Montag, 02.08.2021

Podcast: Das Johannesberger Mühlbergfestival fällt auch 2021 aus

"Kultur in der Krise": Johannes Fuchs spricht über eine schwere Entscheidung

Aschaffenburg
Kultur in der Krise
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18 Min.

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Christoph Emmanuel Seitz
Foto: Stefan Gregor
Podcast-Gespräch mit Andrea Müller und Helmut Massenkeil
Aschaffenburg, Töpferei Andrea Müller Keramik Podcast Kultur in der Krise, Gespräch mit Andrea Müller (Kunsthandwerkermarkt) und Helmut Massenkeil Foto: Petra Reith
Foto: Petra Reith
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Aschaffenburg, Evangelischen Juz, Gespräch Kultur in der Krise. Thema: Fest Brüderschaft der Völker mit Andi Hefter Fotograf: Björn Friedrich
Foto: Björn Friedrich (Björn Friedrich)
Iris Solbès (links) und Elisabeth Claus
Podcast-Gespräch "Kultur in der Krise": Mit Iris Solbès (links) und Elisabeth Claus vom Neuen Kunstverein Aschaffenburg.
Foto: Petra Reith
Quang La (links) und Stephan Ebert (Club Quincy Schultz)
Quang La (links) und Stephan Ebert (Club Quincy Schultz)
Foto: Petra Reith
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Aschaffenburg, Main-Echo - Podcaststudio: Kultur in der Krise mit (v. l.) Axel Teuscher und Urban Priol (Hofgarten). Foto: Stefan Gregor 14.06.2021
Foto: Stefan Gregor
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Aschaffenburg, Main-Echo, Podcast-Studio: Podcast "Kultur in der Krise", Gespräch mit Thomas Weiser (Boppin B). Foto: Stefan Gregor 04.06.2021
Foto: Stefan Gregor
Burkard Fleckenstein
Burkard Fleckenstein, Leiter des Aschaffenburger Kulturamts, im Podcast-Gespräch "Kultur in der Krise".
Foto: Björn Friedrich (Björn Friedrich)
Markus Vollmer
Foto: Markus Vollmer
Jule Bauer
Jule Bauer mit ihrer Nyckelharpa.
Foto: Stefan Gregor
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Aschaffenburg, Main-Echo, Podcast-Studio: Podcast Kultur in der Krise, Gespräch mit Timo Geißel (Kutter eV.). Foto: Stefan Gregor 20.05.2021
Foto: Stefan Gregor
Ulrike Ader
Ulrike Ader, Leiterin der Aschaffenburger Steinmetzschule
Foto: Stefan Gregor
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Aschaffenburg-Damm: Gespräch mit Klaus Appelzum Podcast "Kultur in der Krise" (Musiker, Saxofonist). Foto: Stefan Gregor 07.05.2021
Foto: Stefan Gregor
Agnieszka Kleemann
Schauspielerin Agnieszka Kleemann im Interview für den Podcast "Kultur in der Krise".
Foto: Stefan Gregor
Christopher Bausch
Christopher Bausch, Chef des Aschaffenburger Casino-Kinos. (Archivfoto 2019)
Foto: Petra Reith (red.web-Print Publisher)
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Main-Echo, Podcast-Studio: Podcast-Reihe "Kultur in der Krise": Gespräch mit Hille Blum (Kinderkulturarbeit Aschaffenburg). Foto: Stefan Gregor 05.05.2021
Foto: Stefan Gregor
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Colos-Saal-Chef Claus Berninger im Interview für die Podcast-Reihe "Kultur in der Krise" 06.05.2021
Foto: Stefan Gregor
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Main-Echo, Podcast-Studio: Podcast-Reihe "Kultur in der Krise": Gespräch mit Susanne Hasenstab (Autorin). Foto: Stefan Gregor 27.04.2021
Foto: Stefan Gregor
Die Entscheidung ist noch recht frisch: Das Johannesberger Mühlbergfestival wird auch in diesem Sommer ausfallen. Die Fest-Organisatoren von der Aktion Jugend Johannesberg (AJJ) haben lange überlegt, ob es eine Alternative geben könnte. »Aber wenn wir feiern, dann wollen wir das richtig«, sagt Johannes Fuchs im Podcast »Kultur in der Krise«. Ein Mühlbergfestival mit angezogener Corona-Handbremse soll es nicht geben. 

Fuchs ist 25 und Kassier in dem Verein, der das Traditionsfest seit rund 40 Jahren auf die Beine stellt. Alle, die zum Team gehören, stecken Schweiß und Herzblut in »ihr« Festival: Eine Woche dauert der Aufbau in der Waldlichtung bei Johannesberg, drei Tage wird gefeiert, dann wieder eine Woche abgebaut. Zu viel Aufwand, um am Ende nur abgespecktes Programm zu machen. Zu hohes finanzielles Risiko für den Verein, der kostendeckend arbeiten muss. Fester Bestandteil des Festivals ist der Zeltplatz: Auch Camping und Corona wären kaum zu vereinbaren. 

Keine leichte Entscheidung: Das Johannesberger Mühlbergfestival fällt auch 2021 aus
Quelle: Moni Münch

Im Podcast gewährt Fuchs einen Blick hinter die Kulissen des Festes, das Kult-Charakter genießt und viele Stammgäste hat. 
Der Verein hat die Corona-Zeit gut überstanden –  der Zusammenhalt ist stark, »Crew love ist true love« steht auf den T-Shirts der Mühlberghelfer. Doch wird Corona langfristig Einfluss auf die Besucherzahlen haben, weil kommende Generationen in den prägenden Jugendjahren coronabedingt gar nicht erst die Chance hatten, das Festival für sich zu entdecken? Auch Johannes Fuchs hat als Teenager seine Liebe zum »Mühlberg« entdeckt und kam so zum Helferteam. Jetzt setzen er und seine Crew alle Hoffnungen auf 2022 – und auf das hoffentlich nächste Mühlbergfestival.  

