Was die Beweidung im Hessenthaler Kaltenbachgrund nach zehn Jahren gebracht hat

Mehr Arten dank der Moorschnucken

Mespelbrunn
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz (Mitte) und Stefanie Fuchs (Bürgermeisterin) Foto: Petra Reith
Foto: Petra Reith
Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz (Mitte) und Stefanie Fuchs (Bürgermeisterin) Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon (rechts), Schäfer Ernst Bilz und Stefanie Fuchs (Bürgermeisterin) Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz und Stefanie Fuchs (Bürgermeisterin) Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz und Stefanie Fuchs (Bürgermeisterin) Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz (rechts) - hier an einem Tümpel Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz (im Bild) - beim Schneiden von Sträuchern und jungen Bäumen Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Schäfer Ernst Bilz Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz und Stefanie Fuchs (Bürgermeisterin) Foto: Petra Reith
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Mespelbrunn-Hessenthal, 10 Jahre Moorschnuckenweide im Kaltenbachgrund bei Hessenthal:Wie hat sich die Natur verändert? Treffen mit Gebietsbetreuer Christian Salomon, Schäfer Ernst Bilz und Stefanie Fuchs (Bürgermeisterin) Foto: Petra Reith
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dunkler wiesenknopf-ameisenbläuling, kaltenbachgrund, hessenthal
Foto: Christian Salomon
Fuchs' Knabenkraut, Kaltenbachgrund, Hessenthal
Foto: Christian Salomon
schmalblattriges wollgras, Kaltenbachgrund bei Hessenthal
Foto: Christian Salomon
Fadenmolch, Kaltenbachgrund bei Hessenthal
Foto: Christian Salomon
»Der Ge­winn für Na­tur und Land­schaft ist zwei­fels­f­rei sehr hoch«: Das sagt Na­tur­schutz-Fach­mann Chris­ti­an Sa­lo­mon über die Land­schaftspf­le­ge­ar­bei­ten im Kal­ten­bach­grund bei Hes­sen­thal. Seit zehn Jah­ren be­wei­det Ernst Bilz aus Mes­pel­brunn das Tal mit Zie­gen und Moor­schnu­cken. Was hat sich in die­sem Jahr­zehnt ge­tan? Ein Be­such.

Der 67-jährige Hobbylandwirt Bilz kümmert sich zusammen mit seinem Schwager Edgar Lamster um den Grund, der direkt an der Staatsstraße liegt, die von Mespelbrunn nach Weibersbrunn führt (rechte Seite). 20 Moorschnucken und drei Ziegen erledigen dort einen wichtigen Job für die Tier- und Pflanzenwelt. Zurück zu den Anfängen. Im Tal bei Hessenthal gab's Fichten, Brombeerhecken, Aspen, Birken, Binsen, Sauergräser. Gesucht wurde jemand, der mit einer Schafherde das Tal »offenhält«, wie Bilz und Salomon sagen. Jemand, der dafür sorgt, dass Gehölz und Gras nicht weiter wuchern, sondern zurückgedrängt, die Landschaft gepflegt wird.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Flächen im Tal als Hang-Wässerwiesen genutzt - es wurde Futter für das Vieh gemacht. Danach fiel das Tal weitgehend brach oder wurde mit Fichten aufgeforstet. »Das schmale Tal drohte vollständig zuzuwachsen. Größere Teile der Weide wurden von Moorzonen mit Torfmoosen geprägt«, so Salomon, Beauftragter für biologische Vielfalt bei der Regierung in Würzburg und Gebietsbetreuer für Grünland im Naturpark Spessart.

Ziel der Landschaftspflege: die brachgefallenen und zum Teil versumpften Wiesen im Kaltenbachgrund, Oberlauf der Elsava, vor dem Zuwachsen bewahren. Schon vor zehn Jahren war klar: Das schmale Wiesental gilt als artenreich. Fachmann Salomon nannte damals das Thymian-Widderchen (Schmetterling), die Zweigestreifte Quelljungfer (Libelle), das schmalblättrige Wollgras, das blaue Pfeifengras. Auch gefährdete Arten wie Eisvogel und Schwarzstorch seien hier schon gesichtet worden.

Was hat sich seither getan? Die Pflege des schmalen Wiesentals wurde erweitert - von drei auf fünf Hektar, so Salomon. Mehrfach wurden Fichten umgesägt und abtransportiert. Das Tal liegt am Wanderweg zwischen Hessenthal und Echterspfahl - deshalb hat man eine Aussichtsplattform gebaut und eine Infotafel aufgestellt. So können sich Wandersleut' über die Naturarbeiten im Kaltenbachgrund informieren.

Grünland-Fachmann Salomon hatte damals das Beweidungskonzept mit Moorschnucken und Ziegen entwickelt. Die Schnucken stammen aus den Moor- und Heidegebieten Niedersachsens. Die Rasse gilt als robust und anspruchslos. Und diese Charakterzüge sind im Kaltenbachgrund gefragt, schließlich sollen die Schnucken Brombeerhecken, Gras und Gehölz wegfressen.

Nicht zuletzt: In der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen sind die Moorschnucken als »gefährdet« eingestuft. Schäfer Bilz: »Die Schnucken sind nicht so wild. Sie passen gut hierher.« Und weil sich die Moorschnucken bewährt haben, kommen sie seit 2018 auch im Naturschutzgebiet Hafenlohrtal im Hochspessart zum Einsatz.

