Rund 700 Teilnehmer bei Maikundgebung in Aschaffenburg

Gewerkschafter prangert Tarifflucht an

Aschaffenburg
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Rund 700 Teilnehmer sind am Mittwoch zur Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds auf dem Aschaffenburger Theaterplatz gekommen. Foto: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich
Der Vor­sit­zen­de des DGB-Kreis­ver­ban­des Aschaf­fen­burg-Mil­ten­berg, Björn Wort­mann, hat auf der Maikund­ge­bung in Aschaf­fen­burg da­zu auf­ge­ru­fen, Eu­ro­pa nicht den Na­tio­na­lis­ten und Rechts­po­pu­lis­ten zu über­las­sen. Auf dem Thea­ter­platz for­der­te er, bei den Wah­len am 26. Mai de­mo­k­ra­ti­sche und pro­eu­ro­päi­sche Kräf­te zu stär­ken.

Die Gewerkschaften stünden fest zum vereinigten Europa, aber nicht unreflektiert. Wortmann prangerte vor allem neoliberale Wirtschaftspolitik und die in vielen Staaten umgesetzte Sanierung der Staatshaushalte mit einem »strikten Spardiktat« an. »Das müssen immer die Menschen bezahlen.« Rund 700 Teilnehmer hatten der Demonstrationszug durch die Stadt und die Kundgebung. Wortmann: »Das sind etwa so viele wie im letzten Jahr. Damit sind wir sehr zufrieden.«

Besondere Grüße richtete er an die Beschäftigten des Autozulieferers Joyson und des Kaufhauses Galeria Kaufhof. »Kämpft für eure Arbeitsplätze«, forderte er sie auf. Bei dem Lenkradwerk sind 500 Jobs in Gefahr und auch der neue Eigentümer des Handelskonzerns plane einen Stellenabbau. In seiner Rede widmete Wortmann große Passagen der Tarifbindung. In Unterfranken hätten nur noch 44 Prozent der Beschäftigten Schutz durch Tarifverträge. »Nirgends in Westdeutschland ist die Tarifbindung so gering wie hier bei uns.« Die Arbeitgeber begingen eine »skandalöse Tarifflucht«.

»Arbeiter anständig bezahlen«

Für den Gewerkschafter hat der Kampf um mehr Tarifbindung »oberste Priorität« - nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. »Sie ist mitverantwortlich für einen stärkeren gesellschaftlichen Zusammenhalt.« Daher sprach er sich dafür aus, dass Aufträge der öffentlichen Hand nur an Unternehmen mit Tarifverträgen gehen dürften. Und den Klagen der Arbeitgeber über Fachkräftemangel setzte er entgegen: »Kehrt zurück in die Tarifverträge und bezahlt eure Mitarbeiter anständig.«

Einen zweiten Schwerpunkt der DGB-Arbeit sieht Björn Wortmann im Einsatz für ein »gesetzliches Rentenniveau, das allen im Alter ein Leben in Würde garantiert.« Daher unterstütze die Gewerkschaft vorbehaltlos das Gesetz des Bundesarbeitsministers zur Grundrente. »Die durchschnittliche Rente für eine Frau in Unterfranken beträgt 632 Euro«, nannte er als Beispiel.

Scharfe Kritik

Scharfe Kritik übte Wortmann an der bayerischen Staatsregierung. Sowohl für die im Wirtschaftsministerium geplanten Änderungen am Arbeitszeitgesetz wie auch zu vermehrten Sonntagsöffnungen kündigte er den entschiedenen Widerstand des DGB an. »Hände weg von diesen Gesetzen.«

Rouven Zahn von der IG-Metall-Jugend forderte angesichts des Wandels in der Arbeitswelt eine Novellierung des in die Jahre gekommenen Berufsbildungsgesetzes. Während die Anforderungen an die Ausbildungsberufe immer weiter steige, stagniere die Schulbildung. Außerdem prangerte er die prekären Arbeitsverhältnisse an. Mehr als 60 Prozent der unter 30-jährigen seien so beschäftigt. Damit hätte sie schlechte Chancen auf eine gesicherte Zukunft.

Herzliche Worte richtete Wortmann an Aschaffenburgs Oberbürgermeister Klaus Herzog nach dessen Grußwort, das letzte in seiner Amtszeit. Am 1. Mai 2020 sei bereits der Nachfolger oder die Nachfolgerin im Amt. Wortmann äußerte den Wunsch, dass auch der neue Rathauschef regelmäßig zur Maikundgebung komme.

Hintergrund: Stimmen zur Maikundgebung in Aschaffenburg

Herbert Kaup, Aschaffenburg: »Ich gehe schon seit über 40 Jahren zur Maikundgebung. Hier können die Arbeitnehmer nach wie vor nachhaltig auf ihre Rechte aufmerksam machen und anprangern, was politisch falsch läuft. Für mich ist es eine Verpflichtung, dabei zu sein. Es ist ein klares Signal, dass die Gewerkschaften Zukunft gestalten wollen. Die Stimmungen in all den Jahren haben stets gewechselt, waren auch schon mal aggressiver. Das hat sich gewandelt. Heute war es eine sehr gelungene Veranstaltung.«

Anna Kroll, Schweinfurt: »Für mich als DGB-Jugendsekretärin ist der 1. Mai einer der wichtigsten Tage. Ich stehe voll dahinter. Dieser Tag ist wichtiger denn je. Wir gehen auf die Straße, um uns zu zeigen und unsere Forderungen deutlich zu machen. Die Beteiligung der Jungen hier in Aschaffenburg ist Bombe. Es könnten aber noch ein paar Schüler mehr dabei sein. Die Rede von Rouven Zahn war klasse. Für die jungen Gewerkschafter ist der 1. Mai die Gelegenheit, um zu zeigen, was sie alles drauf haben.« (Text/Fotos: )

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