Dieses Gespräch wurde am 1. Juli 2021 aufgezeichnet. 

Die Aschaffenburger Kantorei will schon bald wieder eine große Mozart-Messe proben

Kirchenmusikdirektor Christoph Emanuel Seitz plant schon für den Herbst: Mozarts Requiem und die c-Moll-Messe würde er gerne mit der Aschaffenburger Kantorei einstudieren. Ende des Jahres könnte Bachs Weihnachtsoratorium wieder in der Christuskirche erklingen. Wenn, ja wenn die Corona-Zahlen es zulassen, dass Chöre und Orchester proben können. 

Die Aschaffenburger Kantorei will schon bald wieder eine große Mozart-Messe proben
Quelle: Moni Münch

Im Podcast »Kultur in der Krise« berichtet Seitz, wie die Pandemie die Kirchenmusik eingeschränkt hat. Denn Kirchen sind nicht nur Orte des Glaubens, sondern auch Räume für Kultur und Kulturvermittlung: Kinderchor, Posaunenchor, Gospelchor, Oase-Chor, zwei Bands und die rund 80 Sängerinnen und Sänger der Aschaffenburger Kantorei machen allein unter dem Dach der Christuskirche Musik. 

»Die Arbeit mit den Chören war empfindlich eingeschränkt«, sagt Seitz, der als Kirchenmusikdirektor Ansprechpartner für alle Chöre im evangelischen Dekanatsbezirk Aschaffenburg ist. Phasenweise waren in den zurückliegenden Monaten gar keine Chorproben erlaubt, dann wieder mussten Sängerinnen und Sänger jeweils zwei Meter Abstand untereinander halten. Inzwischen probt die Kantorei wieder im Bachsaal: Seitz bietet aktuell immer mittwochs im zweiwöchentlichen Wechsel zwei Proben hintereinander an, probt also jeweils mir rund 20 Personen. 

Dass die Christuskirche jetzt schon wieder am Start ist, soll am 10. Juli auch die Aschaffenburger Kulturnacht zeigen: Um 19 Uhr ist ein Evensong, also ein musikalisches Abendgebet, geplant und um 21 Uhr ein Nachtkonzert mit Sonja Fiedler an der Harfe.  

Dieses Gespräch wurde am 30. Juni 2021 aufgezeichnet. 

Andrea Müller und Helmut Massenkeil über die Zukunft des Aschaffenburger Kunsthandwerkermarkts

Andrea Müller und Helmut Massenkeil bewegen sich auf dem Grad zwischen Kunst und Kunsthandwerk – nicht nur in ihrem eigenen Schaffen als Keramikerin und Bildhauer. Sondern auch, wenn sie, wie sie es seit Jahrzehnten tun, als Organisatoren des Aschaffenburger Kunsthandwerkermarkts anderen Kreativen eine Bühne bereiten. 

Schon zum zweiten Mal in Folge muss der traditionsreiche Markt im Aschaffenburger Schlosshof heuer coronabedingt ausfallen. Im vergangenen Jahr haben Andrea Müller und Helmut Massenkeil spontan eine Alternative geschaffen und über ein Dutzend Gäste ins Umfeld ihrer Werkstatt-Galerie auf dem Stiftsberg eingeladen. Auch dieses Jahr würden die beiden gerne wieder einen solchen Markt im Kleinformat auf die Beine stellen – »wenn es gewünscht wird«, sagt Andrea Massenkeil. Wenn also die Stadtverwaltung das Vorhaben wie im vergangenen Jahr unterstützt. 

Im Podcast »Kultur in der Krise« spannen Müller und Massenkeil einen weiten Bogen. Vielen freischaffenden Kunsthandwerkern seien in der Corona-Zeit fast alle Möglichkeiten weggebrochen, Umsatz zu machen – der nun mal Grundlage dafür sei, vom Handwerk leben zu können. »Wenn du keine Ausstellungen machen kannst, keine Märkte machen kannst -- dann hast du schlechte Karten«, sagt Massenkeil.

Zwischen Kunst und Kunsthandwerk: Freischaffenden fehlen Märkte und Ausstellungen
Quelle: Moni Münch

Vermisst hat das Künstlerpaar in der Corona-Zeit aber vor allem ideelle Unterstützung: ein offenes Ohr, ein sichtbares Zeichen vonseiten der institutionalisierten Kulturbetriebe. Sie selbst wollen nun aber zeigen, dass sie noch und wieder da sind: mit einer Sommerausstellung vom 7. bis 11. Juli in der Stiftsgasse 10. 

Dieses Gespräch wurde am  18. Juni 2021 geführt

Mit Imagefilm Musik: Stay Alive von Frametraxx

Warum das Fest Brüderschaft der Völker in diesem Jahr erst recht gefeiert wird

30 000 Menschen an drei Tagen: So, wie die Aschaffenburger üblicherweise im Juli ihr Fest Brüderschaft der Völker feiern, wird es in diesem Jahr nicht möglich sein. Im Podcast »Kultur in der Krise« erzählt in dieser Woche Fest-Koordinatorin Andrea Hefter, was vom 16. bis 18. Juli als Alternative geplant ist. 

»Es wird ein ganz anderes Fest sein, das ist klar«, sagt Hefter, die beim Stadtjugendring für die Themen Integration, Inklusion und Partizipation zuständig ist. »Aber allen Beteiligten war auch klar, dass die Werte, für die dieses Fest steht, von besonderer Bedeutung sind – gerade in Zeiten wie diesen.« Welche Werte sie meint? Zusammenhalt statt gesellschaftliche Spaltung. Aufbruch statt Resignation. Der Stadtjugendring organisiert das Brüderschaftsfest seit nunmehr elf Jahren – das Fest selbst gibt es seit 1983. Über 100 ehrenamtliche Kulturvereine, Jugendgruppen, Migrantenselbst- und Hilfsorganisationen beteiligen sich Jahr für Jahr am Fest. 

