Heimat gestalten, miteinander feiern

Fest: Tausende bei »Brüderschaft der Völker« in Aschaffenburg - Urban Priol stellt die Initiative »Gehmit!« vor 

Aschaffenburg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

sta1807brueder
Auf dem Fest die Liebe gefunden: Lilian und Philipp Taubert. Foto: Pollinger
Foto: Malenaie Pollinger
Brüderschaft der Völker 2016
Aschaffenburg, Volksfestplatz: Fest Brüderschaft der Völker 2016; Main-Bühne, Auftritt KinderKulturKarawane, die Theatergruppe Asociación Tiempos Nuevos Teatro aus El Salvador mit dem Stücke "Die Farbe des Schmerzes". Foto: Stefan Gregor 16.07.2016
Foto: Stefan Gregor
Brüderschaft der Völker 2016
Aschaffenburg ist bunt: Farbenfrohe Landestracht.
Foto: (red.web-Print Publisher)
Brüderschaft der Völker 2016
Genuss zum Zuschauen und Probieren: Kaffeezeremonie aus Eritrea.
Foto: Stefan Gregor
Fröh­lich la­chen­de Men­schen aus rund 150 Na­tio­nen: Zu Tau­sen­den ha­ben sie das Fest Brü­der­schaft der Völ­ker am Wo­che­n­en­de auf dem Fest­platz am Main ge­fei­ert. Da­bei wur­de nicht ver­ges­sen, dass die­ses gast­f­reund­li­che, re­spekt­vol­le Mit­ein­an­der un­ter dem Mot­to »Aschaf­fen­burg - ei­ne Stadt - ei­ne Welt« et­was sehr Kost­ba­res ist und wohl die bes­te Ant­wort auf Ge­walt und Ter­ror, die an­dern­orts herr­schen.

Mit einer Gedenkminute für die Opfer von Krieg und bewaffneten Konflikten hatte Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) das Fest am Freitag eröffnet und sein Mitgefühl mit den Menschen in Nizza bekundet, wo am Abend zuvor ein Amokläufer getötet hatte. Nur wenige Stunden später sollte die Nachricht vom Putschversuch in der Türkei für Entsetzen sorgen.
Vom Weltgeschehen eingeholt
»Wir haben in unserer Gruppe lange diskutiert, ob wir weiterfeiern sollen«, erzählte Ercan Pancarci am Samstag. Er ist im Vorstand des Vereins Volkshaus Halkevi, einer der rund 100 auf dem Fest vertretenen Gruppen. Man sei erschüttert vom Tod so vieler Menschen gewesen, sagte Pancarci. Der demokratische Verein Halkevi verurteile den gewaltsamen Putsch; man habe sich aber zum Weiterfeiern entschieden.
Serkan Yalta, Sprecher und Vorstandsmitglied des türkisch-islamischen Kulturvereins Ditib Aschaffenburg, sah ebenfalls wenig Auswirkungen der Geschehnisse in der Türkei auf das Aschaffenburger Fest. Allerdings seien sicherlich viele Vereinsmitglieder emotional betroffen.
Andrea Hefter, die das Fest für den Stadtjugendring federführend organisiert und ein Jahr lang in enger Zusammenarbeit mit allen Gruppen vorbereitet hat, will dem Wahnsinn auf der Welt keine Macht über das Fest der Aschaffenburger einräumen: »Wir wollen hier nicht nur feiern, sondern zeigen, dass es auch anders geht«, stellt sie klar. Das Rezept vom friedlichen Miteinander geht auf: »Das Fest war Freitag und Samstag noch nie so voll wie in diesem Jahr«, zieht Hefter Zwischenbilanz - und ist glücklich.

+66 weitere Bilder
Brüderschaft der Völker
Foto: Stefan Gregor |  68 Bilder

 


Um Ängste, aber auch Hoffnungen ging es im Zelt des Aschaffenburger Afrika-Freundeskreises Afka. Mitglieder diskutierten mit Besuchern, gaben Einblick in ihre Lebenswege. Der stellvertretende Vorsitzende Aimé Luganywa, der aus Kongo-Brazzaville stammt und mit seiner Familie in Großostheim wohnt, erzählte vom Studium in Stuttgart, das ihm ein Onkel ermöglichte. »Afka ist für mich ein Stück Heimat«, meinte der deutsche Staatsbürger, der nun jungen Afrikanern hilft, sich in ihrer neuen Heimat zurechtzufinden.

+49 weitere Bilder
Brüderschaft der Völker 2
Foto: Stefan Gregor |  51 Bilder


Ihr Glück gefunden hat Lilian Taubert, die 2011 aus Kenia als Aupair nach Aschaffenburg kam. Beim Brüderschaftsfest 2012 lernte sie ihren Mann Philipp kennen. »Sie hat so schön gelächelt«, erzählt der Sozialpädagoge. Er sei nicht mehr von Lilians Seite gewichen - und vor drei Jahren war Hochzeit. Inzwischen ist Nachwuchs unterwegs, und Lilian studiert in Hessen BWL. Semhar Tekie aus Eritrea berichtet, dass sie diese Woche ihren Quali geschafft habe. Die verwitwete Mutter ist stolz auf ihre Söhne: Der 23-Jährige absolviert eine Ausbildung, der 15-Jährige besucht das Gymnasium, der 14-Jährige die Realschule.
Während draußen auf dem Platz das Leben pulsierte mit super Musik auf zwei Bühnen und leckeren Spezialitäten aus aller Welt, gab es im voll besetzten Zukunftszelt ernsten Gesprächsstoff. Urban Priol, Claus Berninger, Justus Roos und Michael Stenger stellten die Aschaffenburger Initiative »Gelebte Heimat miteinander - Gehmit!« vor.
Sie wird getragen von Kulturschaffenden und will dazu ermutigen, für und mit Zuwanderern ein friedliches Miteinander zu schaffen. »Wir dürfen Heimat nicht den Dumpfnasen überlassen«, meinte Kabarettist Priol. Jeder Einzelne, so Stenger, müsse »Heimat leben und mitgestalten«.

eBildergalerie: www.main-echo.de ; Blog zum nachlesen: www.main-echo.de/live
Melanie Pollinger

 
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!