Samstag, 23.10.2021

So war der Wahlabend in Stadt und Kreis Aschaffenburg

Gewonnen und zerronnen

Stadt und Kreis Aschaffenburg
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Grünen-Kandidat Niklas Wagener bei der Wahlparty im Colos-Saal.
Foto: Stefan Gregor
Gewinner ohne Euphorie: Die CSU wartet im Landratsamt Aschaffenburg auf die Ergebnisse der Bundestagswahl (von links): Direktkandidatin Andrea Lindholz, Staatsministerin Judith Gerlach, rechts Landrat Alexander Legler und im Hintergrund links Winfried Bausback, CSU-Landtagsabgeordneter. Fotos: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
Sechs Uhr am Sonntagabend, großer Sitzungssaal im Landratsamt Aschaffenburg: Ein leises »Wahnsinn« ist zu hören, als im Fernsehen die erste Prognose zur Bundestagswahl gezeigt wird. Bei den anwesenden CSU-Mitgliedern herrscht verhaltene Stimmung. Gleichauf liegen Union und SPD. Nach Sekt ist da kaum einem zumute. Es gibt Brötchen, die meisten entscheiden sich für Saft, Wasser oder Cola.

Auch mit Blick auf die Region dürfte den Christsozialen eher nach Kater denn nach Schwips zumute sein. Denn obwohl Andrea Lindholz aus Goldbach erneut das Direktmandat im Wahlkreis 247 holt, der Aschaffenburg Stadt und Kreis beinhaltet, muss ihre Partei bei der Zweitstimme »Federn lassen«. Das gibt sie um kurz nach 20 Uhr im Gespräch mit unserem Medienhaus zu. Die Union werde »die Regierung mitbilden dürfen«. Aber es sei eine »deutliche Aussprache nötig«. Es müsste fortan mehr um Inhalte gehen, unter anderem um folgende Schwerpunkte: Klimawandel, innere Sicherheit, Digitalisierung und Cyberkriminalität. Zuvor hatte Aschaffenburgs Landrat Alexander Legler (CSU) Lindolz mit einem Blumenstrauß zum erneuten Gewinn des Direktmandats gratuliert.

Grüne nicht ganz zufrieden

Doch auch anderswo ist an diesem Wahl-Sonntag der Himmel nicht ohne Wolken. Zum Beispiel bei den Grünen im Colos-Saal. Historischer Erfolg ja, aber auch verpasste Chancen. Unter anderem der Umstand, nicht die neue Bundeskanzlerin zu stellen, trübte dort die Laune. Bei der ersten Prognose um 18 Uhr hatte noch verhaltene Freude und die Hoffnung geherrscht, dass die Zahlen noch nach oben gehen würden. Richtig laut wurde es erst, als sich abzeichnete, dass die Grünen offenbar die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin gewonnen haben.

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Quelle: Moni Münch

Mit dem Ergebnis in der Stadt könne man sehr zufrieden sein, bilanzierte Grünen-Direktkandidat Niklas Wagener um 21.30 Uhr, als ein Großteil der Stimmen in Stadt und Kreis Aschaffenburg ausgezählt war. Mit dem Abschneiden im Kreis, wo der 23-Jährige in einigen Gemeinden weniger Stimmen als der Kandidat der AfD bekommen hat, weniger. Zudem musste Wagener entgegen der Erwartungen bangen, ob es mit dem Einzug in den Bundestag klappt. Bis 22.15 Uhr stand es nicht fest. Dennoch gab er sich optimistisch: »Wir werden auch den Landkreis begrünen«, rief er den 50 Besuchern im Colos-Saal zu.

Erfolg der SPD

Äußerst zufrieden mit ihrem Abschneiden zeigte sich hingegen die SPD: Sie hat trotz des zurückliegenden Tiefs ihrer Partei auf Bundes- und Landesebene ihr Ergebnis von 2017 nicht nur verteidigt, sondern sogar noch zugelegt. SPD-Direktkandidat Tobias Wüst sieht dafür eine Reihe von Gründen. Die SPD habe auch in Stadt und Kreis Aschaffenburg auf die richtigen Themen gesetzt, und sie sei mit einem jungen Team gut aufgestellt. »Die Bürger vertrauen uns«, sagt Wüst

Dieses Vertrauen betreffe vor allem das Thema soziale Gerechtigkeit, das in dieser Bundestagswahl eine wichtige Rolle gespielt habe, ergänzte die Landtagsabgeordnete und Unterbezirksvorsitzende Martina Fehlner. Sicher habe sich auch der bundesweite Aufwind der SPD und ihres Kanzlerkandidaten Olaf Scholz auf das Ergebnis in Stadt und Kreis ausgewirkt, so Wüst und Fehlner

Dass er nicht das Direktmandat erringen würde, sei ihm klar gewesen, räumte Wüst ein. Trotzdem gebe es ihm Auftrieb, dass er mehr Erststimmen auf sich vereinigen konnte als sein Konkurrent von den Grünen, Niklas Wagener, obwohl der bereits vor vier Jahren kandidiert hatte. »Ich stehe ja am Anfang meiner Karriere«, sagt der 26-Jährige.

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Quelle: Moni Münch

Von einem Achtungserfolg für Wüst sprachen denn auch Sozialdemokraten, die bereits Mandate inne haben, so Oberbürgermeister Jürgen Hering und der Dritte Bürgermeister Aschaffenburgs, Eric Leiderer. Die SPD-Kreisvorsitzende Anita Dreikorn lobte den engagierten Wahlkampf der SPD im Stadtverband und in den Ortsvereinen. »Wir können wirklich stolz auf das Ergebnis sein.«

War die Stimmung bei der SPD gut, feierte die FDP im Aposto eher verhalten, als die erste Prognose auf eine große Leinwand geworfen wurde. Dennoch wertete der Aschaffenburger Bundestagsabgeordnete Karsten Klein das Ergebnis seiner Partei als Erfolg: »Wir wollten zweistellig werden und sind zweistellig geworden«, sagte er.

Applaus gab es von den rund 40 Unterstützern, darunter von vielen Jung-Liberalen, als es hieß, dass eine Rot-Rot-Grüne Koalition im Bund keine Mehrheit habe. Konkret zu einer Koalition wollte Klein, dessen erneuter Einzug in den Bundestag mit Listenplatz 3 als sicher gilt, nicht äußern. »Ganz klar: Wir wollen regieren und warten ab, wer uns ein Gesprächsangebot macht«, sagte er.

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