Warum das Aschaffenburger Fest Brüderschaft der Völker in diesem Jahr erst recht gefeiert wird
Quelle: Moni Münch

 In diesem Jahr haben die Organisatoren das Angebot der Stadt angenommen, im Rahmen der Aschaffenburger Sommerbühnen im Nilkheimer Park zu feiern – zum ursprünglich geplanten Termin vom 16. bis 18. Juli. Die Kulturvereine werden dann vor allem für ein vielseitiges Bühnenprogramm sorgen. Wie viele Besucher erlaubt sein werden, wird von den aktuellen Corona-Inzidenzen und -Auflagen abhängen. Das Fest werde wie gewohnt keinen Eintritt kosten, kündigt Hefter an. »Für mich ist es das beste Fest der Welt«, sagt sie, »weil es von den Menschen, die hier leben, für die Menschen, die hier leben, ausgerichtet wird.«

Dieses Gespräch wurde am 17. Juni 2021 aufgezeichnet 

Mit Imagefilm Musik: Stay Alive von Frametraxx

Kunst geht online: Wie der Neue Kunstverein Aschaffenburg sein Programm trotz Corona schafft

Corona hin oder her: Der neue Kunstverein Aschaffenburg (NKV) hat trotz Pandemie fast alles geschafft, was im Jahresprogramm 2021 steht. Die zeitgenössische Kunst, die im Kunstlanding ausgestellt wird, ist nämlich inzwischen immer auch online auf www.kunstlanding-virtuell.de zu sehen: In kleinen Videos und Werkstattgesprächen erklären die Künstler und Künstlerinnen hier sogar selbst ihre Werke, fast wie bei einer exklusiven Führung.

Kunst geht online: Wie der Neue Kunstverein Aschaffenburg sein Programm trotz Corona schafft
Quelle: Moni Münch

Elisabeth Claus und Iris Solbès vom NKV erklären im Podcast „Kultur in der Krise“, warum Corona das austarierte Geschehen auf dem Kunstmarkt dennoch ins Wanken gebracht hat. Denn wenn Ausstellungen ausfallen, fehlen den Künstlern wichtige Plattformen, um Museen oder potentielle Käufer auf sich aufmerksam zu machen. Den Künstlern habe man sich verpflichtet gefühlt, erklärt Elisabeth Claus. Die Mitarbeiter im Kunstlanding in Kurzarbeit zu schicken, sei auch deshalb nicht in Frage gekommen. Der Verein muss für das stattliche Haus am Landing immerhin keine Miete bezahlen – diese Räumlichkeiten stellt die Stadt Aschaffenburg.

Gefehlt haben dem Verein auch die Kunstmessen und Kongresse – wichtige Orte für Austausch und Inspiration auf dem Kunstmarkt, Börse für die Ausstellungen der Zukunft, wie Iris Solbès erklärt. Sie hat in der Corona-Zeit die Geschäftsführung im Verein übernommen, während Elisabeth Claus schon seit Vereinsgründung als Vorsitzende zeichnet. 30 Jahre gibt es den NKV in diesem Jahr: Gefeiert werden soll beim Sommerfest am 24. Juli.

Zuvor steht am 10. Juli aber zunächst die Museumsnacht an – daran beteiligt sich der NKV mit der aktuellen Ausstellung „Väter und Söhne“ und Musik im lauschigen Innenhof des Kunstlanding. Und die Ausstellung ist derzeit auch regulär und ohne Voranmeldung für Besucher geöffnet: Die niedrigen Inzidenzwerte machen es möglich. (mm)

Dieses Gespräch wurde am 17. Juni 2021 augezeichnet.

Seit 15 Monaten Zwangspause: Wie der Aschaffenburger Club Quincy Schultz Corona überlebt

Partys sind ihre Profession: Quang La und Stephan Ebert sind seit den 1990ern in der Aschaffenburger Szene bekannt, seit 2016 betreiben sie den Club Quincy Schultz in der Ludwigspassage. Doch seit 15 Monaten dürfen keine Menschen mehr dort tanzen. Genauso lange kämpfen Quang La und Stephan Ebert schon für das Überleben ihres Clubs. 

Als Clubbetreiber bewegen sie sich auf dem Grat zwischen Gastronomie und Kulturbranche. Doch ihre Art von Kultur – urbane Subkultur, Clubkultur – wurde von Corona komplett ausgebremst. Übrig bleibt die Gastronomie. Ebert und La haben umdisponiert und auch in diesem Jahr das Angebot der Stadt angenommen, im offenen Schöntal einen temporären Biergarten zu betreiben; „Pop Up Pausenhof“ nennen sie den. Der Biergarten mildert zumindest das Problem der fehlenden Einnahmen. Doch dort können Ebert und La Clubkultur nicht so feiern, wie sie gerne würden: Sperrstunde, Anwohner und natürlich die Corona-Regeln setzen dem Spaß enge Grenzen. 

Seit 15 Monaten Zwangspause: Wie der Aschaffenburger Club Quincy Schultz Corona überlebt
Quelle: Moni Münch

Frühestens im nächsten Jahr, so schätzt Stephan Ebert, könne es wieder so etwas wie Normalität im Nachtleben geben. Bis dahin will das Quincy-Team auf jeden Fall durchhalten – und weiter kreativ sein. Um im Gespräch und über Wasser zu bleiben, hatte das „Quincy“ im vergangenen Jahr etliche Alternativen auf die Beine gestellt: Zum Beispiel einen Cocktail-Lieferservice oder eine Merchandise-Kollektion, mit der die Stammgäste den Club unterstützen konnten.

