Gewerkschaftlichen Neubeginn mitgestaltet

Geburtstag: Ferdinand Karpf wird 90 Jahre alt - Rettung des PWA-Betriebsstandorts Aschaffenburg größter Erfolg

Aschaffenburg
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Ferdinand Karpf wird an diesem Freitag 90 Jahre alt. Foto: Ernst Bäppler
Foto: Ernst Bäppler
Sein 90. Le­bens­jahr vol­l­en­det an die­sem Frei­tag Fer­di­nand Karpf. Der Ju­bi­lar ist ei­ner der letz­ten noch le­ben­den Zeit­zeu­gen des po­li­ti­schen und ge­werk­schaft­li­chen Neu­be­ginns nach 1945 am baye­ri­schen Un­ter­main und war jah­re­lang an füh­r­en­der Stel­le in der Ar­beit­neh­mer­ver­t­re­tung tä­tig.

"Mein Gewerkschaftsgen wurde mir vererbt" gesteht er. Er war eines von acht Kindern des Gewerkschaftlers und späteren CSU-Bundestagsabgeordneten Hugo Karpf. An dessen Verfolgung in der NS-Zeit kann sich der Sohn noch gut erinnern - so auch an den Tag, als er aus der Schule heimkam und erfahren musste, dass der Vater in "Schutzhaft" genommen wurde: "Dies und andere Repressalien gegenüber unserer Familie waren für mich der Anstoß, mich wie mein Vater für einen demokratischen Neubeginn zu engagieren."

Mit 17 in die CSU

Mit 17 Jahren trat der der junge Ferdinand der CSU bei. Sein wichtigstes Betätigungsfeld jedoch war die Gewerkschaft. Seit 1947 gehörte er der IG Nahrungsmittel und Genuss an, nachdem er mit dem Kaufmannsgehilfenbrief in der Hand eine Stelle in der Aschaffenburger Süßwarengroßhandlung Bachmann & Weber angetreten hatte. 1954 wechselte er zu den Aschaffenburger Zellstoffwerken und gleichzeitig zur IG Chemie-Papier-Keramik. Nach wenigen Jahren stieg er zum Leiter der Fakturierungsabteilung auf, kandidierte erfolgreich zum Betriebsrat und wurde 1963 freigestellter Betriebsratsvorsitzender.

Bald nach der Fusion mit der Zellstofffabrik Waldhof zur PWA im Jahr 1970 war Karpf im Amt des Konzern-Gesamtbetriebsratsvorsitzenden. Gleichzeitig übernahm er einen Sitz im Aufsichtsrat und wurde Mitglied in der Tarifkommission seiner Gewerkschaft. Zwei Jahre vor der Übernahme der PWA durch die schwedische SCA trat er 1993 in den Ruhestand. Als seinen größten Erfolg als Betriebsrat bezeichnet Karpf die Rettung des Betriebsstandorts Aschaffenburg mit 500 Arbeitsplätzen, dessen Schließung Mitte der 1980er fast schon beschlossen war. Heute gehört dieser Betriebsteil in unmittelbarer Nähe des Medienhauses Main-Echo der britischen Firma DS Smith Paper.

Private Veränderungen

1954 war für Ferdinand Karpf auch ein Jahr der privaten Veränderung: Er heiratete und erstellte sich weitgehend in Eigenleistung das noch heute von ihm bewohnte Eigenheim im Strietwald. Nachdem den Eheleuten im letzten Jahr noch die Feier der Gnadenhochzeit vergönnt war, ist Ehefrau Carola, die er mehrere Jahre zu Hause aufopfernd gepflegt hat, vor sechs Wochen gestorben. Von diesem Schicksalsschlag lässt sich der trotz "einiger Baustellen am Körper", wie er es formuliert, agil auftretende Jubilar nicht unterkriegen: Zum Fototermin kommt er aus seinem Werkraum im Keller heraufgestiegen und sagt: "Bisher habe ich für mein Haus noch keinen Handwerker gebraucht. Das soll auch so bleiben."

Vielfältig waren seine Engagements, die teilweise auch bis heute fortbestehen: ehrenamtlicher Arbeitsrichter, Vorsitz bei den Lebenshilfe-Werkstätten Schmerlenbach und im Pfarrgemeinderat St. Konrad, zweiter Vorsitzender der Touristengesellschaft 1908 Damm sowie Schatzmeister bei der CSU Strietwald. Unter den zahlreichen Auszeichnungen ragen das Bundesverdienstkreuz sowohl "am Bande" als auch "Erster Klasse" hervor. Coronabedingt wird Ferdinand Karpf seinen runden Geburtstag nur im Kreise der Familien von zwei Kindern und sieben Enkeln feiern.

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