Johannesberg will komplett klimaneutral werden

Gemeinderat: Konzept »Energienutzungsplan« einstimmig beschlossen - 70 Prozent Förderung vom Freistaat

Johannesberg
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Ein ehr­gei­zi­ges Ziel hat sich die Ge­mein­de Jo­han­nes­berg ge­steckt: Sie will kom­p­lett kli­ma­neu­tral wer­den. Den Start­schuss hat der Ge­mein­de­rat nun am Di­ens­ta­g­a­bend ge­ge­ben, in­dem er ein­stim­mig die Er­stel­lung ei­nes En­er­gie­nut­zungs­plans (ENP) und den Ein­s­tieg ins staat­li­che För­der­ver­fah­ren be­sch­loss.

Für einen ENP gibt es bis zu 70 Prozent Zuschuss vom Freistaat, wenn er die Vorgaben des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie erfüllt. Schon in der März-Sitzung hatte der Gemeinderat einstimmig die Ziele festgelegt: Der Plan soll erstens plausibel darlegen, mit welchen zukünftigen Projekten die komplette Gemeinde Johannesberg klimaneutral werden kann. Zweitens sollen weder der Plan noch die nachkommenden Projekte die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde übersteigen.

Marc Gasper, Geschäftsführer der Energie-Agentur Bayerischer Untermain in Großwallstadt, stellte die Ergebnisse der von ihm beratenen Arbeitsgruppe vor. Diese besteht aus Bürgermeister Peter Zenglein (CSU), Gemeinde-Geschäftsführer Christian Geisenhof, Klimaschutzmanager Andreas Hoos vom Landratsamt Aschaffenburg und Mitgliedern eines Projektteams, das sich Anfang des Jahres auf Anregung der Grünen-Fraktion und der Initiative Gemeinsam Grün Laudato Sí formiert hatte. Sprecher des Projektteams ist der Grünen-Gemeinderat und promovierte Physiker Mathias Koenen. Er wird im Vorfeld der endgültigen ENP-Erstellung auch Fachvorträge bei den öffentlichen Bürger-Informationsveranstaltungen halten.

Abwärme, Biogas, Wasserkraft und Tiefengeothermie ausgeklammert

Gasper zählte die Vorteile des Konzepts »Energienutzungsplan« (siehe auch »Hintergrund«) auf. Der Plan sei ein »schlankes Werkzeug« zur Ermittlung von Grundlagen, aus denen sich fachlich fundierte Maßnahmen ableiten ließen. Als konkrete Schritte nannte Gasper: 1. Erfassung des Ist-Zustands der Energie-Infrastruktur, 2. Untersuchung von Möglichkeiten zur Energieeinsparung, 3. die Analyse, welche Potenziale zur nachhaltigen Energieerzeugung es gebe: zum Beispiel Photovoltaik, Solarthermie, Abwärme, Biogas, Kraft-Wärme-Kopplung, Wasserkraft, Biomasse, Windkraft, oberflächennahe Geothermie und Tiefen-Geothermie (ab 100 Meter).

Nach kurzer Diskussion einigte sich der Gemeinderat darauf, Abwärme, Biogas, Wasserkraft und Tiefengeothermie als unrealistisch für Johannesberg aus dem Leistungsverzeichnis herauszunehmen. Als nächste Schritte nannte Gasper das Formulieren und systematische Abarbeiten konkreter Kleinziele und das Festlegen von Schwerpunktprojekten. Für Johannesberg schlug der Sachverständige die Themenfelder erneuerbare Energien und Ladestationen vor.

Eigenbeteiligung von 13.500 Euro

Gemeinde-Verwaltungsleiter Geisenhof sagte, von den auf maximal 45.000 Euro geschätzten Kosten für den ENP würden bis zu 70 Prozent gefördert. Das bedeute eine Eigenbeteiligung von 13.500 Euro für Johannesberg. Im Gemeindehaushalt 2022 seien bereits 13.000 Euro angesetzt.

Ein halbes bis ein ganzes Jahr kann es laut Geisenhof bis zur Fertigstellung des ENP dauern. Bei der Ausschreibung würden mindestens fünf Büros um ein Angebot gebeten. Bei den Ausschreibungskriterien werde nicht nur die Wirtschaftlichkeit bewertet, sondern es gälten auch Kriterien wie Referenzen, Qualifikation und Kapazitäten. Einstimmig ermächtigte der Rat die Verwaltung, Angebote einzuholen und die Förderung zu beantragen.

Hintergrund: Energienutzungsplan

Ein Energienutzungsplan (ENP) ist ein informelles Planungsinstrument für kommunale Gebietskörperschaften zum Thema Energie, ähnlich wie ein Flächennutzungsplan für die räumliche Planung. Der ENP zeigt ganzheitliche energetische Planungsziele auf mit Vorschlägen für Maßnahmen zur Energieeinsparung, zum Ausbau erneuerbarer Energien und Lösungen für Kraft-Wärme-Kopplung. Ergebnis der Planungen sind Maßnahmenvorschläge mit einer Machbarkeitsbetrachtung in technischer, infrastruktureller und (energie)wirtschaftlicher Hinsicht. Der Fördersatz für Energienutzungspläne beträgt bis zu 70 Prozent und darf nicht mit anderen öffentlichen Mitteln, auch nicht der EU, kumuliert werden. Die Gesamtkosten dürfen 4000 Euro nicht unterschreiten.

Das Informationsportal für Digitale Energieplanung in Bayern, veröffentlicht von Bayern Innovativ Nürnberg, bietet ein Onlinetool an unter https://www.enponline.de

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