Aber eigentlich würden Stephan Ebert und Quang La viel lieber Programm machen: namhafte DJs nach Aschaffenburg einladen, Partys zelebrieren. Auch kleine Konzerte, Comedy und Open-Stage-Abende gab es vor Corona regelmäßig im Club Quincy Schultz. Für die Zukunft kann sich Quang La auch gut vorstellen, mit dem Kulturamt zusammenzuarbeiten, um mehr auf die Beine stellen zu können. Fest steht für die beiden Clubbetreiber auf jeden Fall: Sobald Corona vorüber ist, geht im Quincy Schultz die Party weiter. 

Dieses Gespräch wurde am 18. Juni 2021 aufgezeichnet. 

Urban Priol und Axel Teuscher vom Aschaffenburger Hofgarten Kabarett rechnen mit Corona ab

»Ich hatte drei Läden im Lockdown«, sagt der Aschaffenburger Kabarettist Urban Priol – er spricht von seinem Theater, dem Aschaffenburger Hofgarten-Kabarett; von der angeschlossenen Gastronomie und von sich selbst als Künstler, dem durch Corona die Bühne genommen war.

Drei Läden im Lockdown: Für einen wie Priol heißt das – zum Glück – nicht nur Zwangspause. Sondern auch: Aufreger noch und nöcher, täglich neuer Stoff für politisches Kabarett. Seinen Humor hat der 60-Jährige in der Pandemie nicht verloren, das wird im Podcast »Kultur in der Krise« schnell klar: »Ich bin gar nicht mehr nachgekommen«, berichtet er. »Am schlimmsten war's für mich, als bei der Testverteilung die Taskforce Scheuer und Spahn gegründet wurde. Da stößt Satire an ihre Grenzen!«

Trotz Corona den Humor nicht verloren: Urban Priol und sein Aschaffenburger Hofgarten-Kabarett starten wieder durch
Quelle: Moni Münch

Im Podcast ist Priol gemeinsam mit Hofgarten-Geschäftsführer Axel Teuscher zu Gast. Die beiden blicken zurück auf die Corona-Monate, in denen nicht immer klar war, wie ihre Bühne überleben würde. Sie haben viel zu erzählen und einiges zu schimpfen, spielen sich die Bälle zu. Manchmal klingt das nach Spontan-Kabarett für die Ohren, oft nach kritischer Gegenwartsbetrachtung.

Und immer wieder klingt dieses Gespräch so, als ob es endlich wieder aufwärts geht – auch wenn sich die Kabarett-Macher dringend mehr Planbarkeit von der Politik wünschen würden. Priol hat die ersten Auftritte des Sommers schon hinter sich. Am kommenden Wochenende wird er auch zweimal im Hofgarten-Theater spielen, also bewusst nicht unter freiem Himmel; um den Menschen die Angst zu nehmen, um Hoffnung für den Herbst zu machen. Hoffnungsvolles Zeichen: Beide Auftritte sind ausverkauft.

Dieses Gespräch wurde am 14. Juni 2021 aufgezeichnet.

Hintergrund: Der Podcast "Kultur in der Krise"

Wenn die Corona-Zeit einer Gruppe von Menschen die Bühne genommen hat, dann sind das die Musiker und Schauspieler, die Kulturschaffenden und Veranstalter dieser Welt. Im neuen Podcast-Format »Kultur in der Krise« wollen wir Kreativen zumindest ein Stück weit die Bühne zurückgeben. Wir bitten Kulturschaffende aus der Region zum Gespräch und wollen wissen: Wie geht es ihnen jetzt, nach über einem Jahr Corona? 

Bis Juli soll dieser Podcast laufen. Immer am Montagmorgen warten neue Folgen unter www.main-echo.de/kulturkrise
Ab Dienstag sind die Folgen einer Woche unter anderem auch auf itunes/Apple Podcasts, auf der Plattform Spotify, auch dort unter dem Namen  "Kultur in der Krise" ; außerdem unter anderem auch auf Amazon Music, Google Podcasts & Co.

Ganz bewusst lässt der Name »Kultur in der Krise« die Doppeldeutigkeit zu: Dass Kultur tief in der (Corona)-Krise steckt, wird in all diesen Unterhaltungen deutlich. Und doch gibt es Kultur in dieser Krise: Neue Ideen und Konzepte sind entstanden, digitale Formate, Open-Air-Experimente. Mancher hat die erzwungene Pause genutzt, um ein neues Werk in Angriff zu nehmen. Zwischen diesen Polen bewegen sich die Gespräche. Zentral ist die Frage nach der bloßen Existenz: Wie sind Solo-Selbstständige und Bühnen bisher finanziell über die Runden gekommen? Ebenso wichtig die Frage nach den kommenden Monaten: Welche Formate, Festivals und Auftritte wird es im nahen Sommer geben (können)? Wie wirkt sich der fehlende Kontakt zum Publikum aus? Welche Ideen sind entstanden? Welche Probleme haben die Kreativen? Was kritisieren sie an der Politik? Wie ist die Perspektive?

Wie hat sich Corona auf die lokale Musikszene ausgewirkt, Steffen Gerlach?

Niemand kennt die lokale Nachwuchs-Musikszene in und um Aschaffenburg besser als Steffen Gerlach aus dem Jukuz-Musikbüro:  Seit 25 Jahren, also seit es das Aschaffenburger Jugend- und Kulturzentrum gibt, leitet er das Musikbüro im Jukuz. Gerlach behält ständig den Überblick über die lokale Musikszene, hat ein besonderes Augenmerk auf den Nachwuchs. Und er sieht den Wandel: Jahrelang hat er vor allem Rockbands gefördert, Proberäume und Konzerte organisiert. Heute gibt's nur noch wenige Nachwuchsbands, aber immer mehr junge Rapper und Beat-Produzenten in und um Aschaffenburg. Musik, die im Internet passiert und selten auf der Bühne.

