerichtet werden soll. Außerdem sind Leitungen für Strom, Wasser und Abwasser zu legen.

Beim Spatenstich am Montag um 14 Uhr hoffte Bürgermeister Felix Wissel (parteilos), dass die Container im April oder Mai angeliefert werden können. Dann müssten sie noch grundgereinigt und mit Mobiliar versehen werden, bevor die Einweihung und Inbetriebnahme folge. Auch wenn es sich nur um ein Provisorium handele, habe der Markt Mömbris beim Landratsamt einen offiziellen Bauantrag stellen und alle Formalien einhalten müssen, so Wissel.

Damit sich auch das Wasserwirtschaftsamt mit dem Container-Kindergarten einverstanden erklärt, sei der Standort in einen Bereich verlegt worden, der nicht mehr im Hochwasserbereich der Kahl liege und außerdem einen Abstand von 60 Metern zum Fluss einhalte.

Mit dem Provisorium soll der akute Mangel an Kinderbetreuungsplätzen im Markt Mömbris verringert werden.

Wie sich die Situation seit seinem Amtsantritt vor zwölf Jahren geändert habe, machte Wissel eindrucksvoll deutlich: 2008 habe man im Gemeinderat noch darüber diskutiert, welche Kindergärten man erhalten wolle und welche man schließen müsse: »Es gab zu wenig Kinder in den Einrichtungen.« Das habe sich »rasant gewandelt«, so Wissel. Zum einen gebe es mehr Kinder, zum anderen längere Buchungszeiten: »Das hat uns zunächst gefreut.« Mittlerweile sei man aber an einem kritischen Punkt angekommen und könne nicht mehr alle Kinder unterbringen - was für eine moderne Gemeinde aber Grundvoraussetzung sei. Deshalb habe der Gemeinderat entschieden: Aus der Halle, die die Gemeinde vom aufgelösten Turnverein Strötzbach geerbt hat, soll ein neuer Kindergarten werden.

Bis die Halle aber entsprechend umgebaut ist, sollen die Kinder im Container vor der Halle unterkommen. Dabei geht der Markt Mömbris neue Wege. Als Betreiber hat die Kommune die Lebenshilfe Aschaffenburg gewonnen, die darin einen integrativen Kindergarten einrichten wird. Das Interesse der Bevölkerung daran sei »sehr, sehr groß«, meinte Wissel.

Die Gruppen würden so gestaltet, dass dort Kinder mit und ohne Handicap zusammen betreut werden, »damit man sich kennenlernt und es von frühester Kindheit an keine Vorurteile gibt«. Am Beispiel des integrativen Kindergartens Alzenau habe er selbst erlebt, wie gut das Konzept funktioniere, erzählte der Rathauschef. Dorthin sei ein schwerhöriges Kind aus Mömbris gegangen, sei sehr gut betreut worden und habe seine Defizite aufgeholt.

Parallel zur Aufrichtung des Container-Kindergartens laufen die Planungen zum Bau des »richtigen« Kindergartens in der ehemaligen, nie fertig gewordenen Turnhalle. Dabei gebe es aber noch »eine ganze Palette an Hürden«, so Wissel. Zum einen müsse der Bebauungsplan geändert werden, zum anderen müsse ein Planer gefunden werden - wobei die Suche möglicherweise sogar europaweit ausgeschrieben werden müsse.

Für das Vertrauen des Marktes in die Lebenshilfe bedankte sich deren Vorstandsmitglied Hubert Volland. Er hoffe auf eine »gute und fruchtbare Zusammenarbeit«. Mit dabei war auch Anja Skalitz: Sie leitet derzeit noch die integrative Kindertagesstätte in Alzenau, wird aber nach Strötzbach wechseln und dort den neuen Kindergarten leiten.

Hintergrund

ZLE: Stichwort: Integrativer Kindergarten

In einem integrativen Kindergarten werden Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam betreut. Der Verein Lebenshilfe Aschaffenburg unterhält solche Einrichtungen bereits in Alzenau und Aschaffenburg. Anders als bei konventionellen Kindergärten sind in einem integrativen Kindergarten bei den über Dreijährigen nur 15 statt 25 Kinder in einer Gruppe. Davon sind fünf Plätze für Kinder mit einer Behinderung vorgesehen. In einer Krippengruppe, also den Kindern unter drei Jahren, wären nur neun statt der üblichen zwölf Kinder, drei Plätze davon für Kinder mit Behinderung. Allerdings gibt es nach Angaben der Lebenshilfe bislang weder im Landkreis noch in der Stadt Aschaffenburg eine integrative Krippengruppe. Wenn in Strötzbach eine solche eingerichtet würde, wäre das also die erste in der Region. Derzeit prüfe man, ob es genügend Kinder für eine solche Kleinkindgruppe gebe, erklärte Jörg Veith, der kaufmännische Leiter der Lebenshilfe. Außer der geringeren Gruppengröße zeichnet sich ein integrativer Kindergarten auch durch eine zusätzliche pädagogische Kraft aus. In Absprache mit dem Markt Mömbris ist auch geregelt, welche Kinder den integrativen Kindergarten besuchen können: Vorrangig Kinder aus dem Markt Mömbris, danach Kinder aus der kommunalen Allianz Kahlgrund/Spessart und aus Alzenau. Wenn dann noch Plätze frei sind, können auch Kinder aus anderen Kommunen zum Zuge kommen. mgh

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