Hohler Chaussee: Mein Herz, mein Herz!

Mundart-Kolumne von Susanne Hasenstab

Kahlgrund
2 Min.

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Mehr zum Thema: Hohler Chaussee
Symbol der Liebe
Das Herz ist das Symbol der Liebe. Tatsächlich sind Emotionen und die Gesundheit des Herzens eng miteinander verwoben.
Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Die "Hohler Chaussee" ist nicht nur eine bekannte Straße im Kahlgrund – seit 2007 firmiert unter diesem Namen auch eine Mundart-Kolumne im Main-Echo, die Susanne Hasenstab schreibt.

In einem Café sitzt ein älteres Ehepaar. Der Mann ist schwergewichtig, unbeweglich und schwerhörig. Eine Dame, offensichtlich eine Freundin der Beiden, nähert sich mit einem Tablett und setzt sich zu ihnen.

Freundin: Na? Es is schon nach fünf, gell ihr wollt noch net haam?
Frau: Mir sinn net mehr so jung verheirat, da will mer net mehr so dringend haam.
Mann: Was sagste?
Freundin: Is die Maske da von euch? Ich tu die grad ma fort, dass ich's Tablett abstelle kann.
Frau: Ja, geb her, die is von ihm. Guck ma, völlisch verbabbt, des Ding. Ich muss ihm ma e neue gewwe. 
Mann: Die Maske is dreckisch. Die hab ich schon orsch lang.
Frau: Ja, siehste, wenn du des selber schon merkst!
Mann: Was machsten dademit? Tust du die wasche?
Frau: Wasche?! Die kommt fort! Aber zum Nausgehn brauchste se noch. 
Mann: Was sagste?
Freundin: Warste jetz endlich ma mit ihm beim HNO?
Frau: Ja, ma gucke, wie des ausgeht mit seim Ohr. Moije gehn mer zum Zahnarzt. Gell? Während Corona hammer ja nix gemacht, des müsse mer jetz nachhole. Mir fange mit de Ohrn an, dann komme die Zähn, dann die Hüft, dann des Knie. Der wird jetz repariert!
Freundin: (kaut) Also mein Rosineweck is orsch trocke. 
Frau: Die darfste hier net esse, die liesche seit vier Uhr moijens in de Theke, die sinn net frisch. 
Freundin: Ach du liebe Zeit, is des trocke. Was e Gebröckel.
Mann: (greift sich an die Brust) Oje, oje. Mei Herz! Mei Herz!
Frau: Was haste dann schon widder?
Freundin: Was hat er dann?
Frau: Er denkt immer, er hätt's am Herz. Des sinn Angstgefühle, hat de Dokter gesagt, du hast nix am Herz! So e Art Panikattacke, was weiß ich, was des soll, des hatt er zum erste Mal vor fünf Jahrn in Madeira, wie mer mim Bus so e Serpentine gefahrn sinn.
Freundin: Madeira is schee, da warn mer zwische de erste unn zwodde Welle.
Frau: Jetz stell dich net so an, es macht dir doch kaaner was! Ich kann aach manchmal nachts net schlafe, da mach ich doch net so en Uffstand!
Mann: Mei Herz... 
Freundin: Mer muss viel trinke! Viel Wasser trinke.
Mann: Was?
Frau: Der hat immer gut gehört. Jetz isser so daab wie unser Hund, unn de Hund is so daab wie er. 
Freundin: Also der Rosineweck is wirklich net so des Gelbe vom Ei.
Frau: (steht auf) So, wolle mer? Setz dei Maske uff!
Mann: Die is orsch dreckisch.
Frau: Ja, drauße kannste se wegwerfe. Ich hab noch aa im Auto. Die müsst dann lange, bis die Maskepflicht abgeschafft werd. So, hopp! Des werd ja net annerst, wenn de weiter da hockst! 

Der Mann stemmt sich mühsam in die Höhe. In Zeitlupe gehen Beide zum Ausgang. Die Freundin bleibt kauend zurück. Nachdem das Rosinenbrötchen vertilgt ist, atmet sie erleichtert auf und verlässt ebenfalls das Café.

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