Wie hat sich Corona auf die lokale Nachwuchs-Musikszene ausgewirkt, Steffen Gerlach?
Quelle: Moni Münch

Gerlach will junge Musiker vernetzen – und sie auch in der analogen Welt zusammenbringen. Weil das in der Corona-Zeit schwerer ist als je zuvor, hat das Musikbüro einen Livestream auf Youtube etabliert, um lokale Musik vorzustellen. Quer durch alle Genres veröffentlichen ortsansässige Musiker Woche für Woche gut 20 neue Tracks, berichtet Gerlach. Aber auch Live-Konzerte soll es im Sommer endlich wieder geben: am 12. Juli (mit den Bands Cinema Nova, Vero & Band und John Grey im Nilkheimer Park) und am 23. Juli (Dimtrail, Horsemilk und Lovely Dust im Alten Forstamt). Geplant sind außerdem zwei Termine im August: Am 14. gibt's Rap, am 18. August spielen die Bands Dead Taste und Blackbox Reset.

Dieses Gespräch wurde am  12. Juni 2021 aufgezeichnet 

Boppin B-Schlagzeuger Thomas Weiser: „Was uns durchgetragen hat, sind unsere Fans“

Die Aschaffenburger Rockabilly-Band Boppin B hat ein echtes Corona-Opfer bringen müssen: Im April 2021 hat Saxofonist Frank Seefeldt öffentlich gemacht, dass er nach über 30 Jahren kein festes Bandmitglied mehr sein wird und statt dessen einen krisensicheren Job übernimmt. Im Podcast „Kultur in der Krise“ erzählt Schlagzeuger Thomas Weiser, wie es vor und nach dieser Entscheidung hinter den Kulissen der Band ausgesehen hat – und er gewährt auch sonst tiefe Einblicke ins Innenleben dieser Kapelle, die mit Fug und Recht von sich behaupten kann, Aschaffenburgs erfolgreichster Musikexport zu sein.

Boppin B-Schlagzeuger Thomas Weiser: „Was uns durchgetragen hat, sind unsere Fans“
Quelle: Moni Münch

„Was uns richtig durchgetragen hat, sind unsere Fans“, sagt Weiser über die Pandemie-Zeit. Corona-Hilfen hätten die fünf hauptberuflichen Bandmitglieder zwar erhalten. Wichtiges finanzielles Standbein seien aber auch die Proberaum-Sessions gewesen, die die Fans per Streaming verfolgen und mit einer Spende entlohnen konnten. „Wir sind da auch wahnsinnig dankbar“, sagt Weiser. „Nicht nur wegen der finanziellen Seite – mindestens genauso wichtig waren die Kommentare. Was da für aufbauende Worte dabei waren, das war echt großartig.“ Die Band will nach Corona natürlich weitermachen, ist schon wieder auf einer Reihe von Festivals und am 30. Juli im Nilkheimer Park gebucht – und sie arbeitet an einem neuen Album. Auf dieser Platte sollen dann alle drei Saxofonisten spielen, die sich bei Liveauftritten künftig abwechseln werden: Frank Seefeldt, Sven Garrecht und Gregor Obermeier. 

Dieser Gespräch wurde am  4. Juni 2021 aufgezeichnet 

Kulturamtsleiter Burkard Fleckenstein blickt auf die Pandemie zurück –  und auf 21 Jahre im Amt

Sein letztes Jahr als Leiter im Aschaffenburger Kulturamt war für Burkard Fleckenstein eine Achterbahnfahrt: Statt Programm zu machen, musste das Kulturamt Veranstaltungen absagen, rund 200 an der Zahl. Auf der anderen Seite hätten sich neue Wege aufgetan, erzählt Fleckenstein im Podcast »Kultur in der Krise«: Zum Beispiel wurden im Stadttheater Vorstellungen per Livestream in die Welt geschickt. Ein Erfolgserlebnis für Fleckenstein, der Anfang Juli in den Ruhestand tritt – und der vor 21 Jahren nicht mal einen Computer im Büro vorfand, als er das Kulturamt übernahm. 

Aschaffenburger Kulturamtsleiter Burkard Fleckenstein blickt auf die Pandemie zurück – und auf 21 Jahre im Amt
Quelle: Moni Münch

Für den 65-Jährigen bietet das Podcast-Gespräch also doppelt Gelegenheit zum Rückblick. Er sei vor allem dankbar, sagt er. Etwa hierfür: Wenn Veranstaltungen wegen Corona abgesagt wurden, hatten Ticketkäufer die Möglichkeit, das Eintrittsgeld zu spenden. Stattliche 25 000 Euro sind laut Fleckenstein zusammengekommen. Das Geld ging an den Theaterförderverein, der damit theaterpädagogische Arbeit im »Theaterkids Club« unterstützt – und Ensembles, die besonders unter Corona gelitten haben. Namentlich das Theater Schloss Maßbach und das Fritz Rémond Theater in Frankfurt, beides Stammgäste im Aschaffenburger Stadttheater.

»Es wird noch eine Weile dauern, bis wir Normalität haben«, glaubt Fleckenstein. Trotzdem steht das Programm für den Sommer (www.sommerbuehnen-aschaffenburg.de) und für die kommende Spielzeit. Für Letztere soll der Vorverkauf im September starten – zunächst für die ersten zwei Monate, »um dann zu sehen, wie sich die Situation entwickelt«, sagt Fleckenstein. 

Dieses Gespräch wurde am 2. Juni 2021 aufgezeichnet. 

