Kochkurse für Menschen mit Behinderung seit 30 Jahren gefragt

Soziales: Seit 30 Jahren veranstalten VHS und Lebenshilfe Kurse für behinderte Menschen – Samstag Spielfest

Aschaffenburg
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Edith Iris Breunig. Foto: Cornelia Müller
Foto: CORNELIA MUELLER
Schnit­zel mit Kar­tof­fel­sa­lat be­rei­ten die Frau­en und Män­ner im Koch­kurs "Mein Lie­b­lings­me­nü" an die­sem Abend in der Küche der Volks­hoch­schu­le (VHS) vor. Es sind al­le­s­amt Men­schen mit Be­hin­de­rung, die hier un­ter An­lei­tung von Ka­trin El­len­rie­der und Kris­tin Kai­ser ko­chen.

Seit 20 Jahren läuft dieser Kurs, seit gut 30 Jahren gibt es bei der VHS Angebote speziell für Teilnehmer mit Handicap, allein 17 sind es im laufenden Semester.

Rückblick: 1986 startete im frisch bezogenen und barrierefreien VHS-Haus an der Luitpoldstraße das erste »Programm für Behinderte und Nichtbehinderte«, wie es damals hieß. »Viele Menschen haben daran mitgearbeitet«, erinnert sich Edith Iris Breunig (65), die von Anfang an innerhalb der VHS für diese Kurse verantwortlich war. Breunig wechselt nun Ende Juni in den Ruhestand. Zuvor hat sie Rückschau gehalten und eine Chronik über die Angebote der letzten drei Jahrzehnte erarbeitet.

Als eine »besondere Stütze« bezeichnet Breunig neben Stadt, Landkreis, Vereinen und kirchlichen Trägern die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe. Dort insbesondere mit dem Bereich Freizeit, Begegnung, Bildung. Seit 1990 gehört Selma Mattern zu diesem Team. Gemeinsames Ziel war es, »Begegnungen auf Augenhöhe abseits der Mitleidsschiene zu schaffen, Fertigkeiten und Fähigkeiten in den Kursen zu stärken«, erzählt die Heilpädagogin und Ehrenamtskoordinatorin.

Scheu vor Kursen nehmen

Die ersten Angebote, so sagt Breunig, seien eher mäßig besucht gewesen. Selma Mattern rührte die Werbetrommel, versuchte, den Menschen mit Handicap und deren Angehörigen die Scheu vor dem Bildungsangebot zu nehmen. Mit den Betroffenen zusammen lotet sie seitdem jedes Jahr neu aus, welche Themen für sie interessant sind, gibt die Impulse weiter an die VHS. Wertvolle Anregungen kommen von den Fachleuten aus den Wohnheimen, von Betreuern und Sozialpädagogen. Sie stellen einen Großteil der Kursleiter.

Orientalischer Tanz, Theaterworkshop, Kochkurse, Vorträge zum richtigen Umgang mit Geld – das sind einige der Themen im laufenden Semester. Geplant sind für den Herbst unter anderem PC-Kurse oder Infos über Gefahren im Internet. Die Teilnehmerzahl pro Kurs ist bewusst klein gehalten, es gibt stets zwei Kursleiter, die Teilnahmegebühr ist dank Zuschüssen durch die Stadt Aschaffenburg niedrig. In so genannter leichter Sprache informiert die Lebenshilfe über die Kursangebote, hilft falls nötig bei der Anmeldung, organisiert Fahrdienste und stellt ehrenamtliche Helfer. Beispielsweise Jennifer Kulluk, die regelmäßig beim Kochkurs hilft.

Tanz und Theater

Ein Großteil der Menschen mit körperlichen Einschränkungen, zum Beispiel Rollstuhlfahrer, besuche auch das ganz normale Kursprogramm der Volkshochschule, sagt Breunig. Auf dem integrativen Spielfest der Lebenshilfe und der Kommunalen Jugendarbeit am Samstag, 5. Mai, überreicht Breunig ihre Chronik an Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD).

Zudem wollen sich einige der Kurse mit Tanz- und Theaterauftritten von Breunig verabschieden. Wie Selma Mattern hofft auch sie, dass es weitergeht mit der Zusammenarbeit. Breunigs Stelle wird derzeit neu besetzt.

-> Das integrative Spielfest der Lebenshilfe und der Kommunalen Jugendarbeit findet am Samstag, 5. Mai, auf dem Gelände der Comenius-Schule, Bessenbacher Weg 125, statt. Start: ab 14 Uhr.

CORNELIA MÜLLER
 
 

Zur Person: Edith Iris Breunig

Seit 38 Jah­ren ist Edith Iris Bre­u­nig (65) bei der Volks­hoch­schu­le Aschaf­fen­burg (VHS) tä­tig. Die ge­bür­ti­ge Aschaf­fen­bur­ge­rin, die in Frank­furt So­zio­lo­gie stu­diert hat, hielt 1980 ih­ren ers­ten Eng­lisch-Sprach­kurs ab, da­mals noch als frei­be­ruf­li­che Kurs­lei­te­rin.

1986 wurde Breunig fest angestellt mit dem Auftrag, an der Volkshochschule ein Programm für Menschenmit und ohne Behinderung aufzubauen.

Bis heute begleitet die Soziologin die Kurse für Menschen mit Behinderung, ihre Angehörigen und Betreuer. Diese Kurse gehören zum Programmbereich Gesundheit, Literatur und Musik mit derzeit gut 410 verschiedenen Angeboten, für die Breunig seit vielen Jahren verantwortlich zeichnet. Die 65-Jährige wechselt zum 1. Juli in den Ruhestand. (comü)

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