Malerei als lautloses Gedicht

Kunst: Aschaffenburger Schlaraffia präsentiert Rischars Frankfurter Zyklus zu Faust II - Goethe und Geld

Aschaffenburg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Mit Spinnenfingern hockt der Geiz am Rande eines Wirbels aus Schein-Geld: Ausschnitt aus dem sechsten Gemälde »Lustgarten«.
Foto: Peter Freudenberger
Gro­ße Re­so­nanz hat am Sonn­tag ei­ne Sieg­fried Ri­schar ge­wid­me­te Ma­tinee der Aschaf­fen­bur­ger Schla­raf­fia ge­fun­den. Der Saal in der Fi­scher­gas­se fass­te gar nicht al­le Be­su­cher, die sich mit dem Werk ver­traut ma­chen woll­ten, das der 2009 ge­s­tor­be­ne Künst­ler und Kul­tur­p­reis­trä­ger Aschaf­fen­burgs in den 1980er-Jah­ren für die da­ma­li­ge hes­si­sche Lan­des­bank in Frank­furt ge­schaf­fen hat­te.
Es sind zwei sich gegenüberliegende Wandfriese im Foyer des Gebäudes, in dem heute die Bundesbank zu Hause ist, jedes 1,60 Meter hoch und 13 Meter lang. »Goethe - Frankfurt - Geld« hieß das Thema der Ausschreibung, an der sich Rischar als 60-Jähriger beteiligt hatte.
Er setzte sich gegen seine Mitbewerber durch mit Motiven zu Goethes Faust II, berichtete Klaus Peter Ranft in der Matinee. Rischar fügte die beiden Reliefs zusammen aus je vier großformatigen Ölgemälden, die er in den Jahren 1984 bis 1988 schuf.
Hohe Auflösung, viele Details
Bei der Präsentation im Saal der Schlaraffia Asciburgia waren Aufnahmen in höchster Auflösung zu sehen, die in Aschaffenburg vor der Abgabe der Gemälde entstanden sind. Projiziert wurden sie in Originalgröße auf vier Leinwände. Da die Frontlänge des Saals nicht ganz ausreichte, waren die äußeren Leinwände leicht nach innen gewandt, was den räumlichen Eindruck verstärkte. Zudem ließen sich durch die moderne Technik Details aus den Gemälden herauszoomen, um sie zu den jeweiligen Textpassagen, auf die sie sich bezogen, hervorzuheben.
Wobei Rischar keineswegs Goethes Faust »illustriert« habe, wie Ranft erläuterte. Der Künstler habe seine »Spielfiguren« vielmehr aufgrund seiner Studien und eigenen Gedankenfreiheit entworfen und zu seinem eigenständigen Werk kombiniert. Goethes Faust II und Rischars Bilderzyklus stünden sich gleichwertig gegenüber. Jedes Werk sei für sich bedeutend, keines wolle das andere übertrumpfen. »Das Gedicht soll sprechende Malerei, Malerei ein lautloses Gedicht sein«, zitiert Ranft. Nebeneinander finden sich auch Rischar und Goethe in der Suite der Bilder: Das achte Gemälde zeigt ein Porträt des Dichters, sich selbst malte der Künstler der (sakralen) Tradition folgend, im siebten Bild: als Chiron, der Zentauer, der einst Helena trug.
Per Projektion auf Leinwand und in einer Ausstellung im Nebenraum zu sehen waren auch erste Schwarz-Weiß-Skizzen, die Rischar vor seiner Bewerbung angefertigt hatte, sowie Farbstiftzeichnungen zum Thema Faust II.
Vom Verein begeistert
Rischar war viele Jahrzehnte bis zu seinem Tode Mitglied der Schlaraffia. Seine Begeisterung für diesen weltweit verbreiteten Verein von Männern, die Kunst, Humor und Freundschaft pflegen, lässt sich auch im Frankfurter Faust-Zyklus ablesen: Mehrere schlaraffische Symbole hat er in den Bildern versteckt.
Viele Schlaraffen haben bei der Organisation der Matinee zusammengewirkt: Für die Technik zeichnete Tilo Heimberger verantwortlich, für die Präsentation der Aufnahmen Andreas Hitzke, für die musikalische Eröffnung ein fünfköpfiges Orchester des Vereins. Ranft ist dort ebenso Vereinsmitglied wie Edgar Huckert, der durch das Programm führte.
Dieter Orth, ebenfalls Schlaraffe, stellte den über 120 Besuchern zudem die gemeinnützige Stiftung vor, die sich um den Nachlass des Künstlers kümmert. Derzeit ist ein Werkverzeichnis in Arbeit.
Peter Freudenberger
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!