Für Gitarrist Markus Vollmer  ist "Sing meinen Song" der wichtigste Job in der Corona-Zeit

In Aschaffenburg kennt man Markus Vollmer als Gitarristen der Abtown Houzeband, der Rest des Landes kennt ihn aus dem Fernsehen: Von Beginn an, seit 2014, gehört Vollmer zur Band der TV-Show »Sing meinen Song«. Auch in der aktuellen Staffel spielt er die Gitarre – was bedeutet, dass in der Corona-Zeit zumindest einer von Vollmers vielen Jobs erhalten geblieben ist. 

Für Gitarrist Markus Vollmer ist "Sing meinen Song" der wichtigste Job in der Corona-Zeit
Quelle: Moni Münch

Wie ist das, mit Stars wie Nena auf der Bühne zu stehen oder von DJ Bobo den Moonwalk gezeigt zu bekommen? Im Podcast »Kultur in der Krise« berichtet Markus Vollmer von einem bewegten Jahr: »Sing meinen Song« wurde diesmal nicht in Südafrika, sondern in einem Zelt an der Ostsee gedreht – unter strengen Corona-Auflagen. 

Andere Aufträge sind Vollmer im vergangenen Jahr weggebrochen – etwa die Tour mit Gregor Meyle, die ausgefallen ist. Doch weil genug Zeit dafür da war, hat Vollmer im Gegenzug seinen Patreon-Kanal aufgebaut – in der konzertarmen Zeit ein willkommenes zusätzliches Standbein. Im Podcast erklärt der gebürtige Aschaffenburger auch, warum er in der Corona-Zeit kein neues Album aufgenommen hat und welche Leidenschaft er stattdessen entdeckt hat: Vollmer führt Videotagebuch und berichtet nun auf Youtube regelmäßig aus dem Leben eines Berufsmusikers. 

Dass sich im Kreis seiner Kollegen die Fronten im Bezug auf Corona teilweise verhärtet haben, sieht Markus Vollmer kritisch: »Ich finde diese ganze Facebook-Geschichte, wo jeder sein Schild hochhält, sehr problematisch«, sagt er. Jeder könne seine Meinung haben, »aber vergesst bitte nicht, euch auch mal zu treffen und darüber zu reden. Das Schlechteste, was man machen kann, ist drauf los zu hassen.«

Dieses Gespräch wurde am 27. Mai 2021 aufgezeichnet. 

Mit der Nyckelharpa durch die Krise: Musikerin Jule Bauer setzt auf Stipendien

Wenn nicht gerade Corona ist, reist Jule Bauer für ihre Musik durch ganz Deutschland – und durch halb Europa. Im vergangenen Jahr hat die Aschaffenburgerin diese Reisen weitgehend durch Videokonferenzen ersetzt: Bauer gibt Unterricht per Video und arbeitet auf diesem Kanal auch mit Kollegen an neuen Projekten. Wichtige Wege, um auch in der Corona-Zeit als Musikerin Geld zu verdienen. 

Mit der Nyckelharpa durch die Krise: Musikerin Jule Bauer setzt auf Stipendien
Quelle: Moni Münch

Jule Bauer hat sich der alten Musik verschrieben und einem außergewöhnlichen Instrument: Sie ist Sängerin und Virtuosin an der Nyckelharpa, die auch Schlüsselfiedel heißt. Ein Instrument, das wie die Geige gestrichen wird, aber auch Tasten hat. In der Region ist Bauer unter anderem mit ihrem Ensemble Triskilian regelmäßig zu hören, doch sie gehört auch etlichen anderen Gruppen an und unterrichtet Nyckelharpa an der Scuola di Musica Populare im italienischen Forlimpopoli und an der Akademie Burg Fürsteneck. 

Im Podcast »Kultur in der Krise« berichtet Bauer, welche Strategien sie durch die Corona-Krise gebracht haben – finanziell gaben unter anderem Arbeitsstipendien Auftrieb, die der Bund ausgeschrieben hat. »Ich habe einen Antrag nach dem nächsten gestellt«, sagt Bauer. Auf das Bundesland Bayern hingegen war sie anfangs sauer: »Weil Bayern extrem spät angefangen hat, in irgendeiner Art und Weise Hilfen anzubieten.« 

Die Früchte von Jule Bauers Arbeit soll das Publikum bald ernten können. Am 28. Juli wird sie mit ihrem Ensemble »Herzgespann« im Alten Forstamt in Aschaffenburg ein neues Programm vorstellen – wenn die Corona-Lage es zulässt.  

Dieses Gespräch wurde am 21. Mai 2021 aufgezeichnet. 

Timo Geißel will bald wieder mit dem Kutter-Garten an den Start gehen

Der »Kuttergarten« war im vergangenen Sommer plötzlich einfach da: Ein Biergarten, der anders war als alle anderen. Urbaner, mit Musik und Festivalatmosphäre, unterhalb der Ebertbrücke, auf der Leiderer Mainseite in Aschaffenburg. Im Podcast erzählt Timo Geißel, einer der Macher des Projekts, wie es dieses Jahr weitergehen soll. 

Denn weitergehen soll es: Wenn alles klappt ab Samstag, 5. Juni. Diesmal sorgfältiger vorbereitet, weniger spontan als im vergangenen Jahr. Das Kneipenkollektiv Hannebambel soll im Boot sein. DJs sollen auflegen, Bands spielen. 

Timo Geißel will bald wieder mit dem Kutter-Garten an den Start gehen
Quelle: Moni Münch

Hinter dem Kuttergarten steckt die Aschaffenburger Musik-, Kunst- und Kulturinitiative – der gleiche Verein, der das Open-Air-Festival »Unten am Fluss« etabliert hat. Vereinsheim dieser Initiative war drei Jahre lang der »Kutter« in der Dalbergstraße. Ein Ort für Subkultur, den es seit über einem Jahr nicht mehr gibt: Noch vor Corona hat der Kutter seine Tore für immer geschlossen. »Wir sind froh, dass wir in den vergangenen Monaten keine Miete für einen Laden zahlen mussten«, sagt Timo Geißel.

