Kahlgrund-Böden mangelt es an Kalk

Landschaft:Bodenanalyse in Schöllkrippen vorgestellt - Nährstoffe im Ungleichgewicht - Erosionsgefahr

Schöllkrippen
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Wie steht es um die Qualität der Böden im Kahlgrund? In einer Grube auf einer Schöllkrippener Wiese erklärt Dieter Knakowski (Mitte), Bodenschätzer beim Finanzamt, den Aufbau des Bodens. Foto: Doris Pfaff
Foto: Doris Pfaff
Vie­le Bö­den im Kahl­grund ha­ben nie­d­ri­ge Hu­mus­ge­hal­te und ei­ne un­güns­ti­ge Struk­tur. Die­se ers­ten Er­geb­nis­se ei­ner im Herbst ge­star­te­ten Kon­zept­stu­die samt Bo­den­ana­ly­se wur­den am Frei­tag bei ei­nem Fach­ge­spräch zum The­ma Ero­si­ons­schutz im Sc­höllkrip­pe­ner Rat­haus vor­ge­s­tellt.

Auf rund 30 verschiedenen Flächen waren hierfür Proben gezogen worden, so Oliver Wegener (Büro Agrofor, Wetten) und Michael Link vom Büro für multifunktionale Umweltplanung und Beratung (Langöns).

Weitere Erkenntnisse der Studie: Meist nur mittel bis niedrig ist die biologische Aktivität der Böden im Kahlgrund. Nährstoffe sind im Ungleichgewicht, vor allem mangelt es an Kalk. Verschiedene Maßnahmen, die Aggregatsstabilität zu verbessern, können die Erosionsgefahr deutlich mindern.

Detaillierte Auswertungen des Projekts, auf deren Basis ein praxisnaher Maßnahmenkatalog erarbeitet werden soll, stehen aber noch aus, sagte Reiner Pistner (FWG), Schöllkrippens Bürgermeister und Sprecher der Kommunalen Allianz Kahlgrund. Vielmehr sei man »erst mittendrin« im Verfahren.

Die Allianz war Gastgeber des Fachgesprächs und einer Besichtigung von Bodenprofilen am Nachmittag, an der Vertreter der Regierung von Unterfranken, des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), des Amts für Ländliche Entwicklung (ALE), des Wasserwirtschaftsamtes, einige Bürgermeister und Manager Christopher Bartrla, sowie Landwirte und Dieter Knakowski, Bodenschätzer beim Finanzamt, teilnahmen.

Abgeschwemmtes Ackerland

Im Kern ging es um die Frage, mit welchen Maßnahmen sich die Erodierung von Ackerflächen vermeiden lässt. Erinnert sei an die Starkregenfälle vom Mai 2017, die in der Region zu Überflutungen, abgeschwemmten Ackerland und großen Schäden in den Orten geführt hatten.

Die sauren Gneisverwitterungsböden und die entkalkten Lößstandorte im Westspessart seien stark erosionsgefährdet, sagte Knakowski. Eine erste Maßnahme sei daher eine Aufkalkung, um ein stabiles Krümelgefüge zu schaffen. Der Agraringenieur aus Hofstädten meinte weiter, dass auch kritische Stellen in den gemeindlichen Vorflutsystemen so bearbeitet werden müssten, dass das Oberflächenwasser richtig abfließen könne.

Die Kommunen gingen das schon an, und auch die Landwirtschaft wolle ihr Potenzial nutzen, betonte der Mömbriser Bürgermeister Felix Wissel (parteilos). Hingegen kritisierte Wissel das Verhalten einiger Bürger, die an Bächen, »dort wo es erst vor zwei Jahren geknallt hat«, wieder Holz und Reisig ablagerten, womit Abflüsse verstopft werden können. Wissel: »Wir müssen ein Umdenken erreichen, sonst ist die nächste Katastrophe programmiert.«

Schutzstreifen und Heckenriegel können auch dazu beitragen, dass Boden nicht abgeschwemmt wird, erklärte Eva Heilmeier, Wasserberaterin beim AELF. Gerne wolle das Wasserwirtschaftsamt Gewässerbegehungen anbieten, damit Abflusshindernisse dokumentiert und beseitigt werden können, bot der stellvertretende Behördenleiter Reinhard Klumpp an.

»Keine schlechten Chancen« habe das Projekt, von der Initiative »Bodenständig« unterstützt zu werden, meinte Manfred Stadler vom ALE. Ziel der Initiative ist es, die Bodeneinträge aus landwirtschaftlichen Flächen in Gewässer zu minimieren und diese zu renaturieren, um die Kulturlandschaft zu erhalten.

Stichwort: Aggregatsstabilität

Unter Aggregatsstabilität versteht man die Fähigkeit des Bodens, Form- und Strukturveränderungen etwa durch Wassereinfluss standzuhalten. Je stabiler die Bodenaggregate sind (Krümelstruktur), desto geringer ist das Risiko der oberflächlichen Verschlämmung und der Bodenerosion. Mit entsprechenden pflanzen- und anbautechnischen Maßnahmen könne die Wasseraufnahmekapazität der Böden bei verbesserten Erträgen und besserer Stressresistenz im Klimawandel erheblich optimiert werden, hieß es bei dem Fachgespräch in Schöllkrippen. ()

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