Gänsehautmusik und Corona-Friedensgebet

160 Besucher bei »Nacht der Lieder« am Buß- und Bettag im Aschaffenburger Martinushaus - Kritik an Populisten und Politikern

Aschaffenburg
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Nacht der Lieder am Buß- und Bettag im Aschaffenburger Martinushaus mit (von links) den Liedermachern Clemens Bittlinger, Klaus-André Eickhoff und Christoph Zehender, begleitet vom Perkussionisten David Kandert und Schweizer Keyboarder David Plüss
Foto: Melanie Pollinger
Manch­mal hilft nur noch Be­ten, zum Bei­spiel um Frie­den in der we­gen Co­ro­na zer­s­trit­te­nen Ge­sell­schaft. Die Lie­der­ma­cher Cle­mens Bitt­lin­ger, Klaus-An­d­ré Eick­hoff und Chri­s­toph Ze­hen­der ha­ben auf ih­re künst­le­risch-mu­si­ka­li­sche Art mit Gott ge­spro­chen bei der »Nacht der Lie­der« am Buß- und Bet­tag im Mar­ti­nus­haus. Rund 160 Be­su­cher - al­le ge­impft oder ge­ne­sen und mit Mas­ke - be­te­ten mit und ge­nos­sen au­ßer­dem ein an­spruchs­vol­les abend­fül­len­des Pro­gramm.

Trotz aller Nachdenklichkeit und Ernsthaftigkeit im christlichen Glauben durfte auch gelacht werden bei der Veranstaltung, die eigentlich in der evangelischen Christuskirche hätte stattfinden sollen. Nach dem »Dachschaden« dort stellte das katholische Martinushaus kurzfristig seinen Saal zur Verfügung, zur Freude von Christuskirchen-Pfarrer Hansjörg Scheman.

Politisch provokant begann »Rockpfarrer« Bittlinger den Abend. Er stellte - wie schon Kabarettistin Sarah Hakenberg - die Unheils-Tonart d-Moll mit dem absteigenden Akkord a f d vor. Der Partei mit diesen Anfangsbuchstaben las Bittlinger mit dem Lied »Könnte ich sein« die Leviten.

Der Würzburger Percussionist David Kandert malte dazu Gänsehautklänge auf dem Hang, einem Ufo-förmigen Schlaginstrument. Der Begleiter am Keyboard und Schwyzerörgeli (Mini-Akkordeon), Bittlingers langjähriger Konzert-Weggefährte David Plüss aus der Schweiz, brachte mit seinen ausgefeilten Arrangements die Herzen der Zuhörer zum Mitklingen.

Ebenfalls unbequem, aber humorvoll war das Lied »HabSeligkeiten«, das vom letzten taschenlosen Hemd handelte. Die Bitte um Versöhnung schwang in Bittlingers Friedenslied für Corona-Zeiten mit: »Mensch, wir sind doch keine Feinde!«

Auf die feinen Zwischentöne spezialisiert hat sich der Songtexter und Pianist Eickhoff. Die Kostproben aus seinem Programm »Hier stehe ich - ich könnt auch anders« waren voll wundervoller Sprachspiele und Spitzen, etwa gegen Populisten.

»Ganz in Gott eintauchen« konnten die Zuhörer mit Christoph Zehender, dessen geistliche Lieder sich in evangelischen und katholischen Gesangbüchern finden. Die Zuhörer summten oder murmelten leise mit bei »Er hört dein Gebet« oder »Wir sind nicht trostlos unterwegs«.

Zehender ist Mitarbeiter der evangelischen Christusträger-Bruderschaft im Kloster Triefenstein am Main, die unter anderem medizinische Hilfe in der afghanischen Hauptstadt Kabul leistet. Auch als Liedermacher bringt sich Zehender kritisch ein, etwa in seinem Lied »Was ist los mit deinen Kindern, Vater Abraham?«

Berührendes Finale des Abends waren das gemeinsam gesungene »Vater, unser Vater« von Zehender und »Sei behütet« von Bittlinger.

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