»Unten am Fluss« kann in diesem Jahr erneut nicht stattfinden –  zum dritten Mal in Folge werden am Perth Inch nicht die Beats wummern.

Dieses Gespräch wurde am  20. Mai 2021 aufgezeichnet.

Wie Ulrike Ader die Aschaffenburger Steinmetzschule durch die Pandemie steuert

Die Schülerinnen und Schüler der Aschaffenburger Steinmetz-Meisterschule haben sich von Corona nicht aus der Bahn werfen lassen. Eher das Gegenteil sei der Fall gewesen, berichtet Schulleiterin Ulrike Ader im Podcast »Kultur in der Krise«. 
Neben ihrer Ausbildung schaffen die acht angehenden Steinmetzmeister im aktuellen Schuljahr etliche Werke, die bald im Stadtbild zu sehen sein werden. Und sie haben mit ihrer Benefizaktion »Schloss mit Lustig« schon rund 3000 Euro für die Kinder- und Jugendpsychiatrie am Aschaffenburger Klinikum eingesammelt. 

Wie Ulrike Ader die Aschaffenburger Steinmetzschule durch die Pandemie steuert
Quelle: Moni Münch

Ein äußerst produktives Team, sagt Ulrike Ader über ihre Schützlinge. Vielleicht auch, weil jede Ablenkung fehlte? Dass der Corona-Jahrgang ein kleiner ist, habe sich jedenfalls als »absolutes Glück« erwiesen: So sei es zum Beispiel möglich, die nötigen Abstände im praktischen Unterricht einzuhalten. Ader betont auch den Zusammenhalt, den »Steinmetzgeist«: »Wir haben uns gegenseitig geholfen«, sagt sie über das Miteinander von Lehrern und Schülern.

In der Pandemie ist die Schule digitaler geworden: Theoretischer Unterricht fand online statt, die Schule hat jetzt einen Instagram-Account. Auch der traditionelle Gestaltungswettbewerb, dem sich die Schülerinnen und Schüler stellen, wurde digital ergänzt. Am 7. Mai hätte die Vernissage stattfinden sollen – immer ein Höhepunkt im Schuljahr. Diesmal wurden die Arbeiten in einem Film vorgestellt und das Publikum per Post eingeladen, diesen anzusehen. Dazu gab es sogar ein »prickelndes Getränk« – in Form eines Trinkbrausetütchens. 

Dieses Gespräch wurde am  11. Mai 2021 aufgezeichnet.

Warum Christopher Bausch sein Casino-Kino vorerst nicht öffnen kann

In Bayern dürfen Kinos bei stabil niedrigen Inzidenzen wieder öffnen – doch für Christopher Bausch, Chef des Aschaffenburger Casino-Kinos, ändert sich dadurch erstmal wenig, sein Kino bleibt noch zu. »Akut haben wir keine Perspektive«, sagt Bausch. Im Podcast »Kultur in der Krise« erklärt er, warum seine Branche Vorlaufzeit braucht. 

Warum Christopher Bausch sein Aschaffenburger Casino-Kino vorerst nicht öffnen kann
Quelle: Moni Münch

Das liege in erster Linie daran, dass die Kinobranche von bundeseinheitlichen und verlässlichen Richtlinien abhängig sei – nur wenn es im ganzen Land möglich sei, bringen laut Bausch die Filmverleihfirmen die heiß ersehnten neuen Streifen auf den Markt. Mehr noch: Internationale Verleihfirmen haben nicht nur die bundesdeutsche Coronalage im Blick, sondern den internationalen Markt. 

Dennoch ist Bausch vorsichtig optimistisch. Die Zukunft des Casino-Kinos sieht er als gesichert an: dank der Hilfen, die angekommen sind – und dank der Solidarität der Stammkunden. Und sogar Open-Air-Kino kann sich der Film-Fan im kommenden Sommer in Aschaffenburg vorstellen –  wenn die Inzidenzzahlen stimmen und die Politik es erlaubt.

Dieses Gespräch wurde am  12. Mai 2021 aufgezeichnet.

Die Schauspielerin  Agnieszka Kleemann hat große Pläne für den Sommer

Für die Kleinostheimer Schauspielerin Agnieszka Kleemann ist die Leggings der Gegenstand, der wie kein anderer für die Corona-Zeit steht. »Ein kluger Mensch hat mal gesagt, wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren«, erklärt Kleemann im Podcast-Interview. »Und genau das ist im vergangenen Jahr passiert: Wir haben die Kontrolle über unser Leben verloren«. 

Die Kleinostheimer Schauspielerin Agnieszka Kleemann hat große Pläne für den Sommer
Quelle: Moni Münch

Agnieszka und Thorsten Kleemann führen nicht nur das sehr kleine »12 Stufen Theater« in Kleinostheim, sie waren vor Corona als Schauspieler auch gut beschäftigt: Gebucht auf Firmenfeiern und von Schulen, für theaterpädagogische Workshops mit Kindern, Jugendlichen und Flüchtlingen zum Beispiel. Auch ihr Projekt »Theater für Enkel« im Kleinostheimer Seniorenheim St. Vinzenz von Paul war gut etabliert. Durch Corona musste nicht ihr Theater schließen – auch alle Projekte sind weggebrochen. »Man weiß ja auch nicht, welche Kunden und Partner nach der Krise wiederkommen werden«, gibt Kleemann zu bedenken. 

Den Optimismus lässt sich die Schauspielerin dennoch nicht nehmen: Fünf Premieren sind in der anstehenden Saison geplant – als Open-Air-Theater in Kleinostheim. 

Dieses Gespräch wurde am 4. Mai 2021 aufgezeichnet.

