Jakobskreuzkraut nicht totzukriegen

Landwirtschaft:Warum die giftige Pflanze in diesem Jahr auffälliger ist als sonst - Runder Tisch am 20. September

KREIS ASCHAFFENBURG.
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Das Jakobskreuzkraut (hier ein Symbolbild aus Tauberbischofsheim) kommt vor allem an Böschungen, Straßenrändern und verwilderten Grünlandstandorten vor. Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis
Foto: Landratsamt Main-Tauber-Kreis
Klei­ne gel­be Blü­ten - und da­von un­ge­wöhn­lich vie­le: Die­ses Jahr ist in der Re­gi­on Aschaf­fen­burg das Ja­kobs­k­reuz­kraut (JKK) be­son­ders auf­fäl­lig. Die gif­ti­ge Pflan­ze ver­mehrt sich je­doch schon seit Jah­ren.

Landwirte haben immer wieder Probleme mit dem heimischen Kraut, da sie problemlos gedeiht. »Das wächst sogar auf Steinen!«, sagt Otto Fäth, Seniorchef des Aussiedlerhofs Fäth in Mespelbrunn-Hessenthal.

Menschen könnten das JKK-Gift in Tees, Honig oder tierischen Produkten konsumieren, sagt Jochen Herberich, Naturschutzwächter in Miltenberg. Schwangere seien sehr gefährdet, da das Ungeborene angegriffen werde. Herberich beschäftigt sich seit zehn Jahren mit JKK.

Für Weidetiere sei besonders gefährlich, dass sie JKK in Futtermitteln nicht bemerken - frisch schmeckt das robuste Kraut bitter, getrocknet aber nicht. Durch die Flugfähigkeit der giftigen Samen sei es allerdings unmöglich, JKK-freies Futter zu gewährleisten. »Landwirte garantieren oft sauberes Futter -ich frage mich, wie«, sagt Herberich. »Insekten profitieren aber von dem Kraut«, betont Thomas Staab von der Kleinostheimer Umweltstation des Landesbunds für Vogelschutz. Es sei bei Trockenheit gute Nahrung und rette Insektenleben. »Es gibt sowieso schon wenig Blühpflanzen«, sagt Staab.

Gift im Honig?

Aber: So könne das Gift in Honig gelangen. Durch die späte Blüte gelte dies nur für Sommerhonig, gibt Ingrid Illies vom Institut für Bienenkunde in Veitshöchheim Entwarnung. Tests in Bayern hätten nur einen infizierten Honig gefunden, während in Schleswig-Holstein mehrere konfisziert wurden. Wenn nichts getan werde, könne sich die Situation aber auch in Bayern verschlimmern, warnt Illies.

Herberich erklärt, was in diesem Jahr anders ist als sonst: Es gebe nicht mehr Jakobskreuzkraut. Aber die Pflanzen hätten stärker geblüht, das sorge für mehr Samen. Die intensive Blüte hänge zusammen mit dem Zeitpunkt des Mulchens.

Dennoch habe sich das Kraut auf lange Sicht durchaus vermehrt: Die Population der Wildkaninchen - natürliche Fressfeinden, - sei stark geschrumpft, so Herberich. Dabei könnten Nager große Mengen des Giftes vertragen, wie eine australische Studie belegt.

Ein aussichtsloser Kampf?

Michael Roßmann, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands (BBV) Aschaffenburg, ergänzt: Auch der seltene Schmetterling Blutbär ernähre sich von JKK, wie sein Spitzname »Jakobskrautbär« nahe legt.

Landwirt Fäth, der nach eigenen Angaben seit 15 Jahre gegen JKK kämpft, ist empört. Ihn stört, dass es nicht vor dem Mähen entfernt wird und deshalb neu austreiben kann. Und: Wenn das Kraut zu spät gemäht werde, sei sein Kampf aussichtslos. Eine Pflanze habe etwa 20 000 Samen.

Herberich ergänzt: Die Pflanzen wachsen oft am Straßenrand. Ihre Samen bleiben leicht an Fahrzeugen haften und verbreiten sich so immer weiter.

Fäth und Herberich sind unzufrieden. Ihr Vorwurf: Die Behörden unternehmen zu wenig. Fäth: »Die machen gar nix!«

Einen Grund dafür nennt Meike Wienand von der Pressestelle des Landratsamts Aschaffenburg: Es gebe keine Regelung zu JKK und damit auch keinen Verantwortlichen.

Trotz allem warnt Naturschutzwächter Jochen Herberich vor einer vollständigen Ausrottung der heimischen Pflanze, da sie für Fauna und Flora auch nützlich sei. Aber auch er fordert: »JKK muss auf ein verträgliches Maß reduziert werden. Sichere Lebensmittel sind das Wichtigste.«

Laut Maike Wienand organisiere das Landratsamt am 20. September einen runden Tisch zum Jakobskreuzkraut. Michael Roßmann vom Bauernverband sagt dazu: »Ein Problem, das wir schon seit Jahren haben, wird endlich ernstgenommen.«

FRANZISKA GREGOR
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