"Prägende Figur" verlässt Lebenshilfe Aschaffenburg

Soziales: Fachlicher Leiter Bernhard Germer geht in den Ruhestand - Für integrative Kindertagesstätten stark gemacht

Aschaffenburg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Bernhard Germer, Fachlicher Leiter der Lebenshilfe Aschaffenburg, geht nach mehr als 30 Jahren in den Ruhestand.
Foto: Stefan Gregor
Michael Stoll übernimmt die fachliche Leitung der Lebenshilfe Aschaffenburg. Am 1. Juni tritt der 46-Jährige den neuen Posten an.
Foto: Stefan Gregor
Wenn Bern­hard Ger­mer an die­sem Don­ners­tag, 20. Ju­ni, zum letz­ten Mal sein Büro im Le­bens­hil­fe-Haus in Aschaf­fen­burg ab­sch­ließt, sind ein la­chen­des und ein wei­nen­des Au­ge da­bei. "Ich kann gut ge­hen", sagt der fach­li­che Lei­ter des Ver­bands, der 31 Jah­re hier tä­tig war. "Das war mehr als ein Be­ruf. Ich konn­te et­was be­wir­ken." Trotz­dem freue er sich dar­auf, im Ru­he­stand "nicht mehr stän­dig un­ter Hoch­span­nung" zu ste­hen.

Auf der Suche nach dem, was Germer bewirkt hat, fallen vor allem die integrativen Kindertagesstätten auf. Als er zur Lebenshilfe Aschaffenburg kam, habe es in der Region keine derartige Einrichtung gegeben, eine Elterninitiative habe sie sich aber gewünscht, erinnert sich der 65-Jährige. Zur Erklärung: Während eine normale Kindergartengruppe 25 Kinder umfasst, sind es in einer integrativen Kindergartengruppe nur 15 Plätze, davon bis zu fünf für behinderte Kinder. Zudem betreuen drei statt zwei Fachkräfte die Kleinen.

"Das hat mich sehr interessiert, weil ich das Konzept in Hessen als sehr erfolgreich erlebt habe", sagt Germer, der vor seinem Wechsel nach Aschaffenburg beim Behindertenwerk Main-Kinzig-Kreis gearbeitet hatte. Er setzte sich für die integrativen Tagesstätten ein und 1995 eröffnete die Einrichtung in der Aschaffenburger Hockstraße. 1999 folgte Alzenau und 2020 Mömbris.

Kirsten Simon, Vorsitzende der Lebenshilfe Aschaffenburg, hebt hervor, dass diese Einrichtungen zu Germers größten Erfolgen zählen. Sie nennt ihn "die prägende Figur" der Lebenshilfe Aschaffenburg. Er habe Eltern, Mitarbeiter, Einrichtungen und die zu Betreuenden immer im Blick gehabt.

Bernhard Germer war nicht auf direktem Weg zur Lebenshilfe gekommen: Nach dem Fachabitur hatte er eine Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung eingeschlagen. Eine Zäsur sei sein Zivildienst bei den Lebenshilfe Werkstätten Schmerlenbach gewesen. Daraufhin studierte er Sozialpädagogik und arbeitete in den Ferien beim Bezirk Unterfranken, anschließend war er zunächst bei der Kindergartenaufsicht des Landkreises Aschaffenburg angestellt, dann beim Behindertenwerk im Main-Kinzig-Kreis und kam schließlich zur Lebenshilfe Aschaffenburg.

Die Tatsache, dass Germer in Verwaltungsbehörden gearbeitet hatte, bezeichnet er als seine "Stärke", die er in die Lebenshilfe einbringen konnte: Er habe Kontakte zum Bezirk gehabt, Gesetze lesen und interpretieren können und die Denkweise der Behörden gekannt. Ein weiterer Baustein des Erfolgs: Germer bildete zusammen mit dem kaufmännischen Leiter Jörg Veith eine Doppelspitze, eine Konstruktion, die auch seinen Nachfolger Michael Stoll überzeugt und zur Bewerbung bewogen hat.

Die Lebenshilfe Aschaffenburg ist ein Verein, der Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen unterstützt. Dass Bernhard Germer die Anliegen des Verbands so gut vertrat, hat auch einen persönlichen Grund: Einer seiner fünf Brüder habe eine Lern- und Körperbehinderung gehabt, erzählt er. "Ich weiß, was Familien mit behinderten Angehörigen leisten", sagt er sichtlich bewegt.

Am 1. Juni übernimmt Michael Stoll den Posten des fachlichen Leiters von Bernhard Germer. Stoll leitete bislang die sogenannten offenen Hilfen der Lebenshilfe, kennt den Verein also bereits. Etwa ein Jahr habe Bernhard Germer ihn in die anspruchsvollen und komplexen Aufgaben eingearbeitet, sagt Stoll. "Die größte Herausforderung ist, das Niveau unserer Angebote zu halten." Die hohe Qualität sei mit ein Verdienst von Bernhard Germer.

Hintergrund: Michael Stoll

Neuer fachlicher Leiter der Lebenshilfe Aschaffenburg (460 Mitglieder, 160 Mitarbeiter) wird zum 1. Juni Michael Stoll. Der 46 Jahre alte Aschaffenburger hat zwei Studiengänge absolviert: zunächst soziale Arbeit in Frankfurt am Main sowie später berufsbegleitend zum Fachwirt für Sozial- und Gesundheitswesen.

Stoll ist seit 1999 im Verein tätig, während des Studiums unterstützte er die Lebenshilfe bereits als Ehrenamtlicher. Zuletzt leitete er die offenen Hilfen, zu denen der Treffpunkt Mensch und die Freizeitbetreuung gehören. In seiner neuen Funktion möchte er in erster Linie die bestehenden Angebote und damit auch die Arbeitsplätze sichern.

Der neue fachliche Leiter der Lebenshilfe ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er lebt in Schweinheim und schätzt die Nähe zu seiner Arbeitsstelle in der Bayreuther Straße. Den Arbeitsweg absolviere er gerne mit dem Fahrrad, verriet er.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!