Mit sieben schon Herr der 64 Felder

Schachturnier: Alzenau erlebt eine Nachwuchs-Hoffnung und den »besten deutschen Kaffeehausspieler«

Alzenau
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Ei­ni­ges los war am Sams­tag in Al­zenau: Die Stal­li­ons ze­le­brier­ten Ame­ri­can Foot­ball im Sta­di­on, To­ny Mars­hall hat­te ein Gast­spiel an der Burg. Nicht zu ver­ges­sen: die Gar­ten­schau und al­ler­lei Fes­te. Wer es ru­hi­ger be­vor­zug­te, ging zur de­fini­tiv stills­ten Ver­an­stal­tung des Wo­che­n­en­des: »Al­zenau spielt Schach«.
Wer am Samstagabend in die Prischoßhalle kam, hörte die meiste Zeit über - nichts. Nur ein Klacken, alle paar Sekunden. Das stammte von den Schachuhren, die an jedem Brett standen und den Freunden des königlichen Spiels die Zeit vorgaben: Zehn Minuten hatte jeder, um seinen Gegner matt zu setzen.
So lange brauchte Oliver Bayer in seiner ersten Partie nicht. Keine fünf Minuten benötigte er, um den König seines Gegenübers in eine ausweglose Situation zu bringen. Diesen Ausgang hätte man nicht unbedingt vermutet, wenn man die beiden Kontrahenten gesehen hätte: Oliver ist erst sieben Jahre alt, sein Gegner ein Erwachsener. Hat Alzenau am Samstag vielleicht einen künftigen Stern am Schachhimmel gesehen?
Talent liegt in der Familie
Das Talent liegt jedenfalls in der Familie: Schach hat der kleine Oliver, der aus Gründau stammt und dort auch im Schachclub ist, von seinem großen Bruder gelernt, als er fünf war. Und seine große Schwester ist bereits hessische Landesmeisterin. In seinem zweiten Spiel allerdings musste Oliver sich geschlagen geben: Robert Huck, ein Hobbyspieler aus Alzenau, setzte ihn nach knapp fünf Minuten schachmatt.
Oliver ist beim Turnier »Alzenau spielt Schach« in der Gruppe »Laien mit Spaß am Spiel« angetreten. Dort fanden sich neben ihm und Hobbyspielern wie Robert Huck auch Vereinsmenschen wie die vier jungen Leute vom Technischen Hilfswerk (THW) Alzenau: Sie haben in den beiden letzten Jahren offenbar Gefallen an der Veranstaltung gefunden.
Drei Spielgruppen
Die ersten beiden Auflagen von »Alzenau spielt Schach«, 2013 und 2014, richteten sich an die Alzenauer Vereine - eine Art Schach-Ortsvereinsturnier. Diesmal traten nur Einzelspieler an, und nicht nur die »Laien«. In einer zweiten Gruppe spielten die »Amateure«. Amateur ist, wer eine DWZ von maximal 1500 hat. DWZ heißt »Deutsche Wertungszahl« und bestimmt die Spielstärke eine Schachspielers.
Wer es auf 1500 bringt, hat etwa Kreisklassenniveau, sagt Siegfried Hüttinger, der das Turnier am Samstag im Namen des Alzenauer Schachclubs Königsspringer hauptverantwortlich organisiert hat. Er war es auch, der der dritten Gruppe, den »Profis« mit einer DWZ von mehr als 1500, einen Glanzpunkt beschert hat: Mit Ilja Schneider war in Alzenau ein aktiver Schachbundesliga-Spieler am Start - wobei der Berliner nicht nur in der deutschen, sondern auch in der österreichischen Bundesliga antritt.
150 Euro Preisgeld
Sein Faible für Schnellschachturniere wie das in Alzenau ist bekannt - und wohl deshalb hatte Hüttinger auch Erfolg, als er Schneider erst am vergangenen Mittwoch für einen Abstecher nach Alzenau begeistern konnte. Ilja Schneider hat den Ruf, der »beste Kaffeehausspieler Deutschlands« zu sein. Diesen Titel hat ihm einmal eine Zeitung wegen seiner überraschenden Spielweise verpasst. In Alzenau holte er erwartungsgemäß den ersten Platz und gewann damit das Preisgeld von 150 Euro - was kaum die Reisekosten einbringen dürfte. Schach ist kein Sport, in dem man reich wird.
In der Gruppe der »Laien«, in der etwa ein Dutzend Spieler angetreten waren, setzte sich am Ende übrigens der jüngste durch - der siebenjährige Oliver. Darüber freuten sich auch alle, die ihm unterlegen waren.
Domino statt Wein
Probleme gab es nur bei der Preisverleihung: Eigentlich war für den Sieger der dritten Gruppe eine Flasche Wein vorgesehen gewesen. Die bekam dann Olivers Mutter, und er selbst erhielt ein Spiel. Kein Schach, sondern Domino - aber auch da ist Kombinationsgabe gefragt. Den Titel in der Amateur-Gruppe und damit ein Preisgeld von 100 Euro sicherte sich Markus Rauth aus Arnstein.
Michael Hofmann
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