Mittlerweile hat sich im Grund bei Hessenthal eine ganze Reihe von Arten eingefunden. Salomon nennt nach wie vor Eisvogel und Schwarzstorch (»Nahrungsgast«), dazu Grasfrosch, Fadenmolch, Thymian-Ameisenbläuling, dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling und Fuchs's Knabenkraut. Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling, betont Salomon, braucht zur Fortpflanzung die Blüten des Großen Wiesenknopfs. Daher werden bestimmte Teilflächen des Tals von Mitte Juni bis Ende August nicht beweidet. Und siehe da: Die Zahl des dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings habe inzwischen »stark zugenommen«.

Ähnlich sei das bei Fuchs's Knabenkraut. Dieses habe man nach fünf Jahren Beweidung erstmals entdeckt. Derzeit zähle man 45 Exemplare. Salomon: »Diese Orchidee ist im Spessart selten.«

Auch der Thymian-Ameisenbläuling sei erst vor wenigen Jahren nachgewiesen worden. Ob er sich im Kaltenbachgrund mittlerweile etabliert hat, sei noch nicht klar. Die Raupen des Thymian-Widderchens seien indes »regelmäßig zu finden«.

»Naturschutz durch naturverträgliche Nutzung«: So beschreibt Salomon sein Konzept. Dazu gehören auch naturschutzfachliche Untersuchungen der Tagfalter und der Botanik.

Wie geht's weiter?

• Um die Artenvielfalt zu stärken, wurden vor Kurzem vier moorige Tümpel vergrößert - sie sollen Amphibien und Libellen (unter anderem Moosjungfern) anlocken.

• Derzeit ist man dabei, Brombeeren und Jungerlen zu entfernen.

• Zudem sollen blütenarme/vegetationsfreie Zonen am Waldrand mit Saatgut von besonders blütenreichen Spessartwiesen bestückt werden.

Auf der Weide steht Hobbyschäfer Ernst Bilz. Er sagt, er schaue jeden Tag nach seinen Tieren. Acht Stunden pro Woche investiert der Rentner in dieses Naturschutzprojekt. Und die nächste Arbeit steht schon an: Ein Baum ist auf den Zaun gekracht. Er muss weg. »Einen halben Tag Arbeit«, sagt Bilz, der auch Gemeinderat in Mespelbrunn ist, dazu Natur- und Landschaftsführer.

Bilz' Schnucken und Ziegen haben einen Unterstand; sie sind das ganze Jahr über draußen. In den Stall nach Mespelbrunn kommen die Schafe nur, wenn sie Nachwuchs bekommen.

Mit dabei im Tal ist Mespelbrunns Bürgermeisterin Stephanie Fuchs. Teile des Tals gehörten der Gemeinde, sagt sie. Sie sei froh, dass die Landschaft wegen der Beweidung nicht mit Büschen zuwächst. Mit Führungen durch den Grund sei Schäfer Bilz nicht zuletzt »Botschafter der Natur«.

Bilz selbst sagt nach zehn Jahren Beweidung: »Man sieht, dass sich die Landschaft verändert hat.« Ob Eisvogel, Wasseramsel oder seltene Schmetterlinge: »Jedes Mal, wenn ich hierher komme, sehe ich etwas Neues.«

Internet: https://www.gruenland-spessart.de

Stichwort: Moorschnucken

Die Moorschnucken von Schäfer Ernst Bilz stammen aus dem Norden der Republik. Sie sind eine alte Schafrasse aus den Moorgebieten Niedersachsens. Die Moorschnucken (Weiße Hornlose Heidschnucke) haben sich über Jahrhunderte an das Leben in Moor-, Sumpf- und Heidegebieten angepasst.

Die Tiere mit der weißen, feingelockten Wolle seien ideal geeignet für die teilweise sehr sumpfige bis moorige Weidefläche im Kaltenbachgrund, so Grünland-Experte Christian Salomon. Die Schnucken haben feste unempfindliche Klauen, sie sind leicht, sinken daher wenig in den Boden ein und verursachen mit ihren Tritten nur geringe Schäden. Außerdem sind sie robust und »gute Futterverwerter«, sagt Salomon.

Das heißt: Ihr Verdauungssystem kommt mit rohfaserreicher Pflanzenkost wie Pfeifengras, Seggen und Heidekraut bestens zurecht.

Ihr fettarmes und wildartiges Fleisch gilt als Delikatesse. (msd)

Hintergrund: Unterstützung für den Schäfer

Der Verein Naturpark Spessart unterstützt die Landwirte Ernst Bilz und Edgar Lamster bei ihrer Arbeit im Hessenthaler Kaltenbachgrund mit Fördergeld, Spenden für Tierkauf oder Personal für Zaunbau und Weidenachpflege. Zudem erhält das Beweidungskonzept finanzielle Unterstützung durch klassische landwirtschaftliche Förderung, durch Naturschutzbehörden und durch Sponsoren, so Grünland-Fachmann Christian Salomon.

Auch der Landschaftspflegeverband ist mit dabei.2015 wurde das Projekt im Rahmen der bayerischen Wiesenmeisterschaft vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und der Landesanstalt für Landwirtschaft ausgezeichnet.

Salomon und Bilz stellen das Projekt bei Fachexkursionen und öffentlichen Naturführungen vor.

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