Klaus Appels Saxofon ist verstummt

Der Aschaffenburger Musiker Klaus Appel hat in der Corona-Zeit ein neues Instrument gelernt: Die Gitarre ist aus Sicht von Aerosolforschern weniger bedenklich als die Blasinstrumente, die Appels Markenzeichen sind – allen voran das Saxofon.

Klaus Appels Saxofon ist verstummt
Quelle: Moni Münch

Doch im Gespräch für den Main-Echo-Podcast »Kultur in der Krise« berichtet Appel ansonsten von nervenzehrenden Monaten, die hinter ihm liegen. »Ich bin durchs Raster gefallen«, sagt der Musiker etwa über die staatlichen Corona-Hilfen, die bei ihm nicht angekommen seien. Da Appels berufliche Existenz auf etlichen Standbeinen gebaut ist – Auftritte, Projekte, Unterricht – haben die Programme nicht gegriffen. Weggebrochen seien die meisten dieser Standbeine trotzdem.

Klaus Appel hält nichts von den lauten Corona-Protesten, die dieser Tage immer wieder in der Aschaffenburger Innenstadt auftauchen. Er hat sich für ein stilles Zeichen entschieden, stand schweigend neben seinem verstummten Saxofon in der Fußgängerzone. Der Zweck dieser Aktion? »Mir ging es darum zu zeigen, dass es eine ganze Menge Leute gibt, die nichts bekommen haben«, sagt Appel.

Dieses Gespräch wurde am 7. Mai 2021 aufgezeichnet.

Autorin Susanne Hasenstab hat trotz Corona den Humor nicht verloren

Für ihre Kolumnen und Romane hört die Aschaffenburger Autorin Susanne Hasenstab den Menschen ganz genau zu – aber wie macht sie das eigentlich mitten im Lockdown, wenn alle nur zuhause hocken?

Über diese und andere Herausforderungen der Corona-Pandemie berichtet die 37-Jährige  im Main-Echo-Podcast »Kultur in der Krise«. Bis Juli holen wir in dieser Interview-Reihe zum Anhören Kulturschaffende aus der Region ans Mikrofon. Wir wollen wissen: Wie geht es Kunst und Künstlern nach über einem Jahr Pandemie? Wie groß sind die Sorgen – und wie konkret die Pläne für den kommenden Sommer?

Wie die Aschaffenburger Autorin Susanne Hasenstab trotz Corona-Krise Geschichten findet
Quelle: Moni Münch

Susanne Hasenstab kommt über die Runden, weil sie viele Standbeine hat. Sie ist zuversichtlich: Für den nächsten Roman hat sie schon eine Idee, für ihre Kolumnen findet sie trotz Pandemie immer noch genug Themen. Aber Lesungen und Buchmessen fallen aus, Buchhandlungen fehlen die Kunden: Das spüren auch Autoren.

Das Gespräch wurde am 27. April 2021 aufgezeichnet.

Colos-Saal-Chef Claus Berninger setzt auf Streaming –  und Netzwerkarbeit

Claus Berninger hat für seinen Aschaffenburger Musikclub Colos-Saal einen Weg gefunden, an der Krise zu wachsen: Das Colos-Saal-Team stellt inzwischen konsequent Konzerte als Live-Streaming auf die Bühne. Dieses Angebot werde sehr gut angenommen, berichtet Berninger in seiner Podcast-Folge. 
Berninger ist zuversichtlich, dass sein Club die Krise überstehen wird. Und doch spüre man im Colos-Saal die Einschränkungen der Corona-Pandemie schmerzlich. »Das internationale Tournee-Geschäft ist zusammengebrochen«, sagt Berninger. Ganz zu schweigen davon, dass sein Kerngeschäft die Emotionen seien: Das gemeinsame Erleben. 

Colos-Saal-Chef Claus Berninger ist zuversichtlich, dass sein Club die Pandemie übersteht
Quelle: Moni Münch

Berninger – der sich auch auf Verbandsebene, also überregional für seine Branche stark macht – zeigt sich im Gespräch überzeugt: Die Hilfen, die inzwischen landes- und bundesweit für Künstler und Bühnen angeboten werden, sind besser als ihr Ruf. Aber Kreative seien qua definitionem oft nicht imstande, die Klaviatur der komplexen Paragrafen zu bespielen – und auch viele Steuerberater seien überfordert. 

Das Gespräch wurde am 6. Mai 2021 aufgezeichnet.

Hille Blum plant für den Sommer Musik und Theater für Kinder

Hille Blum will nicht resignieren: Sie hat für das Aschaffenburger Jukuz ein Theater-Programm für Kinder auf die Beine gestellt, unter freiem Himmel. Ob die Vorstellungen in diesem Sommer wie geplant über die Bühne gehen dürfen, weiß aber noch niemand. 

Wie Hille Blum jetzt Wege findet, um in Aschaffenburg Kultur für Kinder anzubieten
Quelle: Moni Münch

Blum ist Jukuz für Kinderkultur zuständig: für Kindertheater, aber auch für den jährlichen Kinderkultur-Tag im Nilkheimer Park, für Bastelangebote auf dem Fest Brüderschaft der Völker oder in den Schulferien. Im Podcast erzählt Hille Blum, wie Corona auch sie ausgebremst hat. Und wie sie Wege gefunden hat, Kinder und Familien dennoch zu erreichen. Mit Bastel- und Spiel-Päckchen zum Beispiel. Über 7000 solche Päckchen habe das Jukuz-Team seit Beginn der Pandemie ausgegeben. 

Aber Blum hält auch Kontakt zu Künstlern, die Musik und Theater für Kinder machen – selbst unter diesen »Berufsoptimisten« sei die Stimmung inzwischen teilweise verzweifelt. Und Blum ist sich sicher: »Die Folgen dieser Krise, die Auswirkungen auf das Leben von Kindern und Jugendlichen werden sich dramatisch zeigen«. 

Das Gespräch wurde am 5. Mai 2021 aufgezeichnet.

 

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